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 Das Orakel von Delphi


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Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Glück
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Spielregel
Strategie
Göttervater Zeus lädt zu einem Besuch in den Olymp. Doch von den vier Sterblichen, denen Zeus diese Ehre in Aussicht stellt, soll letztlich nur einer den Götterhimmel tatsächlich betreten. Um sich würdig zu erweisen, gilt es, in den Gewässern der Ägäis zwölf Aufgaben zu erfüllen: Die Kontrahenten sollen Kultstätten errichten, Monster bekämpfen, Statuen aufstellen und Opfergaben in Tempeln darbieten. Dabei gilt nicht nur als entscheidend, wer sich den besten Weg zurechtlegt; es ist auch immer eine Frage des Schicksals, wann welche Aufgabe erledigt lösbar wird. Und natürlich hilft auch die Gunst der anderen Götter, Ares, Hermes, Aphrodite, Apollon, Poseidon und Artemis. Pythia, die Seherin des Orakels von Delphi, zeigt die Möglichkeiten auf, und nur wer am besten umsetzt, was sie einem bietet, kann als erster zu Zeus zurückkehren und gewinnt die Wettfahrt.

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Alles beginnt und endet mit Göttervater Zeus
Erfreulich anders
2016 erschienen gleich zwei Spiele des Autors Stefan Feld zur SPIEL Essen im Pegasus Verlag. Neben Jorvik, einer Neuauflage von Speicherstadt von 2014, dass sich dem letztjährig prominenten Thema der Wikinger widmet, geht das "Orakel von Delphi" thematisch ganz eigene Wege. Fernab der vorherrschenden Trends wählt Stefan Feld diesmal die griechische Antike als Motiv. Als Vorlage für den Hintergrund diente sicherlich die Irrfahrt des Odysseus, denn genau auf eine solche begeben sich hier bis zu vier Spieler. Zwölf Aufgaben gilt es zu lösen, bevor der Erste, dem dies gelingt, als Sieger in den Olymp eintreten darf. Auch hier geht Feld eigene Wege, denn im Gegensatz zu den meisten derzeit erscheinenden Kenner- und Expertenspielen, die das Erreichen der höchsten Anzahl Siegpunkte zum Ziel haben, handelt es sich bei "Orakel von Delphi" um ein Racing-Spiel. Wer als Erster einen bestimmten Punkt erreicht, hat gewonnen. Bei zehn Seiten Anleitung lässt sich zunächst ein komplizierter und komplexer Mechanismus vermuten, doch letztlich spielt sich das Orakel einfach und leichtgängig und ist trotzdem knifflig. Die richtige Reihenfolge für die Erledigung der Aufgaben gilt es zu finden, die kürzesten und effektivsten Wege über das Brett - und vor allem gehört eine gute Portion Glück dazu.

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Zwölf Aufgaben gilt es zu als Erster zu bewältigen
Die ewig unbekannte See
Nach einem längeren Aufbau des Spielbretts breitet sich auf dem Tisch eine verwinkelte Inselwelt aus. Das Schöne daran: sie ist in jedem Spiel anders. Ein modulares System aus unterschiedlich großen Platten macht es möglich, wenn auch leider recht kompliziert, denn nicht jede Platte darf überall angelegt werden. Ist das Brett aber mal korrekt zusammengesetzt und sind die Steine alle verteilt, können sich die Spieler ihren Aufgaben widmen. Zwölf sind es an der Zahl, wobei es nur vier unterschiedliche Aufgabentypen gibt, die es jedoch jeweils dreimal zu erledigen gilt. Dazu braucht es zunächst ein Schiff. Acht verschiedene Schiffe sind im Spiel enthalten und jedes bietet eine eigene Spezialfähigkeit. Ähnlich den Charakteren in "Marco Polo", erwirbt so jeder Spieler eine Besonderheit, die sein Spiel erheblich beeinflussen kann. Danach fällt der Startschuss und die Spieler beginnen die ideale Route auszuknobeln, um möglichst effektiv verschiedene Aufgaben miteinander zu verbinden und die eigenen Wege auf dem Wasser zu verkürzen. Doch selbst wenn die optimale Route gefunden ist, kann diese nur selten befahren werden, denn nicht jede Aktionsmöglichkeit steht den Spielern immer offen.

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Das Orakel spricht und der Spieler muss interpretieren
Farben und Formen
Monster, Statuen, Inseln und Wasserfelder, alles ist farblich gekennzeichnet. Sechs verschiedene Farbtöne gibt es, und nur wer die richtige Farbe in dieser Runde anspielen darf, kann etwa eine entsprechend-farbige Statue auf sein Schiff laden, eine Opfergabe an einem Tempel abgeben oder ein Monster bekämpfen. Ob der Spieler in der nächsten Runde etwa mit Blau, Rot oder Grün interagiert, bestimmt am Ende des eigenen Zuges das Orakel in Form von drei Würfeln. Zwar kann an den Aussagen der Pythia, sprich, den Farben, die die Würfel zeigen, im wahrsten Sinne des Wortes noch gedreht werden, wenn der Spieler über die entsprechenden Ressourcen verfügt, doch sind manche Aktionen schlicht außer Reichweite. Wer beispielsweise eine schwarze Statue abliefern will, aber nur Pink und Blau wirft, braucht immense Mengen der Gunst des Göttervaters, um eine schwarze Aktion ausführen zu können. Das Umfärben der Würfel erfolgt dabei in einem Kreislauf, ähnlich dem Terraforming bei "Terra Mystica". So muss neben der idealen Route eben auch Flexibilität geübt werden und die eigene Planung unterliegt einer ständigen Anpassung, um stets den optimale Zug aus den Würfeln herauszupressen. Das klingt anstrengend, in der Tat gehört das Orakel von Delphi damit aber zu den Spielen, die recht intuitiv und situationsabhängig gespielt werden können. Der Spieler betrachtet seinen Würfelwurf, dann das Brett und trifft eine Entscheidung aus der momentanen Lage heraus. An längerer Planung festzuhalten kann eher hinderlich werden, denn wer weiß, was die Würfel in den nächsten drei Runden zeigen.

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Über die Wolkentreppe begeben sich die Götter zu ihrem Sitz im Olymp
Wunsch und Wirklichkeit der Spielzeiten
Damit die Wartezeit der anderen Spieler nicht so lang wird, während der aktive Wettfahrer grübelt, wird der Würfelwurf am Ende des eigenen Zuges ausgeführt, so dass Denkzeit bis zur nächsten Aktion gewährt ist. Leider klappt das nur sehr theoretisch; in der Praxis sind die Handlungen der anderen Spieler, ja sogar ihr Würfelwurf, doch häufig entscheidend für den eigenen Zug. So darf ein Spieler etwa einen der sechs Götter auf einer wolkigen Stufenleiste Richtung Olymp befördern, wenn ein Konkurrent die entsprechende Farbe bei seiner Befragung des Orakels wirft. Erreicht ein Gott den Sitz im Götterhimmel, kann er dem Spieler eine zusätzliche Aktion verschaffen, die weit mächtiger ist als die Aktionen der Würfel. Letztlich muss der Spieler daher häufig am Anfang des eigenen Zuges noch mal neu nachdenken. Da aber eben auch nur dieser eine Zug effektiv geplant werden kann, sind die Denkzeiten im Durchschnitt doch um einiges geringer als bei vielen Expertenspielen. Die angegebene Spielzeit von 60 - 100 min. kommt relativ gut hin.

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Ein variables Spielbrett, dass leider kompliziert aufzubauen ist
Bewertung
"Orakel von Delphi" hebt sich sowohl thematisch als auch im Mechanismus von vielen Erscheinungen des letzten Spieljahres ab und glänzt durch die thematisch gute Umsetzung des antiken Themas. Es ist ein recht schnelles Spiel, das trotzdem spannend und knifflig daherkommt. Leider bringen Racing-Spiele auch mit, dass der Sieger sich in manchen Partien schon deutlich abzeichnet, bevor das Spiel tatsächlich beendet ist. Dafür geht es mal ausnahmsweise nicht um das Sammeln von Siegpunkten. Die lange Anleitung und Fülle an Möglichkeiten lassen das "Orakel" zuerst als Expertenspiel erscheinen. Es spielt sich jedoch mit einer Leichtigkeit und Geschwindigkeit, die es deutlich in den Bereich des Kennerspiels bringt. Die Nutzung von Würfeln für verschiedene Aktionen ist zwar im letzten Jahr häufiger als Mechanismus vorgestellt worden, wie etwa bei "Race for the Galaxy" oder "Marco Polo", das "Orakel von Delphi" wirkt aber trotzdem erfrischend anders und neu. Insgesamt ein sehr gelungenes Spiel, dem jedoch ein wenig der Wiederspielreiz anderer Titel fehlt, da zu viel vom Glück des Würfelwurfs abhängt.

Claudia Heinzelmann



Brettspiel | Erschienen: 21. September 2016 | Preis: 44,95 Euro | für 2 - 4 Spieler | Verfügbare Sprachen: Deutsch
Englisch

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