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 Das Herz der verlorenen Dinge


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Der Kampf um Osten Ard ist zu Ende, die Nornen wurden besiegt. Unter großen Opfern haben die Menschen die Elfenrasse zurückgedrängt und die Soldaten wollen einfach nur noch nach Hause. Doch noch ist ihnen kein Friede vergönnt, denn das hungernde, besiegte Volk der Nornen überfällt in seiner Verzweiflung abgelegene Dörfer und richtet verheerende Blutbäder an. Nunmehr gibt es keine Gnade, die Nornen sollen vernichtet werden. Diese sind sich der Gefahr für ihr Volk jedoch bewusst und versuchen alles, um eine letzte Chance auf Rettung zu bewahren. Eine letzte Schlacht bahnt sich an, in der beide Völker zu jedem Opfer bereit sind, um den Sieg zu erringen.

Es ist soweit, Autor Tad Williams nimmt seine Leser wieder mit in das Land Osten Ard und nach all der Zeit fühlt es sich an, als wäre er nie fort gewesen. Dabei erschien die Vorläuferreihe "Der Drachenbeinthron" bereits im Jahr 1988, da wäre es keine Überraschung, wenn die Geschichte mittlerweile angestaubt daher käme, doch dem ist nicht so. Im Gegenteil, gleich von der ersten Seite an ist die Handlung des jetzigen Bandes spannend und anrührend. So sind es nicht nur die unglaublichen Schlachten, die zwischen Menschen und Nornen, einem Elfenvolk, geschlagen werden, auch die kleinen, persönlichen Schicksale werden glaubhaft geschildert und ganz schnell wachsen die einzelnen Figuren dem Leser ans Herz. Da der Autor kein Problem damit hat, eben dieses Herz kunstvoll zu brechen, fällt es schwer, das Buch aus der Hand zu legen.

So geht es übrigens Neulingen ebenso wie jenen, die schon die Vorgängerbände gelesen haben. Sicher, für Kenner ist es schön, wieder auf Isgrimnur und Sludig zu treffen, doch auch, wer diese Namen noch nie vorher gelesen hat, wird sich schnell zurechtfinden und die einzelnen Charaktere einschätzen können. Doch auch neue Helden kommen dazu und jene sind lebendig und liebenswert kreiert. Was sie fürchten, wie sie sich um einander kümmern - es macht einen Großteil des Charmes dieses Buchs aus. Es menschelt, ohne aufgesetzt zu wirken. Im Gegenteil, obwohl die Geschichte im Krieg spielt, verleihen die zwischenmenschlichen Beziehungen dem Buch Wärme und Tiefe.

Auch die Nornen haben hier eine Erzählperspektive, durch welche der Leser von den Ängsten und Sehnsüchten dieser so langlebigen Rasse erfährt. Den Menschen erscheinen sie kühl und gefühllos, doch deren komplizierte Gesellschaft wird durch Ehre und Opferbereitschaft zusammengehalten, ebenso wie der Verehrung ihrer Königin, die in einem langen Schlaf liegt, um sich von den Strapazen des letzten Krieges zu erholen. Führerlos ist dieses Volk und durch die großen Verluste, die es erlitten hat, nahezu dem Untergang geweiht, was es umso gefährlicher macht. Obwohl ihre Art zu reden und zu handeln im Vergleich zu den Menschen immer sehr distanziert wirkt, kann doch kein Zweifel an der Intensität ihrer Gefühle bestehen.

Tad Williams stellt hier zwei völlig unterschiedliche Völker gegenüber, von denen jedes einen guten Grund hat, bis zum Untergang zu kämpfen. Es scheint keinen Ausweg zu geben und für den Leser ist es beinahe unmöglich, eine Seite zu wählen. Gut so, denn das soll er auch nicht, gibt es doch auf beiden Seiten Helden und Unschuldige. So ist es dann auch richtig, dass die Handlung zwar einen ordentlichen Schluss bekommt, es jedoch die Möglichkeit gibt, die Geschichte weiterzuerzählen. Von einigen Figuren muss der Leser sich verabschieden, doch Osten Ard wird ihm erhalten bleiben. Wenn es nur bitte nicht wieder so lange dauert.

Weitere Informationen und eine Leseprobe sind auf der Verlagsseite zu finden.

Iris Jockschat



Hardcover | Erschienen: 11. März 2017 | ISBN: 978-3608961447 | Originaltitel: The heart of what was lost | Preis: 20,00 Euro | 380 Seiten | Sprache: Deutsch

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