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 Es beginnt am siebten Tag

Autoren: Alex Lake
Übersetzer: Stefanie Kruschandl
Verlag: HarperCollins

Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Julia hat sich nur ein wenig verspätet, weil sich ein wichtiger beruflicher Termin länger als erwartet hinzog. Nun ist ihre fünfjährige Tochter verschwunden, die sie von der Schule abholen sollte. Außer sich vor Sorge beginnt Julia die kleine Anna zu suchen, ebenso ihr Noch-Ehemann, viele Nachbarn, Freunde und die Polizei, die jedoch ganz offensichtlich nicht vorankommt. Niemand hat Anna im fraglichen Zeitraum gesehen. Kostbare Zeit verrinnt, und nirgendwo findet sich ein Zeichen des kleinen Mädchens.

Nach einer Woche taucht Anna plötzlich wieder auf - wie aus dem Nichts und ohne Spuren von Missbrauch oder Misshandlung. Sie hat keinerlei Erinnerung an die letzten Tage. Für einen Moment sind Julia und Annas Vater überglücklich. Doch sie wissen nicht, dass die Person, die ihre Tochter entführt hat, erst jetzt richtig zuschlagen wird, und zwar in Bezug auf Julia. Denn diese war von Anfang das eigentliche Opfer.

Nicht alle Albträume finden ein "Happy End" wie der von Julia. Ihre entführte, schon tot geglaubte kleine Tochter wieder in die Arme schließen zu können, ist sicher das schönste Erlebnis für eine solcherart gequälte Mutter. Und nachdem Julia durch einen fatalen Zufall die fünfjährige Anna für eine Woche an einen rätselhaften Entführer verloren hat, kann sie natürlich kaum fassen, dass ihr Kind gesund und offensichtlich ohne jeglichen Schaden wieder zurückkehren durfte. Geschickt lässt der Autor dann jedoch die Geschichte kippen, denn - wie der Titel bereits andeutet - dient die Entführung des Mädchens nur als Auftakt für Julias totale Vernichtung. Die Mutter gerät in einen Albtraum, aus dem es anscheinend kein Entrinnen gibt.

Leider zieht sich der erste Teil abschnittsweise ziemlich in die Länge, was die Spannung und das Lesevergnügen merklich eindämmt. Überwiegend erzählt Alex Lake aus der Perspektive von Julia, kurze "Einsprengsel" geben die Sichtweise des Entführers wieder, den der Leser schon bald identifizieren kann - ganz im Gegensatz zu Julia, ihrem Mann Brian und der Polizei. Spätestens als der Terror gegen Julia beginnt, dürfte jedem klar sein, wer dahinter steckt. Doch hier nimmt die Story mächtig Fahrt auf, und die weniger spannenden "Füllsel" werden kürzer und weniger häufig. Es geht nun eben nicht mehr darum - zumindest für den Leser -, wer Urheber des über Julia und ihre kleine Familie hereinbrechenden Unheils ist, sondern darum, ob diese Person ihr Ziel erreicht, Julia zu vernichten, oder ob es Annas Mutter gelingt, ihren Kopf aus der kunstvoll geflochtenen Schlinge zu ziehen.

Bedauerlicherweise verhält sich Julia häufig verstörend unvernünftig und impulsiv, was in Anbetracht ihres Berufs als Anwältin, der doch eine gewisse Sachlichkeit, Selbstbeherrschung und Abgebrühtheit voraussetzt, nicht besonders glaubwürdig wirkt. Das treibt zwar die Handlung voran, indem Julia ihren Beitrag zu der von ihrem psychopathischen Gegenspieler verfolgten Strategie leistet, irritiert den Leser aber doch an der ein oder anderen Stelle.

Insgesamt also ein gut konzipierter und auch spannend geschriebener Thriller, der zwar ein paar Schwächen aufweist, dennoch fesselt und daher lesenswert ist.

Eine Leseprobe bietet die Verlagsseite.

Regina Károlyi



Taschenbuch | Erschienen: 5. Dezember 2016 | ISBN: 9783959670555 | Originaltitel: After Anna | Preis: 15,00 Euro | 479 Seiten | Sprache: Deutsch

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