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 Der Herr der Bogenschützen

Autoren: mac P. Lorne
Verlag: Knaur

Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Für den kleinen John Holland war eigentlich klar, irgendwann wird er ein stolzer Ritter, mutig und kämpferisch. Als Sohn des Dukes von Exeter hat er da auch gute Chancen. Als jedoch sein Vater versucht, dem abgesetzten König Richard II wieder an die Macht zu verhelfen, verliert die Familie alles. Johns Vater wird geköpft, seine Mutter von ihren Kindern getrennt und John soll, ebenso wie seine zwei Brüder, in Armut aufwachsen, ohne jede Möglichkeit, wieder gesellschaftlich aufzusteigen. So will es Henry, der neue König. John schwört, den Namen der Familie Holland wieder herzustellen und seine Familie zu rächen. Seine Chance bekommt er, als zwischen England und Frankreich Krieg ausbricht. John, mit einer untrüglichen Begabung fürs Bogenschießen, steigt in der Armee immer weiter auf und wird bald unverzichtbar für den König.

Autor Mac P. Lorne nimmt eine historische Figur, den Duke of Exeter, John Holland, und erfindet eine Geschichte um ihn herum. Größtenteils gelingt das sehr gut, hatte Holland doch ein äußerst interessantes Leben und dem Autor gelingt es, dem Leser ein drastisches, überzeugendes Bild der damaligen Zeit zu übermitteln. Dabei neigt er nicht zu übertrieben brutalen Beschreibungen, doch zurückhaltend ist er ebenfalls nicht. Gleich auf den ersten Seiten wird dem abgesetzten König flüssiges Blei in die Gedärme geleitet und das ist nichts für Zartbesaitete. Auch der Alltag der Figuren wird ungeschönt beschrieben.

Umso seltsamer, dass zum Beispiel die rar eingestreuten Liebesszenen sehr blumig umschrieben werden. Es passiert nicht alle Tage, dass in unserer Zeit die Worte "Zauberstab" oder "Lustperle" benutzt werden, um Körperteile zu beschreiben. Sei´s drum, der Lesefreude tut es keinen Abbruch.

Etwas schwerer wiegt da, dass Mac P. Lorne seinen Helden mit allen nur erdenklichen Tugenden ausstattet. John Holland ist nicht nur reinen Herzens, er ist auch hochgewachsen, gut aussehend, wohlerzogen, freundlich, tapfer und begabt. Wie wunderbar, einen solchen Mann zum Freund zu haben, wie schwer, diesen Ausbund der Tugend zu mögen. Der Funke zum Leser springt da nicht wirklich über, zumal John auch noch ungewöhnlich viel Glück hat und sehr oft einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Ja, kann denn der Mann nicht einfach etwas falsch machen? Nein, kann er nicht.

So weit, so gut, geschichtsinteressierte Leser werden ihre Freude an der Geschichte haben, auch wenn die Dialoge durchweg recht hölzern wirken. Auch trifft der Protagonist auf die wichtigen Figuren seiner Zeit, unter anderem Jean D´Arc. So präsent, wie der Verlag es den Leser glauben lassen möchte, ist sie in der Geschichte jedoch nicht, die Handlung dreht sich um John, der ein paar Mal im Leben auf die Jungfrau von Orleans trifft, das ist alles.

Mitreißend ist anders und in Verbindung mit dem recht nüchternen Erzählstil des Autors, bremst das den Spannungsbogen an der einen oder anderen Stelle ordentlich ab. Da bereits in der Inhaltsangabe verraten wird, dass der junge John die Familientitel irgendwann zurückgewinnt, kann der Leser sich entspannt zurücklehnen, egal, in welche Situation die Hauptfigur gerät. "Der Herr der Bogenschützen" präsentiert sich in der Gänze solide und unprätentiös. Wer geschichtliche Beschreibungen mag, ist hier richtig, wer Spannung sucht, sollte sich einem anderen Buch zuwenden.

Auf der Verlagswebseite ist eine Leseprobe vorhanden.

Iris Jockschat



Taschenbuch | Erschienen: 1. August 2017 | ISBN: 978-3426520826 | Preis: 12,99 Euro | 704 Seiten | Sprache: Deutsch

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