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 In tausend Teufels Namen

Autoren: Ingeborg Hecht
Verlag: Rombach

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Nach einem Vorwort zur zweiten Auflage des Werkes "In tausend Teufels Namen" startet die Autorin Ingeborg Hecht mit einem kurzen Abriss der historischen Fakten des Hexenwahns. Dabei beginnt sie mit der sogenannten Hexenbulle, welche 1484 von Papst Innozenz VIII. erlassen wurde und den Weg der Hexenverfolgung für die beiden Mönche frei machten, die dann das weitbekannte Werk schrieben, das heute vor allem unter dem Namen "Hexenhammer" bekannt ist. Sie beschreibt, dass der Wahn der Hexenverfolgung in ganz Europa genauso wie in den Kolonien und Amerika mehr oder weniger stark um sich gegriffen hat. Die Autorin geht dabei besonders auf die Unfassbarkeit des Ausmaßes ein, welches die Hexenverfolgung in Europa angenommen hat, und vor allem auf die Verhältnisse am Oberrhein. Dabei gibt sie auch Zahlen der Verbrannten an, um einen kleinen Eindruck des Elends zu geben.
Nach diesen historischen Fakten widmet sich die Autorin voll und ganz dem "Hexenhammer". Diese Schrift ist das wohl bekannteste und schauderhafteste Werk des späten Mittelalters beziehungsweise der frühen Neuzeit und mit dem heutigen Menschenverständnis mag man in die Verlegenheit kommen zu fragen, wie eine solche Schrift überhaupt durchkommen und ein solches Elend hervorrufen konnte. Ingeborg Hecht gibt dabei auch Auszüge des Werkes an, welche dem Leser der heutigen Zeit besonders absurd erscheinen mögen, doch nach dem damaligen Stellenwert vor allem der Frau in der Gesellschaft und des Ansehens des Lebens ist das Werk zumindest teilweise nachvollziehbar.

Im nächsten Teil des Buches gibt Ingeborg Hecht Beispiele aus der damaligen Literatur und Kunst, in denen das Hexentum dargestellt wurde. Doch auch heute gibt es noch viele Märchen, die auf das damalige Hexenbild zurückgehen, man möge nur an "Hänsel und Gretel" denken und die böse Hexe, welche im Ofen landet, den man mit dem Scheiterhaufen der Hexenverbrennung gleichsetzen kann.
In den nächsten beiden Kapiteln geht es dann um den Verlauf der Prozesse. Dabei wird die ganze Scheußlichkeit der Folter und der Hinrichtung aufgezeigt. Wenn man davon absieht, dass es um ein Vielfaches mehr Frauen als Männer traf, so wurde dem sozusagen schwachen Geschlecht bei den Verfahren noch mehr zugemutet als den Männern, die zumindest eine schnelle Hinrichtung bekamen und nicht noch durch die Massen der Schaulustigen bloßgestellt wurden. Nicht selten war es der Fall, dass Frauen unter den menschenunwürdigen Verhältnissen der Verliese zu Tode kamen oder wirklich in einen Wahn verfielen, in dem sie den Teufel bezeichneten. Dass es sich dabei jedoch nicht um den Teufel handelte, wie es die Richter auslegten, sondern um die Henker, welche die Folter ausübten, versucht die Autorin darzulegen.

Im letzten Abschnitt geht die Autorin auf das Ende der Hexenverbrennung ein und behandelt vor allem das bahnbrechende Werk von Friedrich Spee. In der "Cautio Criminalis" legte dieser dar, wie man bei Hexenprozessen vorgehen sollte und dass unter den Umständen, die bei der Hexenverbrennung herrschten, die zu Unrecht Beschuldigten keine Chance hatten, ohne die besondere Gnade eines Anwaltes der todbringenden Maschinerie zu entkommen. Am Ende findet man noch einige Literaturhinweise.

In diesem Werk hat die Autorin Ingeborg Hecht es geschafft, die wichtigsten Fakten der Hexenverbrennung auf ganze 100 Seiten zu bündeln, wofür andere Wissenschaftler mehrere tausend Seiten benötigen würden. Sie hat dabei darauf geachtet, die wichtigen Fakten herauszusuchen und sie so aufzubereiten, dass sie für den Leser leicht verständlich und einprägend sind. Dabei richtet sie, wie es der Untertitel schon besagt, ihr Hauptaugenmerk auf die Hexenverbrennung am Oberrhein, doch sie lässt auch die anderen dunklen Kapitel dieser Zeit nicht außen vor, sodass man sich nicht unbedingt mit dieser Region beschäftigen muss, um das Buch zu verstehen und es informativ zu finden.

Fazit:
Ingeborg Hecht hat mit diesem Werk eine allgemeine Zusammenfassung über die Hexenverfolgung geschrieben und geht dabei besonders auf die Verhältnisse am Oberrhein ein. Ihren Text verdeutlicht sie mit einigen Gemälden aus der damaligen Kunstgeschichte und Texten von wichtigen Autoren der damaligen und heutigen Zeit, die sich mit diesem Thema auseinandergesetzt haben. Obwohl dieses Buch erstmals 1977 erschien, ist es doch voller wichtiger Informationen, welche auch heutzutage noch von Bedeutung sind. So ist es jedem zu empfehlen, der sich mit diesem Thema auseinandersetzen möchte.

Vera Schott



Taschenbuch | Erschienen: 1. Januar 2004 | ISBN: 9783793094074 | Preis: 12 Euro | 101 Seiten | Sprache: Deutsch

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