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 Mary Poppins


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Nanna hat gekündigt und bei Familie Banks herrscht ein heilloses Durcheinander. Ohne die Kinderfrau sind alle Angestellten gefragt und die vier Kinder müssen beschäftigt werden. Doch kaum ist der Beschluss gefasst, eine Annonce aufzugeben, wird eine Frau vom Sturm direkt vor die Tür des kleinen Hauses geweht. Mary Poppins nimmt die Stelle an. Zeugnisse hält sie für unmodern und Misses Banks will vieles sein, nur unmodern wäre für sie eine Todsünde.
So tritt das seltsamste Hausmädchen bei den Banks ihren Dienst an, welches die Familie je gesehen hat. Nicht nur, dass Mary vor allen Leuten mit dem Nachbarshund redet und einen Onkel hat, der, wenn er beginnt zu lachen, an die Decke seines Zimmers schwebt, nein, dieses Hausmädchen ist eine wahre Zaubererin. Die Kinder folgen ihr aufs Wort und auch Herr und Frau Banks können bei einem Blick in diese blauen Augen nur zustimmen, was auch immer Mary Poppins feststellt. Sie verbringt ihre freien Tage mit einem Pflastermaler, besucht mit diesem Mann sogar die Welt seiner Kreidebilder. Doch die aufregendsten Abenteuer erleben die Kinder der Familie Banks.

Ein Quell wundervoller Abenteuer öffnet sich dem Leser, der diesen Kinderbuch-Klassiker von Pamela L. Travers in die Hand nimmt. Wer Zeit genug erübrigen kann, wird dieses Buch wohl nicht vor der letzten Seite fortlegen. Ob zehn Jahre alt oder 42, dieses Buch macht einfach nur Freude. Der Stil ist zwar komplex und für Kinder sehr schwierig, aber wenn man sich erst mal daran gewöhnt hat, liebt man diese fast anarchistische Mary Poppins heiß und innig.
Ganz im Gegenteil zum zuckersüßen Disney-Kinofilm mit Julie Andrews, ist die Mary Poppins der Buchvorlage eine sehr eitle, immer prinzipienfeste und ganz und gar nicht redselige Person. Wenn sie den Kindern etwas nicht erklären will, könnte man auch einen Stein auspressen - es wird nicht herauskommen!
Die literarische Mary Poppins ist ungleich komischer, ernster, tiefgründiger und vor allem geheimnisvoller, als die seichte, liebevolle und immer lachende Mary Poppins des Films. Wer den Film kennt, kennt Mary Poppins nicht. Den wahren Charakter dieser Person und die ganze Bandbreite ihrer Gefühle kann man nur kennen lernen, wenn man dieses Buch liest. Und man wird es nicht bereuen. Dieser kleine Band ist einfach herrlich. Der teils subversive Humor Marys, die skurrilen Abenteuer, die sie erlebt oder von denen sie erzählt sind so wundervoll, dass man den Film nach der Lektüre eher gering schätzt. Der wahre Klassiker ist dieses Buch. Es ist wirklich uneingeschränkt zu empfehlen - Kindern wie Erwachsenen.

Alle Aspekte, die das Buch aus der Masse der Kinder- und Jugendliteratur herausheben, wie Ideenreichtum, Humor, Absurdität der Ereignisse, Erzählstil, das Panoptikum der Persönlichkeiten, die Leichtigkeit der Handlung sind einzigartig. Einzig die Kürze des Bandes ist zu bedauern. Doch kommt sie den jugendlichen Lesern sehr entgegen, die einen dicken Roman wohl kaum lesen und genießen können.
So ist dieses Buch der gelungene Kompromiss zwischen einfachem Kinder- und Jugendbuch und anspruchsvoller Erwachsenenliteratur. Zu bedenken ist hierbei, dass die Originalausgabe dieses Buches aus dem Jahre 1934 stammt. Einer Zeit, in der es die Sparte Kinder- und Jugendliteratur nicht gab und die Einordnung in diesem Sinne sich demzufolge heute nur eingeschränkt vorgenommen werden kann.

Fazit: Dieser Klassiker lohnt unbedingt beachtet zu werden. Die wundervolle Ausgabe des Dressler Verlages ist sehr zu empfehlen. Der kleine, in rot gehaltene Band ist jeden Cent wert und eine spannende Unterhaltung für jedes Lesealter.

Stefan Erlemann



Hardcover | Erschienen: 01. August 1999 | ISBN: 3791535773 | Originaltitel: Mary Poppins | Preis: 7,50 Euro | 189 Seiten | Sprache: deutsch

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