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 Die Chronik der Weitseher, Band 1: Die Gabe der Könige

Serie: Die Chronik der Weitseher, Band 1
Autoren: Robin Hobb
Übersetzer: Eva Bauche-Eppers
Verlag: Penhaligon

Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ein Bastard zu sein, ist nicht einfach, besonders, wenn der eigene Vater der zukünftige König ist. Dies muss auch der Junge feststellen, als er wie ein unerwünschtes Bündel einfach im Schloss abgegeben wird. Sechs Jahre als ist er und niemand hat sich die Mühe gemacht, ihm einen Namen zu geben. Auch die Königsfamilie ist nicht begeistert, die Schande des Thronfolgers täglich vor Augen zu haben, aber wenigstens kümmert sich jemand um ihn. Burrich, der Stallmeister und Gefolgsmann des Thronfolgers kümmert sich um den Jungen, nennt ihn Fitz, was nur ein anderes Wort für Bastard ist, aber immerhin bringt er ihm etwas Zuneigung entgegen. Eines Tages aber wird der König auf den Jungen aufmerksam und entschließt sich, ihn für seine Zwecke ausbilden zu lassen. Fitz wird zum royalen Meuchelmörder, seinem König zu Diensten und im Hintergrund bei allen politischen Intrigen dabei. Als dann auch noch sein Vater stirbt, wird er zum Spielball der Mächtigen, die sein Blut und seine Begabung fürchten und ihn um jeden Preis in einen Hinterhalt locken wollen.

Angeblich soll es George R. R. Martin gewesen sein, der meinte, jedes Buch der Autorin Robin Hobb wäre ein Grund zur Freude. Wenn dem so ist, dann hat der Mann recht. "Die Gabe der Könige" ist ein großartiges Buch mit dichtem Plot, einschmeichelndem Schreibstil und gut durchdachten Figuren in einer stimmig ausgearbeiteten Welt. So etwas findet sich selten und daher kann dieses Buch gar nicht oft genug gelobt werden. Hier stimmt einfach alles. Fitz Chivalric Weitseher, der Bastardsohn des Prinzen Chivalric ist ein Held, mit dem der Leser einfach mitfiebern muss, auch wenn Fitz ein Handwerk erlernt, das blutrünstig und gefährlich ist. Doch Fitz, der seine Geschichte selber erzählt und am Ende eines langen Lebens auf seine Jugendzeit zurück blickt, ist durchaus ein Mensch mit Skrupeln, der an seiner Aufgabe zweifelt, der fragt und leidet und nicht immer versteht, warum mit ihm so umgesprungen wird, wie seine Umgebung es nun mal tut. Es ist gut, dass er Freunde an seiner Seite hat, wie den Stallmeister Burrich, der ihn großzieht, oder Chade, der Meuchelmörder des Königs, der ihn zum Nachfolger ausbildet. Beide sind aufrechte Menschen, die sich um Fitz sorgen und für ihn zu einem moralischen Kompass werden.

Ganz stringent ist Fitz in seiner Erzählung nicht, ist er doch oft hin- und hergerissen zwischen seiner Pflicht und seinen Träumen und Enttäuschungen. Zusätzlich hat er noch zwei Begabungen, die zwar faszinierend klingen, sein Leben jedoch zusätzlich gefährden. Einmal hat er die Gabe, sich telepathisch mit bestimmten Menschen in Verbindung zu setzen, die über die gleiche Fähigkeit verfügen. An sich wäre das nützlich, doch zieht er sich damit den Hass seiner Konkurrenten und Neider zu. Schlimmer ist es, dass er über die alte Macht verfügt, sich mit Tieren zu verbinden und sie sich vertraut zu machen. Diese Eigenschaft wird allgemein gefürchtet und geächtet, denn, so glaubt die Gesellschaft, der Träger dieser Macht wird irgendwann seine Menschlichkeit verlieren und dann wie ein Tier wüten. Keine verlockenden Aussichten.

Fitz hat also allen Grund, vor fast jedem Menschen Geheimnisse zu haben und Robin Hobb macht aus diesem Umstand eine rundherum gelungene Geschichte. Hier finden sich echte Konflikte und Probleme, die einen ungewöhnlichen, aufrechten Helden schaffen. Dazu finden sich für die verschiedenen Völker des Königreiches Hintergrundgeschichten, Legenden und Bräuche, die deutlich machen, wie viel Arbeit in dieser Reihe steckt. Es darf festgestellt werden, sie hat sich gelohnt.

Eine Warnung für langjährige Fans des Genres gibt es jedoch; das Buch ist nicht neu. Es ist bereits unter den Titeln "Der Adept des Assassinen" und "Der Weitseher" erschienen. Wem die Geschichte um Fitz also bekannt vorkommt, der hat seine Geschichte unter Umständen bereits vor Jahren gelesen. In diesem Fall sollte der Leser sich vielleicht demnächst mit der dritten Chronik um Fitz beschäftigen, die bisher erst in Englisch erschienen ist.

Wer Robin Hobbs Romane jedoch bisher nicht kennt, hat etwas verpasst und sollte unbedingt zugreifen. Hier geht das Herz des Fantasylesers auf und er wird das Buch ganz sicher freiwillig nicht aus der Hand legen.

Eine Leseprobe findet sich auf der Verlagsseite .

Iris Jockschat



Taschenbuch | Erschienen: 28. August 2017 | ISBN: 9783764531836 | Originaltitel: The Assassin´s Apprantice | Preis: 15,00 Euro | 608 Seiten | Sprache: Deutscch

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