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 Das Selbstmordparadies 1

Teil 1


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Herr Ueno steht in dem dunklen Flur und starrt die Tür an. Er hat eine Mütze mit silbernen Flügeln an der Seite auf dem Kopf. Die Tür öffnet sich und Herr Ueno geht zum Dachrand. Er stürzt hinab.
Fünfundzwanzig Todesfälle in drei Jahren und zwei Monaten. Die Hochhaussiedlung scheint verflucht zu sein. Der Chef der Sonderkommission, Yamakawa, kommt einfach nicht weiter. Keiner der Todesfälle ist geklärt worden. Nichts deutet auf Mord oder Einflussnahme einer anderen Person hin. Aber zu viele Menschen springen ohne ersichtlichen Grund vom Dach des Hochhauses. Kein Abschiedsbrief, kein ermittelbarer Grund. Seine Untergebenen fangen an, an Gespenster zu glauben. Aber ist das so unmöglich?
Der Polizist wartet auf seinen Kollegen. Der wollte nur eben pinkeln gehen. Er steht da und betrachtet das Hochhaus. Er zieht seine Pistole, hält sie sich an die Schläfe und drückt ab.
Der Kollege des toten Polizisten kann es sich nicht erklären. Grade noch haben sie sich unterhalten, er war nur für eine Minute in die Büsche gegangen, als er den Schuss hörte. Seltsam nur, das die Pistole sich nicht finden lässt. Nichts deutet auf Mord hin, doch warum soll sich der junge Mann erschossen haben? Mitten in einer Unterhaltung?
Yamakawa sitzt auf der Bank vor dem Hochhaus. Sein Piepser ertönt, doch als er nachfragt, hat ihn niemand angerufen. Er legt den Piepser auf die Bank neben sich. Er hat einen Verdacht. Irgendjemand will seinen Piepser haben, wie zuvor die Mütze und die Pistole. Doch der Piepser explodiert plötzlich und Yamakawa steht auf, nimmt den Lift im Hochhaus und fährt nach oben. Er steht vor der letzten Tür, geht hinaus auf Dach und springt hinab.

1983 erschien bei Mash-Room Co. Ltd. ein Buch, das Comicgeschichte schrieb. Es gilt auch heute noch als der beste "Otomo", den es je gab. Der berühmte japanische Manga- und Comic-Kreateur erfand mit diesem Band ein neues Genre. Er verband mystische Elemente der japanischen Sagenwelt mit dem Realismus moderner Comic-Zeichnungen. Sein Werk sprach eindeutig Erwachsene an, Gewalt und unterschwellige Bosheit seiner Geschichte sind eindeutig nicht für Jugendliche geeignet.
1994 erschien der erste Band der Trilogie "Das Selbstmordparadies" bei Alpha-Comic. Der schwarze Einband mit einer farbigen Gestalt vor dem Hintergrund eines Hochhauskomplexes ist stilvoll und passend gewählt. Er vermittelt den seltsamen Charakter dieses Comics sehr gut. Der Irrsinn der schwebenden Person, gepaart mit der grauen, eintönigen Betonwüste im Hintergrund gibt dem Betrachter eine Ahnung dessen, was ihn erwartet.
Auf den ersten Seiten vermittelt die Geschichte noch das Bild eines Kriminalfalls herkömmlicher Prägung. Dieser Eindruck weicht einem unterschwelligen Entsetzen, was hier wohl wirklich die Ursache der Selbstmorde sein könnte. Der Titel "Selbstmordparadies" trägt dazu bei. Mit ungewöhnlich sparsamen, genauen Zeichnungen erhöht Otomo die Spannung ins Unerträgliche. Wenn ein Gesicht im Großformat, jede einzelne Schweißperle sichtbar gemacht, erscheint, wird dem Betrachter Angst und Bange um diesen wahrscheinlich bald Verstorbenen. Ohne Moral, ohne Ziel und ohne Sinn sterben Menschen. Das Grauenhafte daran ist die Unausweichlichkeit, die Otomo perfekt zu vermitteln weiß. Die letzten Seiten dieses ersten Bandes sind derart grausam und gut, dass man nicht umhin kann, sofort den zweiten Band zu kaufen - es geht nicht anders.
Negativ bleibt einzig anzumerken, dass die Originalgeschichte in kleinerem Format erschienen ist. Hier hat der Alpha Verlag aus einer kleinen Serie drei Bände gamacht, die addiert über 30? kosten. Das ist eindeutig zu teuer - wenn es sich auch um fantastische Comic-Bände handelt.

Fazit: Wer Otomo kennt, muss "Das Selbstmordparadies" lesen, wer ihn nicht kennt und den Mythos Otomo kennen lernen will, sollte es versuchen. Aber Vorsicht, dieser Comic ist nichts für zart besaitete Menschen. Er ist hart und grausam, vermittelt Angst und Entsetzten. Und das nur mit einfachsten Mitteln, keinesfalls mit Splatter-Effekten oder schockierenden Bildern. Schauen sie sich diesen Comic einmal an, ich war fasziniert von der Kunst Otomos.

Stefan Erlemann



Softcover | Erschienen: 01. Januar 1994 | ISBN: 9783893112623 | Originaltitel: Domu: A Childs Dream | Preis: 10,49 Euro | 77 Seiten | Sprache: Deutsch

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