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 Jazz - wir nannten's Musik


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Eddie Condon wird 1905 in eine irischstämmige und musikalische, aber nicht gerade betuchte Großfamilie hineingeboren. Die Schule begeistert ihn sehr viel weniger als das Streichespielen, und schon früh gilt sein besonderes Interesse der Musik. Er bringt sich als kleiner Junge das Ukulele-Spielen bei, bekommt später ein Banjo geschenkt und fasst als Teenager den Entschluss, Berufsmusiker zu werden. Zu dieser Zeit kann noch niemand ahnen, dass er einmal zur Gründung des Chicago Dixieland Jazz beitragen und diesen nach New York bringen wird.

"Jazz - wir nannten's Musik" ist eine Neuauflage von Condons Autobiografie, in der er von seiner Kindheit und seinem musikalischen Werdegang vor allem in den wilden 1920er-Jahren erzählt. Schauplätze der Rückblicke sind neben seinem kleinen Heimatort in Indiana vor allem Chicago und gegen Ende der 20er schließlich New York. Dem Selbstporträt gehen ein Vorwort des Musikers und Moderators Götz Alsmann und Kindheitserinnerungen von Condons Tochter Maggie voran. An den Hauptteil schließt sich ein Beitrag von Hank O'Neal an, der Condons Leben zusammenfasst und seine Leistungen würdigt. Im Anhang finden sich eine Übersicht über die Chicagoer Bands und ein Namensverzeichnis.

Als Eddie Condons Autobiografie 1947 erstmals erschien, leitete er bereits den New Yorker Jazzclub "Eddie Condon's" und war eine Größe des Chicagoer Jazz, den er zusammen mit anderen zum Big Apple gebracht hatte. Mit kaum über dreißig Jahren konnte er zu dieser Zeit auf einen sehr bewegten Werdegang zurückblicken: Der jüngste Spross einer einfachen irischen Einwandererfamilie befasste sich schon als Kind viel lieber mit Musik als mit Schulbildung. Längst noch nicht volljährig, machte er sich mit seinem Banjo und einigen weißen Hemden auf, um als Jazzmusiker zu arbeiten. Höhen und Tiefen gab es reichlich, zumal die Rezession am Ende der 20er Jahre sich gerade auch bei Musik- und Kulturschaffenden einschneidend bemerkbar machte. Condon berichtet vom Beginn seiner New Yorker Zeit zynisch, dass Musiker damals von ihren Freunden zwar immer Schnaps, doch kein Essen bekommen konnten.

Condons Erzählstil ist unnachahmlich. Mit herrlich trockenem, zu Sarkasmus und Ironie neigendem Humor, dazu einem sicheren Gespür für die Wiedergabe von Situationskomik, schildert er die Höhen und Tiefen einer Kindheit auf dem Lande in der Großfamilie, seine musikalische Prägung, die allein dem Jazz galt, und den sich rasch entwickelnden Kontakten zu späteren Größen, zunächst aus der Chicagoer Szene wie dem früh verstorbenen Bix Beiderbecke und Red McKenzie, später auch zum Beispiel Louis Armstrong, Fats Waller und Mezz Mezzrow. Dem Leser tun sich die vielfältigen Erlebnisse des Autors fast wie ein Film auf. Sein Chicago strotzt vor sprödem Charme, und in der Erzählung wird die ganze Energie jener jungen Musiker lebendig, die ihre Musik spielten und ständig weiter entwickelten - zu einer eigenen Ausprägung des Jazz.

Zum Text passen die Bilder im Fotoblock bestens, zeigen sie doch oft ausgelassene oder etwas skurrile Situationen sowie jene Menschen, von denen Condon so launig berichtet. Weitere Fotos sind in den Text eingebunden.

Mit der Neuauflage von Eddie Condons Lebenserinnerungen macht der Verlag "LangenMüller" ein ganz besonderes Zeitdokument wieder zugänglich, das sicherlich die meisten Freunde des Jazz und seiner Geschichte begeistern wird, vermutlich jedoch auch Menschen, die sich generell für spannende und ungewöhnliche Biografien interessieren. Langweilig wird diese Lektüre jedenfalls nicht.

Eine Leseprobe bietet die Verlagsseite.

Regina Károlyi



Hardcover | Erschienen: 5. September 2016 | ISBN: 9783784434094 | Originaltitel: We called it Music - A Generation of Jazz | Preis: 25,00 Euro | 367 Seiten | Sprache: Deutsch

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