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 Vom Jesus der Geschichte zum Christus des Dogmas


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Wer war Jesus und was wurde aus ihm gemacht? Geza Vermes, Religionshistoriker und Judaist, forscht seit 40 Jahren zur Geschichte von Jesus. Sein neuestes Buch beschäftigt sich mit der Frage, wie aus der historischen Person der vergöttlichte Christus wurde. Dazu zeichnet er in elf Kapiteln grob chronologisch die Entwicklung vom frühen Judentum über Jesus' Leben und dem frühen Christentum bis zum Konzil von Nizäa im Jahr 325 nach. Ergänzt wird der Text durch einen Anmerkungsapparat, ein Quellenverzeichnis, sowie ein Personen- und Sachregister.

Geza Vermes' über 350-seitiges Buch "Vom Jesus der Geschichte zum Christus des Dogmas" ist eine theologisch und geschichtswissenschaftlich fundierte Studie, die - ganz weltlich betrachtet - vor allem eines aufzeigt: Wie wird aus einer historischen Persönlichkeit im Nachgang etwas ganz anderes als diese selbst beabsichtigt hatte?

Der Autor fasst diese Entwicklung in mehreren Formulierungen selbst zusammen, so etwa allein schon mit dem Titel. Jesus predigte eine Religion der Tat und adressierte seine Botschaft vor allem an Juden. Mit der Zeit wurden aus seinem Leben und seinen Botschaften aber verschriftlichte Dogmen und die ganze hellenistisch-römische Welt wurde zum Adressat für die christliche Lehre. Es dauerte drei Jahrhunderte bis zum Konzil in Nizäa und aus dem historischen Jesus wurde der vergöttlichte Sohn Gottes. Eine Entwicklung, die der monotheistisch und von einer Nächstenliebe der Tat überzeugte Zimmermann nicht intendiert hatte.

Vermes vermag kenntnisreich und spannend zu erzählen, wie es dazu kam. Diese Geschichte ist nämlich nicht nur die Nachgeschichte eines Mannes, sondern ein wichtiger Teil der antiken Religionsgeschichte. Der Autor führt in diesem kleinen Band notgedrungen auch in historische Aspekte des Judentums, der griechischen und römischen Kulturgeschichte und nicht zuletzt des frühen Christentums ein. Auch politische und gesellschaftliche Entwicklungen müssen zur Kontextualisierung herangezogen werden. Nur so wird dem Leser schließlich begreiflich wie Jesus Leben und Wirken nach seinem Tod einer steten Neuinterpretation ausgesetzt ist. Dadurch ist der Band aber auch mehr als nur die Wirkungsgeschichte eines Mannes, er ist auch eine Einführung in drei Jahrhunderte europäische Religionsgeschichte.

Das Buch ist insgesamt erstaunlich gut lesbar angesichts der Informationsfülle. Dennoch braucht ein Leser, der bisher nur selten oder nie mit Theologiegeschichte in Kontakt kam, ein bisschen, bis er in die Thematik hineinkommt. Obwohl sich der Autor um Verständlichkeit bemüht, kann eben nicht jeder Name und jede theologische Begrifflichkeit in so einer Studie erklärt werden. Hin und wieder dürfte also ein Blick ins Lexikon notwendig sein. Aber das lohnt sich. Sind die wichtigsten Begriffe erst einmal verstanden, liest sich der Text flüssig und spannend.

Insgesamt ist die Lektüre daher allen historisch interessierten Lesern zu empfehlen. Religionswissenschaftlern und Theologen dürften sie jedoch als besonders gewinnend empfinden.

Auf der Verlagswebsite gibt es eine Leseprobe.

Andreas Schmidt



Hardcover | Erschienen: 11. Dezember 2016 | ISBN: 978-3458710400 | Originaltitel: Christian Beginnings | Preis: 34,00 Euro | 383 Seiten | Sprache: Deutsch

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