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 Der kleine Seestern

Die Geschichte einer besonderen Mission


Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton


Der kleine Seestern ist eine Geschichte und ein philosophischer Diskurs. Sergio Bambaren nimmt den Zuhörer mit auf eine Reise in die Vergangenheit und ins eigene Ich.

Gott ist das Böse leid. Er wählt den grausamen, aber in seinen Augen notwendigen Weg der Vernichtung allen menschlichen Lebens. Ausgenommen sollen nur Noah, seine Frau und die drei Söhne Noahs und deren Frauen sein. Alle anderen Menschen sollen in einer furchtbaren Flut umkommen. Noah erhält den Auftrag, von allen Lebewesen ein Paar in ein großes Schiff, das er bauen soll, zu sperren. So sollen alle Arten und die wenigen guten und liebevollen Menschen, die Gott verschonen will, die Tage der Überflutung überstehen und ein neues Zeitalter begründen.
Nachdem die Arche geöffnet wird und Noah alle Tiere in eine bessere Zukunft entlässt, fällt ihm ein kleines Tier auf, das sich verzweifelt an einer äußeren Planke festhält. Es ist ein fünfarmiges, seltsam anzuschauendes Lebewesen, das Noah noch nie gesehen hat. Der kleine Seestern ist völlig verzweifelt, denn sein Partner konnte sich in den tosenden Fluten nicht festhalten und ist umgekommen. So ist der Seestern der letzte seiner Art. Gott aber, der den weinenden Noah betrachtet, hat Mitleid mit dem Seestern und nimmt ihn zu sich in den Himmel hinauf. Der kleine Seestern soll eine Aufgabe übertragen bekommen, wie sie noch nie ein Lebewesen auf Erden erhalten hätte, das verspricht ihm Gott.

Die warmherzige und liebevolle Geschichte beginnt mit einem fünfminütigen Exkurs von Bambaren. Der philosophische Text ist komplex und für Kinder und Jugendliche nicht geeignet. Dies befindet der Autor selbst und rät, ihn nicht mit zu lesen oder anzuhören, wenn es denn nicht sinnvoll erscheint. Da der Text eigentlich nicht zur Geschichte passt und eher störend ist, sollte man diesem Wunsch nachkommen und ihn ignorieren, er ist schlicht überflüssig.
Die folgende Geschichte nimmt etwa zehn Minuten in Anspruch und schildert die Zeit der Sintflut, erweitert um das Schicksal des kleinen Seesterns. Da die Eigenleistung und Zugabe des Autors verschwindend gering ist, kann man diese Erzählung unter "biblische Nacherzählung" abhaken. Besonders interessant ist sie nicht und der Hörer fragt sich - langsam unruhig werdend - wo der große Dichter und Autor Bambaren, ein wundervoller Literat und phantasievoller Erzähler, denn bleibt?
Dann beginnt die Geschichte einer gequälten Kreatur. Einziger Sinn ihres Dasein scheinen das Leid und die Arbeit bis zum bitteren Tod zu sein. Einzig die wundervolle Schlusspointe, dass nämlich dieses Tier in der Zeit von Jesu Geburt eine tragende Rolle spielen soll, ist dieser Leidensgeschichte angefügt. Dies ist die Botschaft und kreative Leistung des Autoren. Er verpackt die moralische Grundaussage, dass dem Diesseits ein wundervolles Jenseits folgen wird, dass für alles Leid entschädigt wird, in fünfundzwanzig Minuten - inklusive einer fünfminütigen Episode, die bereits im Jenseits spielt.

Das Schlusswort über Bambaren und seine Welt kann man sich wieder sparen.
Was nun ist diese "Geschichte"? Ein Märchen? Eine Erzählung? Oder eine seltsame Verquickung von Bibel und philosophischer Erkenntnistheorie?
Das mag der Hörer entscheiden. Aber eins sei ihm vorher gesagt: Bambaren ist wenig Originelles gelungen und der Seestern kommt eigentlich fast nicht vor. Einzig die Geschichte des leidvollen Tierlebens ist eine zusammenhängende Erzählung, deren Moral und Kernaussage allerdings nur einem gläubigen katholischen Christen, der an die Jungfrau Maria, die Sintflut und die Geschichte eines Lebens nach dem Tode glaubt, etwas sagen wird. Allen anderen wird diese Sammlung von Aphorismen und Gedanken wenig bis nichts sagen.
Für Kinder ist diese Geschichte ungeeignet, Jugendlichen wird sie wenig sagen und Erwachsene werden sie eher einfältig und unzusammenhängend finden.

Fazit: Leider ist dem ansonsten brillanten Bambaren hier kein großer Wurf gelungen. Ohne sichtbares Konzept, mit einer seltsamen Mischung aus Bibel und Märchen, Moral und Glauben, langweilt dieses Hörbuch. Einzig der Sprecher Markus Hoffmann macht aus dem Sammelsurium etwas Hörenswertes. Er verbindet, wo keine Verbindung scheint, er fügt zusammen, wo Brüche sind, er erzeugt Spannung und Anteilnahme, wo Langeweile und Beliebigkeit scheinen. Ihm gelingt es über weite Strecken, eine hörenswerte Geschichte zu erzeugen. Meine Hochachtung für diese Leistung.

Stefan Erlemann



CD | CD-Anzahl: 1 | Erschienen: 01. Dezember 2005 | ISBN: 3886988236 | Laufzeit: 64 Minuten | Originaltitel: The Story of the Starfish and the Mule | Preis: 9,95 Euro

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