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 Lob der Macht


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Macht als Begriff wird häufig mit einer negativen Konnotation gebraucht. "Machtmenschen" wird vorgeworfen, unmoralisch zu agieren. Diese allgemein verbreitete Sicht führt dazu, dass ein Buch mit dem Titel "Lob der Macht" provoziert. Rainer Hank hat ein Buch vorgelegt, dessen Titel widersprochen werden will, aber zugleich auch fasziniert.

In acht Kapiteln auf über 220 Seiten will er zeigen, dass Macht etwas Gutes sei, der alle Menschen vieles zu verdanken haben. Dabei geht er vor allem auf Geschichte, Evolutionstheorie und Wirtschaft ein. Im Anhang wird der Text durch Anmerkungen, einem Personenregister und einem Sachregister ergänzt.

Rainer Hanks Buch "Lob der Macht" wird den hohen Erwartungen seines provokanten Titels leider nicht gerecht. Dem Leser wird keine differenzierte und nachvollziehbare Theorie darüber präsentiert, was Macht eigentlich ist und welche Wirkungen sie hat, sondern der Begriff Macht wird auf undurchsichtige Weise mit allerhand Anekdoten und wissenschaftlichem Halbwissen vor allem mit wirtschaftlichem Fortschritt assoziiert. Eine anregende Auseinandersetzung mit einem positiven Machtbegriff ist dem Leser daher gar nicht möglich. Dazu wird zu wenig Substanzielles geboten.

Letztlich ist die These dieses Buches nämlich nur, dass es ohne Macht und Machtmenschen kein Wirtschaftswachstum gäbe, von dem wir alle profitieren würden. Hätte der Autor sich nur ein wenig ideengeschichtlich und philosophisch mit dem Phänomen Macht befasst, hätte ein interessantes Buch entstehen können. So ist es leider nur eine nett zu lesende Anekdotensammlung, deren roter Faden eine krude Grundannahme darstellt, die nicht mal begründet wird.

So erzählt Hank in einem journalistisch-flotten Schreibstil von allerlei historischen Begebenheiten und garniert sie mit verkürzten Darstellungen diverser Thesen und Theorien aus allen möglichen Wissenschaften. Jede Anekdote und Theorie-Zusammenfassung liest sich für sich allein genommen flüssig und kurzweilig. Allerdings wird eben an keiner Stelle wirklich verständlich, warum wirtschaftlicher Fortschritt durch Macht bedingt sei. Der Autor scheint das allein deswegen zu glauben, weil es Menschen gab und gibt, die aufgrund ihres Ehrgeizes neue Technologien gefördert und durchgesetzt haben und damit reich und mächtig wurden. So zum Beispiel die Gründer der großen Internet-Konzerne in der jüngeren Geschichte.

Mit demselben Ansatz könnte aber auch eine "Kritik der Macht" geschrieben werden, denn die Beispiele für mächtige Personen in der Geschichte, die den Fortschritt behinderten, etwa der Adel über Jahrhunderte in der europäischen Geschichte, sind sicher nicht weniger zahlreich. Überhaupt ist es bizarr, den Machtbegriff so eng an die Sphäre der Wirtschaft zu koppeln. Macht gibt es in jeder Sphäre menschlichen Miteinanders, was Hank eigentlich schon allein deshalb auffallen müsste, weil viele seiner Anekdoten auch aus anderen Bereichen als der Ökonomie kommen. Macht ist eine gesellschaftliche Realität, die weder gut noch schlecht ist. Vielmehr geht es um ihre Verteilung und um ihren Gebrauch. Was Macht eigentlich ist und wie sie gesellschaftlich wirkt beschäftigt den Autor aber leider gar nicht.

Und das alles verwundert einen Leser mit Vorwissen noch mehr, wenn er sich das Personenregister und die Anmerkungen anschaut. Obwohl Hank selbst Autoren wie Foucault zitiert, kommt er zu keinem fundierten und nachvollziehbaren Fokus auf den Machtbegriff. Aus einem nicht ersichtlichen Grund beschränkt er sich auf eine angeblich positive Wirkung der Macht auf das Wirtschaftswachstum, das er noch dazu völlig unkritisch und ohne Reflexion per se als gut auffasst.

Letztlich stellt sich die Frage, ob das Absicht ist, um einen leichten und leider auch seichten Text mit einem möglichst provozierenden Titel gut zu verkaufen, oder das wirklich als ernst gemeinte Analyse des Machtbegriffs gemeint ist. So oder so ist die Lektüre eine Enttäuschung. Einzig als Anekdotensammlung hat dieses Buch zumindest einen Unterhaltungswert.

Eine Leseprobe gibt es auf der Verlagswebsite.

Andreas Schmidt



Hardcover | Erschienen: 9. September 2017 | ISBN: 978-3608961799 | Preis: 20,00 Euro | 272 Seiten | Sprache: Deutsch

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