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 The Kingdom / Riget: Geister

Hospital der Geister 1 & 2


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Brutalität
Extras
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton


Erstmalig legt Koch Media auf insgesamt 4 DVDs die dänische Kultserie von Lars von Trier aus dem Jahre 1994 (The Kingdom / Riget I) und 1997 (The Kingdom / Riget II) in einer Box auf.
Da der filmische Inhalt sehr viele Handlungsstränge aufweist, die sehr häufig auch miteinander verknüpft sind, werden hier die wichtigsten Ereignisse kurz vorgestellt.

Erste Staffel, einige Handlungsstränge:
Im Dänisch-Königlichen Reichskrankenhaus, kurz auch das Reich genannt, in Kopenhagen geht Seltsames vor sich. Frau Sigrid Drusse, eine Spiritistin und Simulantin, lässt sich erneut ins Reich einliefern. Doch diesmal hört sie das Weinen eines kleinen Mädchens. Nach und nach findet Frau Drusse heraus, dass dieses Weinen von einem toten Mädchen namens Mary Jensen stammt. Marys Geist kommt nicht zur Ruhe, da dem Kind etwas Schlimmes widerfahren ist. Frau Drusse macht sich auf die Suche, um das Geheimnis um Mary zu lüften.
Immer wieder fährt um die gleiche Uhrzeit ein Krankenwagen vor die Klinik, merkwürdig daran ist nur, dass er keinen Patienten transportiert und scheinbar auch keinen Fahrer hat.
Stig Helmer, ein schwedischer Gehirnchirurg, nimmt im Reich seine Arbeit auf. Doch schon bald kristallisiert sich heraus, dass er aufgrund seltsamer Umstände die Arbeit in Dänemark aufgenommen hat. Es ist auch recht bald ersichtlich, dass er seine dänischen Kollegen nicht leiden kann. Er schreit es geradezu heraus. Doch noch etwas bedrückt ihn. Eine Patientin, die kleine Mona, ist das Opfer eines Kunstfehlers, den Helmer begangen hat. Nun ist sie im Reich, um sich behandeln zu lassen. Der Druck einer drohenden Klage der Mutter setzt Helmer immer mehr zu.
Der junge Assistenzarzt Jörgen Krogen ist ein Organisator. Er hortet Dinge und verteilt sie dorthin, wo sie benötigt werden. Irgendwie schuldet ihm jeder einen Gefallen, er verwertet und verwendet alte Sachen weiter und wieder. Krogen verliebt sich in seine Kollegin Judith, die ihn jedoch zunächst abblitzen lässt.
Krogens Kollegin Judith merkt recht bald, dass sie schwanger ist. Doch der Kindsvater hat sie sitzen lassen, und Krogen nimmt aus Liebe zu Judith die Verantwortung auf sich. Doch sehr schnell überstürzen sich die Ereignisse und den beiden wird deutlich klar, dass was mit dem Kind nicht stimmt.

Dieses sind nur einige der Handlungsstränge und Verwicklungen in der ersten Staffel von "Geister". Die Handlungen finden ausschließlich im Krankenhaus statt. Was auf den ersten Blick wie eine langweilige Krankenhaus-Soap klingt, entwickelt sich von Folge zu Folge zu einer Grusel- und Horrorserie. Eigentlich vermischen sich sehr viele Elemente: Phantastik, Horror, Krankenhaus-Soap, Slapstick-Komödie und Krimi.
Lars von Trier schafft es, die Spannung von jeder Folge zur nächsten zu steigern und somit den Zuschauer vor dem Bildschirm zu bannen und zu unterhalten.
Drei lange Jahre mussten die Fans von "The Kingdom / Riget" darauf warten, bis 1997 die zweite Staffel erschien. In dieser sollten die losen Enden aus Staffel eins nicht nur zusammen-, sondern auch weitergeführt werden.

Zweite Staffel, einige Handlungsstränge:
Dauerpatientin Sigrid Drusse möchte weiter den umherirrenden Geistern helfen, zur Ruhe zu kommen. Seit der Geburt von Judiths Kind treten sie häufiger auf und in Erscheinung und bitten Frau Drusse um Hilfe.
Die Krankenwagengeschichte wird weiterentwickelt. Nun laufen Wetten des Personals, ob der Fahrer "Falcon" es schafft, in einer bestimmten Zeit eine vorgegebene Strecke gegen den fließenden Verkehr unbeschadet zu fahren.
Der Druck auf Stig Helmer wächst. Der einzige belastende Beweis für seinen Kunstfehler ist jetzt in den Händen von Krogen. Dieser setzt Helmer unter Druck. Doch Helmer will sich das von diesem "dänischen Abschaum" nicht gefallen lassen und ersinnt einen perfiden Plan.
Krogen versucht mit Judith eine Beziehung zu führen und sich um das Kind zu kümmern. Doch das ist nicht so einfach, in Anbetracht dessen, was dieses Kind ist.
Judith hat das Kind geboren. Doch das Kind entwickelt sich so rasant, dass es bereits kurz nach der Geburt sprechen kann. Auch das Körperwachstum ist unheimlich und die kognitiven Fähigkeiten gehen über das normale Maß hinaus. Judiths Kind bekommt die spirituellen Geschehnisse im Reich mit.

In der zweiten Staffel werden einige Handlungsstränge aus der ersten beendet und über ein Dutzend neue begonnen. So wird der Zuschauer immer mehr in die kompakte Erzählweise verwickelt. Doch in puncto Spannung lässt die zweite Staffel etwas nach und kann mit der ersten nicht Schritt halten. Die Erzählweise wirkt hektischer. Dennoch werden viele Sachen gut zu Ende geführt (nicht unbedingt zu einem Guten).
Der Regisseur drehte die Serie an den gleichen Schauplätzen wie sein bereits zehn Jahre zuvor erschienenes Werk "The Element of Crime". Der Autor lässt sehr viele Wahrheiten, die natürlich überspitzt dargestellt sind, und auch Vorurteile in seine Serie einfließen. Es gibt die Liebe zwischen Ärzten, Studenten und Schwestern, eine medizinische Geheimloge, experimentelle Medizin, Operationen, die schieflaufen, verwirrte Patienten und immer wieder das Element, dass Okkultes und Alternatives im Rahmen der Medizin im Reich nichts zu suchen haben. Der Zuschauer trifft auf zwei Menschen mit Behinderungen, welche die Vorgänge im Reich auf ihre Art wahrnehmen und zusammenfassen, auf verrückte Psychiater und Logenmitglieder, welche heimlich doch alternative Heilmethoden anwenden. Ebenso gibt es einen Satanskult, die zynischen und schwarzhumorigen Bemerkungen des Krankenhauspersonals, die Hierarchien einer Klinik, Mord, Unterdrückung von Beweismitteln, damit alle eine weiße Weste haben, und Chefs, welche inkompetent sind. Alles zusammen ergibt ein spannendes, lustiges und durchaus auch nicht allzu unwahres Bild über die Abläufe in einer großen Klink.
Leider fällt es schwer, dem Humor und den Vorurteilen zwischen Dänen und Schweden zu folgen, doch am ehesten dürfte der Vergleich zwischen Ostfriesen und dem Rest der Deutschen hier passen.
Am Ende jeder Folge tritt Lars von Trier noch einmal vor sein Publikum und gibt eine mehr oder weniger hilfreiche Kommentierung zu der Folge von sich.
Wem die Handlungen aus jüngster Zeit bekannt vorkommen sollte, irrt nicht. Der Amerikaner Stephen King versucht es mit einem Remake "Stephen King¬ís Kingdom Hospital" aus dem Jahr 2004. Doch dieses gereicht nicht an das Original heran.
Auch in anderer Hinsicht ist diese TV-Serie ungewöhnlich. Die Folgenlänge variiert zwischen 60 und teilweise über 80 Minuten.

Die Bildqualität entspricht der, welche dem Zuschauer von der Fernsehversion bekannt sein dürfte. Da Lars von Trier einer der Mitbegründer von "Dogma 95" ist, wird auf viele starke, actionreiche, hollywoodverdächtige Spezialeffekte verzichtet. Das Bild sieht aus, als sei es mit einer Handkamera gedreht worden. Teilweise wacklige Bilder, teilweise verwaschen, grobkörnige Auflösung, mal weiche Orange- und Rotfarbtöne, die sich mit grellen neonfarbenen und schwarz vermischten Szenen abwechseln. Ein bisschen erinnert die Körnigkeit an Filmaufnahmen aus den 1970er Jahren, trägt aber zu Spannung und Düsternis der Geschichte bei.
Der Ton entspricht auch dem der Fernsehfassung, allerdings mit einem Unterschied. In dieser Version sind deutsche Tonspuren mit den für die Fernsehversion ursprünglichen, zuvor herausgenommenen dänischen Tonspuren zusammengeschnitten worden. Deshalb kommt es dazu, dass es innerhalb einer Szene auch mal vorkommen kann, dass dänisch gesprochen wird und dem Zuseher nur die deutsche Untertiteleinblendung bleibt. An einigen Stellen ist es störend, da sich die Stimme verändern und das Gesprochene sowie die Musik auch dumpfer werden. Doch diese Lösung ist gut gemacht worden und dürfte nur die wenigsten stören.
Eben durch all diese nach heutigem Standard Unzulänglichkeiten wird erst die beklemmende, düstere, aber auch heitere Stimmung erzeugt, welche der Serie einen besonderen Reiz verleiht.

Auf jeder der DVDs befinden sich Extras, welche unter anderem ein Interview mit dem sonst kamerascheuen Lars von Trier beinhalten, ein Musikvideo - von Lars von Trier produziert, und er tritt auch darin auf - mehrere Trailer, in denen der Schauspieler von Stig Helmer auf dänische Zeitungen wettert. Zusätzlich gibt es noch einen Kommentar zur Serie von Udo Kier, in dem er unter anderem auch auf das Remake von Stephen King eingeht.
Ein Booklet würde das ganze Produkt noch sehr gut abrunden, doch leider fehlt dieses Feature.

Alles zusammen ergibt eine sehr schöne DVD-Box einer der besten Serien. Für Horror- und Gruselfans ein unbedingtes Muss. Da es nicht nur spannende und düstere, sondern auch humorige Unterhaltung bietet, fesselt einen diese Produktion.

Produktion: Dänemark, Schweden, Deutschland 1994 und 1997
Ungeschnittene Fassung

Christoph Heibutzki



DVD | Disc-Anzahl: 4 | Erschienen: 01. Mai 2005 | FSK: 16 | ISBN: 4020628991548 | Laufzeit: 576 Minuten | Originaltitel: The Kingdom / Riget I & II | Preis: 49, 99 Euro | Untertitel verfügbar in: Deutsch | Verfügbare Sprachen: Deutsch, Dänisch, Schwedisch

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