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 Auf Reisen: Wenn bei uns ein Greis stirbt ...

Reportagen

Serie: Auf Reisen
Autoren: Peter Faecke
Verlag: Edition Köln

Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Preis - Leistungs - Verhältnis


"Wenn bei uns ein Greis stirbt, dann verbrennt eine ganze Bibliothek". Diese Worte stammen von Amadou Hampaté Ba, dem Erzähler und kulturellen Archivar der westafrikanischen Sahelländer. Peter Faecke, Schriftsteller und Journalist aus Köln, verwendet den ersten Teil dieser Weisheit als passenden Titel für ein Reportagen-Buch über Mali und Namibia. Denn in der ersten Reportage von "Wenn bei uns ein Greis stirbt" porträtiert Faecke im muslimischen Mali diesen außergewöhnlichen Menschen Amadou Hampaté Ba.

Der alte Mann ist ein Lehrer des Islam, der als Schriftsteller, Ethnologe und Archivar versucht hat, aus der bloß mündlich überlieferten Kultur des Landes eine schriftliche zu machen. Er schrieb die Geschichten der großen Familien auf, der Stämme, Völker, Königreiche, die er auf vielen Reisen durch Mali und die angrenzenden Regionen besuchte. Er sammelte die Lieder, Legenden, Mythen, Gesänge, Fabeln, Märchen und Anekdoten und zeigte so allen, wie reich sie eigentlich waren. Am Ende seines langen Lebens muss er trotz allem mit viel Bitterkeit feststellen, dass die Trockenheit und die vorrückende Sahara, dass Bevölkerungsdruck, Schuldenlast, Migration, Krankheiten und das Fernsehen mit den Konserven aus Frankreich und den Ansprachen des Präsidenten bereits wieder viel von dem vernichteten, was er gerade gerettet hatte.

Im christlich missionierten Namibia trifft Faecke auf Jack, der vor der Unabhängigkeit der letzten Kolonie Afrikas Redakteur beim Fernsehen war. "Uns kann nicht viel passieren", sagt dieser: "Wir sind klein und sexy. Die Schweiz Afrikas. Und außerdem noch das Wunschkind der Vereinten Nationen, die außer uns doch nur Totgeburten zu Stande gebracht haben."

Faeckes beide Reportagen aus Namibia ziehen Bilanz aus den ersten Jahren der Unabhängigkeit, in denen eine Partei mit großer Mehrheit die ersten Wahlen gewann, die zuvor als sozialistische Untergrundbewegung gekämpft hatte. Und sie beschreiben die Reise zweier Schriftsteller quer durch das von vielen Völkern, darunter auch Deutschen und Deutschstämmigen, besiedelte Land zu den Himbas im Norden an der Grenze zu Angola - zu einem Stamm, der unweigerlich neben seinen Gräbern der Ahnen, dem Heiligen Feuer, dem sich auflösenden Sozialgefüge der einzelnen Clans stirbt. Ein Himba wird folgendermaßen zitiert: "Die Kinder, die einmal das Neue gehört und erlebt haben, kehren mit dem Glauben zurück, dass ihre Eltern, die Alten, dumm und rückständig seien, ja einer der rückständigsten Stämme der Welt. Aber sie vergessen, dass ihre Eltern nur dank ihrer Weisheit das Leben eines Himba führen konnten."

Faeckes Kenntnisse über Land und Leute sind beachtlich und für Ethnologen und Interessenten der Sahelzone mit Sicherheit erkenntnisreich. Für Laien sind die historischen und politischen Verweise nicht immer leicht verständlich und wirken oft verwirrend. Dem Leser wird der Einstieg in die Lektüre leider auch von Anfang an nicht leicht gemacht. Weder durch eine Einleitung noch durch eine Erklärung zu Beginn der ersten Reportage wird ihm deutlich gemacht, wann, wie und zu welchem Zweck die Texte entstanden sind. So stehen sie ein wenig zusammenhangslos im Raum.

Aufgelockert werden die Reportagen durch fünfzehn farbige Bilder im Innenteil, in denen verschiedene Eindrücke von den Menschen, Dörfern und Landschaften in Mali und Namibia festgehalten wurden. Fünf Bilder zeigen beispielsweise das Dogon-Plateau bei Bandiagara. Das animistische Volk Dogon nahm dieses karge Plateau als Rückzugsgebiet in Besitz, wobei es das hierzu bereits siedelnde, kleinwüchsige Volk der Tellem beinahe spurlos vernichtete.

"Wenn bei uns ein Greis stirbt ..." ist insgesamt ein spannendes Buch, das mit 131 Seiten schnell zu lesen ist. Außerdem sprudelt immer wieder der Zauber eines einfachen, aber glücklichen Lebensstils alter afrikanischer Ethnien hervor. An vielen Stellen bleibt die Neugier des Lesers jedoch leider durch fehlende Bezüge unbefriedigt. Das Buch richtet sich daher eher an ein Fach- als an ein Allgemeinpublikum.

Nikola Poitzmann



Hardcover | Erschienen: 01. Oktober 2005 | ISBN: 3936791112 | Preis: 12,90 Euro | 131 Seiten | Sprache: Deutsch

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