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 The Missing - die erste Staffel


Cover
Gesamt ++++-
Action
Anspruch
Aufmachung
Bedienung
Bildqualität
Brutalität
Extras
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton
Er hat seinen Sohn doch nur einen Moment aus den Augen gelassen und nun ist dieser verschwunden. Für Tony Hughes beginnt ein Albtraum. Als auf einer Ferienreise das Auto der Familie Hughes eine Panne hat, müssen sie unverhofft in einem kleinen französischen Dorf halt machen. Es ist Fußballweltmeisterschaft 2006 und Tony, der mit seinem kleinen Sohn Oliver noch kurz unterwegs war, lässt sich kurz ablenken, schon hat er den Jungen aus den Augen verloren. Seine verzweifelten Eltern lassen nichts unversucht, ihn zu finden, doch ihre Suche bleibt erfolglos.



Es gibt wohl nichts, das schlimmer wäre, als sein Kind zu verlieren. "The Missing" vermittelt dieses Gefühl nur zu deutlich. Gleich zu Beginn beschleicht den Zuschauer ein ungutes Gefühl, auch wenn die Familie Hughes doch eigentlich nur auf einer Ferienreise ist. Dabei spielt die Serie auf zwei Zeitebenen, in den Jahren 2006 und 2014. In dieser Zeit hat Olivers Vater die Suche nach ihm niemals aufgegeben. James Nesbitt ("Der Hobbit", "Jekyll") überzeugt als verzweifelter Familienvater, der sich an die Hoffnung klammert, seinen Sohn zu finden, auch wenn er zeitweise selber verdächtigt wird, mit dem Verschwinden seines Sohnes zu tun zu haben. Seine Frau Emily dagegen will ein neues Leben anfangen; die Ehe ist zerbrochen. Frances O’Connor ("Mansfield Park", "Windtalkers") wirkt unglaublich zerbrechlich in ihrem Schmerz. Beiden gelingt es nicht, loszulassen, zu unerträglich ist die Ungewissheit.

Tony kehrt immer wieder zu dem französischen Ort, an das Unglück geschah, zurück. Nun, nach acht Jahren hat die ursprüngliche Hilfsbereitschaft der Bewohner stark nachgelassen. Man will endlich wieder unbelastet leben, der beinahe besessen wirkende Engländer stört da gewaltig. Sehr schön sind hier die Zeitsprünge, die es dem Zuschauer erlauben, die Veränderungen zu bemerken, die die Jahre auch im Leben der unbeteiligten Personen ausmachen. In acht Folgen zu je einer Stunde nimmt die Serie sich die Zeit, auch auf Nebenfiguren einzugehen und ein detailliertes Bild der einzelnen Personen zu zeichnen, das dazu immer neue Theorien beflügelt, was Oliver zugestoßen sein könnte. Je weiter Tonys Suche fortschreitet, umso mehr Geheimnisse der Dorfbewohner deckt er auf und kommt auf immer schlimmere Möglichkeiten, was vielleicht passiert ist. Nein, er kann nicht aufgeben, die Suche nach seinem Sohn ist sein Lebensinhalt geworden.

Eben diese Verzweiflung, diese Besessenheit ist aber so eindringlich, dass sie an die Nieren gehen. Ob es Tonys unermüdliche Suche ist, oder die Pressekonferenz, auf der die Eltern um ein Lebenszeichen ihres Sohnes bitten, mit den beiden mitzufühlen ist eine Selbstverständlichkeit und geht ans Herz, doch ebenso intensiv sind die Bilder der Eltern Jahre nach Olivers Verschwinden. Kein Zweifel, diese beiden wurden von einem Unglück heimgesucht, dass sie nie wieder losgelassen hat. Kein Wunder, dass die Serie für zwei Golden Globes, zwei Prime Time Emmys und ganze sechs BAFTAs nominiert wurde. Sie hat es wahrlich verdient und überzeugt mit einer Handlung auf hohem Niveau.

Ob und wie Oliver gefunden wird, soll hier nicht verraten werden. Es spielt eigentlich auch keine Rolle. So sehr der Zuschauer den Hughes ein glückliches Ende wünschen würde, so deutlich wird auch, dass kein Ende, egal wie es aussieht, jemals glücklich sein wird. Dazu war der Preis zu hoch, wurde den Eltern zu viel genommen. Erleichterung, ja, die wird vielleicht möglich sein, eine Chance, endlich weiterzuleben. Doch auch diese wird niemandem geschenkt, der nicht bereit ist, Frieden zu finden.

Iris Jockschat



DVD | Disc-Anzahl: 3 | EAN: 4260428050919 | Erschienen: 21. April 2017 | FSK: 16 | Laufzeit: 480 Minuten | Originaltitel: The Missing | Preis: 19,97 Euro | Verfügbare Sprachen: Deutsch, Englisch

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