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 Die Legende des Kristallschwerts, Band 1: Die schwarze Zorya

Serie: Die Legende des Kristallschwerts, Band 1
Autoren: Sylvia Douyè
Illustratoren: Fabio Lai
Übersetzer: Swantje Baumgart
Verlag: Splitter Verlag

Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Verbannung. 200 Jahre der grausamen Herrschaft Zoryas sind endgültig vorbei. Das Schicksal der Kaiserin ist mit diesem Urteil für immer besiegelt. Denn der Ort, an dem die böseste aller Kreaturen Sulfurs den Rest ihrer schändlichen Existenz verbringen soll, existiert gar nicht. Zumindest kennt niemand den Weg zurück von Laishii, der Insel, die kein Ort ist, von der niemand weiß, wo sie liegt, niemand je zurückkam und niemand je überlebte, um über die Grausamkeiten zu berichten, die dort jedes Leben dem Tode zuführen. Auf Sulfur brechen neue Zeiten herauf. Zeiten ohne Mord, Vergewaltigung, Folter und endlose Qualen. Denn die Schwarze Zorya, einst Heldin aller Völker, verfiel vor langer Zeit dem Bösen und herrschte gnadenlos über das Hornvolk, die Vylden, die Holgins und die Elementaren. Doch wo ein Herrscher fällt, wagen sich viele Gestalten hervor. Viele, die die Macht ergreifen wollen, viele, die Frieden wollen, aber auch einige, die die Zeiten der Grausamkeit wieder herbeisehnen, die der Schwarzen Zorya ergeben waren und sind und die Kaiserin wieder an der Macht sehen wollen. Und so beginnt ein Kampf im Verborgenen, der über Leben und Tod der einstigen Herrscherin ebenso entscheiden muss wie über das Wohl und Wehe aller Lebewesen Sulfurs.

Zwischen 1989 und 1994 wurde die Serie "L'Épée de Cristal", ein fünfbändiges Werk von Szenarist Jacky Goupil und Zeichner Crisse, erstmals herausgegeben. Auch in deutscher Sprache erschien die Vorgeschichte der nun auf Splitter wiederbelebten "Heldin" Zorya, welche hier allerdings inhaltlich gänzlich neue Wege geht, einzig das Setting verwendet und 200 Jahre nach den Ereignissen der Ur-Serie einsetzt. Aus dem netten, hübsch gezeichneten Fantasy-Abenteuer der 90er Jahre wird so unter den Fittichen von Autorin Sylvia Douyé und Zeichner Fabio Lai ein völlig anderer Weltenentwurf. Aus Heldin Zorya wird die grausame Herrscherin Zorya, aus der sich über fünf Bände erstreckenden Reisegeschichte ein verstörender Trip in psychologische Untiefen.

Der Auftaktband lässt den Leser verstört miterleben, wie im Zentrum der Geschichte eine absolut böse Schwarze Zorya agiert. Ohne erkennbare Gefühlsregungen, ohne Hoffnung und ohne einen Funken Humor strebt sie einzig nach Macht und ewiger Rache. Der Leser folgt dieser schrecklichen Hauptfigur in eine äußerst komplexe Geschichte, deren unzählige Handlungsstränge völlig losgelöst voneinander sich gegenseitig überlagern. Daneben agieren ein halbes Dutzend Völker und noch mehr Protagonisten, deren Ziele nicht deutlich werden und die ebenfalls keine Sympathiepunkte einheimsen können. Verkompliziert wird die Sache durch zahlreiche Rückblenden, die immerhin zeichnerisch durch das Fehlen von Farben zu erkennen sind. Doch Sinn ergeben diese Szenen ebenso wenig. Oder noch nicht, da der erste Band eindeutig nur ein langer Parforce-Ritt durch die Welt isz, die 200 Jahre lang unter der Gewalt Zoryas zu leiden hatte und nun wie ein Kessel, der unter enormem Druck stand und den Deckel verloren hat, auf einen ungeheuren Ausbruch zusteuert.

Lässt "Die Schwarze Zorya" inhaltlich auch wenig Geniales erkennen, so meistert Fabio Lai seine Aufgabe jedoch mit Bravour. In gewohnt fantastischem Großformat aller Splitter-Alben und der sehr gelungenen Farbgebung durch Claudia Chec sind seine Bilder einfach nur schön. Seine Helden ebenmäßig, seine Zorya immer noch äußerst sexy und die verschiedenen Wesen angemessen ekelhaft bis beeindruckend fies. Nur die so nett und lieb gezeichneten Menschen tun Dinge, die so gar nicht zu dem Zeichenstil zu passen scheinen. Sie entleeren Körper, lassen Gedärme herumfliegen und entbehren zu keiner Zeit einer Grausamkeit, die die Geschichte von Sylvia Douyé aufs Entschiedenste illustrieren, die Niedlichkeit des Zeichenstils aber stark konterkarieren. Der vermeintlich kindgerechte Zeichenstil entpuppt sich als elegante Darstellung fürchterlicher Grausamkeiten mit eindeutiger Botschaft: "Vorsicht! Für Kinder nicht geeignet!"

"Die Legende des Kristallschwerts: Die Schwarze Zorya" ist ein Auftakt, der Zorya-Fans die Tränen in die Augen treibt. Ihre Heldin ist korrumpiert, nur noch eine leere, grausame Hülle und die schöne Fantasy-Welt vergangen sowie scheinbar unrettbar verloren. Wäre da nicht der irgendwie zwischen den Zeilen vermittelte Eindruck, dass es genau darum geht: über die Wirklichkeit hinter dem Schein, die Wirkung der absoluten Macht und die Spielarten des Bösen, die sich das Gute untertan gemacht haben. Kaum jemand wird jedenfalls - vor allem wer die letzte Seite dieses ersten Abenteuers gesehen hat und daran zu verzweifeln droht - den zweiten Band im Regal lassen.

Auf der Webseite des Splitter-Verlages gibt es eine Leseprobe.

Stefan Erlemann



Hardcover | Erschienen: 1. März 2016 | ISBN: 978-3-95839-200-7 | Originaltitel: Le Monde de l'Epèe de Cristal: Zorya La Noire | Preis: 14,80 Euro | 56 Seiten | Sprache: Deutsch

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