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 Beaver & Steve

Volume #1: A Shoeful of Trouble


Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


"Beaver & Steve: A Shoeful of Trouble" ist das erste Comicbuch zum Webcomic Beaver & Steve, der im Herbst 2004 begonnen wurde und bei seiner kleinen Fangemeinde Kultstatus genießt. In den häufig unzusammenhängenden Comics geht es um die beiden Titelfiguren: Beaver, ein Biber und Steve, ein ... Dinosaurier? Ein echsenartiges Viech halt, das von Ärger so sehr angezogen wird wie Pandas von Bambusöl. Wo Steve immer derjenige ist, der Zeitmaschinen und emotionsfähige Killerroboter baut, Vampire befreit, Kakerlaken mutieren lässt und generell Quelle jedweder Merkwürdigkeiten ist, fungiert Beaver als Steves gutes Gewissen und als Kraft der Vernunft - meist erfolglos. So ist er denn auch meistens derjenige, der den Ärger ausbaden oder mit Steves absurden Eigenheiten zurecht kommen muss.

Häufig gehen die "unfeasible adventures" (im Deutschen etwa "die undurchführbaren Abenteuer") der beiden nur über eine Seite beziehungsweise einige Bilder, was dem Konzept des Webcomics verschuldet ist. Immer mal wieder zieht sich eine Geschichte aber auch über mehrere Ausgaben des Comics hinweg. So besuchen Beaver und Steve einmal die Echsen, Biber, Pandas und giftigen Bären des örtlichen Zoos, treffen auf den allmächtigen Gol, der alles weiß, aber trotzdem einen Taschenrechner benutzt, müssen sich mit einer gigantischen Kakerlake, einer Pandainvasion, der Fleischfee, dem Cyberspuk, dem Teufel, Steves innerem Dämonen und vor allem mit dem berüchtigten Schuhgoblin auseinander setzen. Nebenbei werden die beiden schiffbrüchig, durchbrechen die vierte und fünfte Mauer, kommen in die Hölle, werden geschrumpft oder bringen versehentlich Isaac Newton um und setzen so die Schwerkraft außer Gefecht. Man merkt schon, einen Sinn oder einen durchgehenden Handlungsfaden hat das alles nicht, wie bei Webcomics üblich geht es vor allem um den Spaß an der Sache.

Der Zeichenstil von "Beaver & Steve" ist dabei extrem simpel gehalten. Vor pastellfarbenen Hintergründen agieren meistens nur die schlichten Cartooncharaktere selbst, ab und zu durch das Nötigste an Kulisse und Requisiten unterstützt, alles ist so simpel und cartoonig wie möglich gehalten. Die Qualität des Buchs ist mit den ein wenig blassen Farben einerseits schlicht, andererseits hätte es bei Umsetzung eines Webcomics auf das Printmedium in Eigenregie auch wesentlich schlimmer kommen können. Dafür, dass James Turner dieses Buch völlig alleine gestemmt hat, ist es wirklich akzeptabel. Aber bei "Beaver & Steve" geht es auch nicht um optische Qualitäten, sondern um Ideen. Und vor denen scheint der Autor geradezu zu platzen. Die absurdesten Charaktere und Gestalten - Stichwort: Hummerbienen! - geraten hier in noch absurdere Situationen, die sämtliche Konventionen und Erzählstrukturen des Humors außer Acht lassen. Fast nie ist die Pointe eines Comics vorhersehbar, häufig ist sie sogar überhaupt nicht vorhanden. Und gerade das macht "Beaver & Steve" so hinreißend komisch, handelt es sich doch um ein riesiges, buntes Potpourri aus bescheuerten Ideen, die fast immer voll ins Schwarze treffen und nebenbei noch mit den besten "Soundeffekten" der Comicgeschichte agieren: "Appear!", "Touch!", "SHOE!" Der Comic nimmt nicht mal mehr sein eigenes Medium ernst. Man muss natürlich einen Draht für kreativen Unsinn haben, ansonsten wird man "Beaver & Steve" rein gar nichts abgewinnen können. Aber man kann ja vorher im Internet gucken, ob einem der Humor zusagt.

Und das ist auch schon das große Problem des Buchs zu "Beaver & Steve" - warum es kaufen, wenn man all die Comics darin auch im Internet nachlesen kann? Wäre dies aktuell doch weit weniger aufwendig und selbstverständlich kostengünstiger als eine Bestellung auf der Webseite des Comics, der derzeit noch einzigen Möglichkeit, an das Buch heranzukommen. Die Extras gegenüber der Internetausgabe - drei Seiten mit unveröffentlichten Comics und ein paar kleine Sketch-Zeichnungen der Hauptfiguren am Rande - sind äußerst mager, es gibt nicht mal ein Inhaltsverzeichnis oder Seitenzahlen. So gesehen muss man schon sehr kreativ sein, um Gründe für den Kauf des Buchs zu finden. Aber die Artikel zum Comic richten sich eh nur an einen relativ kleinen Kreis aus Fans. Von daher empfehle ich, sich zuerst den Webcomic mal anzuschauen. Wenn man mit "Beaver & Steve" dann genauso viel Spaß hatte wie ich, sollte das die zwölf Euro zur Unterstützung eines der kreativsten und lustigsten Webcomics da draußen wert sein. Viel mehr gute Gründe zum Kauf des Buchs selbst gibt es leider nicht.

Julius Kündiger



Softcover | Erschienen: 1. April 2006 | ISBN: 0955287103 | Preis: 12 Euro | 112 Seiten | Sprache: Englisch

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