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 V wie Vendetta


Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


"Orwell, Huxley, Thomas Ditsch, Judge Dredd. Harlan Ellisons "Bereue, Harlekin!", sagte der Ticktackmann", "Katzenmann" und "Die Stadt am Rande der Welt", zwei weitere Kurzgeschichten dieses Autors. Vincent Prices "Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes" und "Theater des Grauens". David Bowie. The Shadow. Nightraven. Batman. "Fahrenheit 451". Die Texte der New Wave (...). Max Ernsts Gemälde "Europa nach dem Regen". Thomas Pynchon. Die Atmosphäre der englischen Spielfilme aus dem Zweiten Weltkrieg. Nummer 6. Robin Hood. Dick Turpin ..."

Was hier so unzusammenhängend erscheint, ist eine nachgestellte Brainstorming-Liste von Alan Moore zur Comic-Serie "V wie Vendetta". Zusammen mit Zeichner Dave Lloyd entwarf Alan Moore Anfang der Achtziger Jahre die Figur eines Terroristen als Helden vor der Kulisse eines faschistisch regierten Englands in der nahen Zukunft (in den Neunziger Jahren) nach dem atomaren Holocaust.

Am fünften November 1997 macht sich die junge Evey Hammond illegalerweise auf, um sich erstmals als Prostituierte anzubieten. Der Mann, dem sie sich auf der Straße anbietet, gehört jedoch ausgerechnet zu den Fingermännern, dem ausführenden Organ des Regimes. Zusammen mit seinen Kollegen versucht er nicht, Evey zu ergreifen, sondern sie zu vergewaltigen, doch mitten in diese Szene platzt ein maskierter Fremder. Mit Leichtigkeit überwältigt dieser Shakespeare zitierende Mann die Fingermänner, rettet die verblüffte Evey und nimmt sie mit auf ein Häuserdach. Von dort aus beobachtet Evey die Explosion des Parlamentsgebäudes - sie wurde von einem Terroristen gerettet, denn V, wie der Maskierte sich nennt, ist für die Explosion verantwortlich. Damit war Evey jedoch lediglich Zeugin eines Anfangs von etwas, denn V verfolgt einen klaren Weg gegen das Regime und Evey ist fortan ein Teil dieser Kunstfigur und dieses terroristischen Weges ...

"V wie Vendetta" erzählt eine Geschichte, in der ausgerechnet ein Terrorist im Mittelpunkt steht. Dennoch ist er der Held der Geschichte und kämpft mit seinen Mitteln gegen ein faschistisches System. Seine Motivation ist hierbei jedoch nicht die reine Nächstenliebe, sondern V führt zugleich einen sehr persönlichen Rachefeldzug. Beide Elemente, das individuelle und das übergeordnete, werden von der Comicreihe aus den Achtziger Jahren, die hier in Taschenbuchform vorliegen, angesprochen und unter anderem durch die Figur Evey Hammonds hat der Leser die Möglichkeit, die gegebene Situation und die Motivation von V auf ganz besondere Art und Weise nachzuvollziehen.

Die Zeichnungen der Serie sind realistisch, die vorherrschenden Farben tragen einen dunklen und düsteren Ton. Dies unterstützt die Zukunft, wie sie dem Leser präsentiert wird und trägt zum Flair der gesamten Geschichte bei.
Beachtenswert ist, dass sich im gesamten Buch keine Soundtexte und auch keine Gedankenblasen finden lassen. Im Fall von "V wie Vendetta" stellt dies eine bewusste Entscheidung von Alan Moore und David Lloyd dar und ist ebenfalls ein Merkmal, das der Atmosphäre der Geschichte und ihrem Aufbau sehr zu Gute kommt.

Neben der in Kapitel aufgeteilten Geschichte enthält das Buch am Ende das zehnseitige Kapitel "Hinter dem gemalten Lächeln". Hierbei handelt es sich um einen Text von Alan Moore, der im Oktober 1983 im Magazin "Warrior" veröffentlicht wurde, als "V wie Vendetta" etwa zur Hälfte fertig gestellt war. Illustriert von David Lloyd, teils mit Titelbildern für die amerikanische Erstausgabe der Serie, werfen dieses Kapitel und die Schilderungen Alan Moores einen intensiven Blick auf die Entstehungs- und Schaffensphasen im Rahmen von "V wie Vendetta".
Weitere zehn Seiten des Buches bilden Kurzcomics ab, die zwar grundsätzlich zu "V wie Vendetta" gehören, was Schauplätze und Charaktere betrifft, jedoch nicht zur Haupthandlung. Es handelt sich um "Zwischenspiele", die im Rahmen des Buches der Vollständigkeit halber mit aufgeführt wurden.

"V wie Vendetta" ist ein schlicht großartiges Buch und ungeachtet dessen, ob man den gleichnamigen Spielfilm mag oder nicht, sollte man es unbedingt lesen, denn gerade, wenn der Film nicht zu gefallen musste, bietet die Comicvorlage die Möglichkeit, viele Aspekte des Films besser zu verstehen und somit eine ganz eigene Option, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.
Die Geschichte ist fantastisch, die Zeichnungen sind düster-realistisch, die Qualität der Taschenbuchumsetzung ist sehr gut und zuletzt sind auch die zusätzlichen Kapitel des Buches eine wirkliche Bereicherung für den Leser.

Tanja Elskamp



Softcover | Erschienen: 01. Januar 2006 | ISBN: 3833213841 | Originaltitel: V for Vendetta | Preis: 19,95 Euro | 286 Seiten | Sprache: Deutsch

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