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 Die Passage-Trilogie, Band 3: Die Spiegelstadt

Serie: Die Passage-Trilogie, Band 3
Autoren: Justin Cronin
Übersetzer: Rainer Schmidt
Verlag: Goldmann Verlag

Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Die Zwölf, die großen Gegner der Menschheit, sind vernichtet. Amy hat sich selbst geopfert um ihre Freunde zu retten und niemand hat sie seit der großen Explosion gesehen und niemand glaubt, dass sie es überlebt haben kann. Doch, die Überlebenden können ihr Glück kaum fassen, seitdem gibt es auch keine Virals mehr. Diese Vampire, einst eine ständige Bedrohung für die Menschheit, wurden nunmehr drei Jahre nicht mehr gesehen und es geht stetig aufwärts mit den kleinen Siedlungen und deren Bewohnern. Noch immer weiß niemand, was mit den Menschen auf den anderen Kontinenten ist und ob nach über einhundert Jahren von dort Hilfe kommen kann.

Doch einer hat überlebt. Zero, der erste der Erkrankten, welcher ursprünglich Mensch war und Fanning hieß, hat in den U-Bahn Schächten einer Stadt überlebt und will seinen Plan verwirklichen. All diese Zeit hat er seinen Hass genährt und auf den richtigen Moment gewartet. Es sieht so aus, als wäre sein Triumph nicht mehr weit entfernt.

Es hat lange gedauert, bis Autor Justin Cronin seine Trilogie vollendet hat und er macht es seinen Lesern nicht leicht. Schon im ersten Band, der Übergang, war es seine Spezialität, eher auf Poesie und ungewöhnliche Sprache zu setzen, als auf eine kontinuierliche Handlung. Er lässt Dinge aus, springt zwischen den Erzählperspektiven und verliert sich seitenweise in Prophezeiungen, die nur aus Andeutungen und Träumen bestehen. Leicht geht anders. Wäre nicht die ungewöhnliche und lohnende Geschichte, es wäre zu mühsam gewesen, der Handlung zu folgen. Bereits im zweiten Band musste sich der Leser sehr anstrengen und dass Cronin damit begann, die Ursprungsgeschichte noch einmal aus anderer Sichtweise zu erzählen, machte es nicht einfacher.

In "Die Spiegelstadt" hat der Autor ganz einfach übertrieben. Zwar beschränkt er sich dieses Mal auf nur sieben Seiten in denen das bisher erlebte in Versform rekapituliert wird, doch die darauf folgende Handlung strotzt nur so vor mystischen inneren Gesprächen, wortlosen Kommunikationen und prophetischen Träumen. Als wäre das nicht schlimm genug, verhalten sich die ursprünglichen Figuren teilweise so untypisch, dass sie kaum wiederzuerkennen sind. Wäre da nicht der dringende Wunsch, wissen zu wollen, wie die Geschichte um Amy endet, wäre es verlockend das Buch vorab aus der Hand zu legen.

Ja, es gibt einen ersten Teil und schon folgt das Dilemma, denn den zweiten Abschnitt nutzt Cronin um die anfängliche Geschichte zum dritten Mal zu schildern, dieses Mal aus Fannings Sicht. Himmel hilf, schon wieder? Es wäre ja in Ordnung, wäre sie spannend, aber Fanning ist ein kleinlicher, langweiliger Charakter, dessen Motivation beim besten Willen nicht nachzuvollziehen ist. Gut, sein Herz wurde gebrochen und er leidet, das ist nicht schön. Aber dafür ein ganzes Jahrhundert lang in Wut und Elend zu schwelgen? Ist das nicht ein bisschen viel Drama?

Da sind sie hin, die ersten paar hundert Seiten und so wirklich hat sich nichts getan. Dann aber besinnt sich Cronin auf die Geschichte und orakelt sie zu Ende. Der Leser erfährt, wie es mit den Protagonisten endet oder weitergeht, je nachdem ob sie leben oder sterben. Es war nicht einfach mit ihnen, aber die fantastische Ausdrucksweise des Autors entschädigte stets dafür.

Doch halt, das war noch nicht alles. Cronin hängt noch einen Epilog an das Buch, in dem er erfundene Wissenschaftler erforschen lässt, wie die Seuche sich damals verbreitet haben mag und durch welche Schriften die neue Zivilisation lange nach den Geschehnissen von Amy und ihren Freunden erfährt. Auf den letzten einhundert Seiten führt er noch mal neue Figuren ein und erzählt von ihren Forschungen. Damit endet dann die Saga und sie ist wirklich, ganz ohne Zweifel komplett zu Ende erzählt.

- Iris' Meinung -

Wäre nicht der erste Band der Reihe so toll gewesen, ich hätte "Die Spiegelstadt" fassungslos zur Seite gelegt und nie wieder in die Hand genommen. Justin Cronin kann schreiben, daran gibt es nichts zu rütteln, doch kam er mir manchmal vor, wie einer dieser Redner, die ihre eigene Stimme so sehr mögen, dass sie einfach nicht aufhören wollen zu dozieren. Er hätte sich dringend kürzer fassen müssen und die schnellen Perspektivwechsel und die mit der Zeit wirklich seltsamen mystischen Begebenheiten machen aus dem Buch schwere Kost. Nein, die Qualität und Faszination, die von dem ersten Band ausging, kann er hier nicht erreichen, im Gegenteil. Der dritte Band ist für mich Grund genug diese Reihe niemandem weiter zu empfehlen. Wie schade, dass eine so schöne Idee so endet.



Ein Blick ins Buch ist auf der Verlagsseite möglich.

Iris Jockschat



Softcover | Erschienen: 31. Oktober 2016 | ISBN: 9783442311804 | Originaltitel: City of Mirrors | Preis: 24,99 Euro | 999 Seiten | Sprache: Deutsch

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