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 Harry Hole ermittelt!, Folge 5: Das fünfte Zeichen

Serie: Harry Hole ermittelt!, Folge 5
Autoren: Jo Nesbø
Sprecher: Heikko Deutschmann
Übersetzer: Günther Frauenlob
Verlag: Hörbuch Hamburg

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton


Jo Nesbø entwirft in diesem äußerst spannenden Kriminalfall eine präzise Situation. Im Mittelpunkt steht mit Harry Hole ein Gescheiterter. Er kommt mit sich, seiner bedingungslosen Berufsauffassung, seinem Hang bis zum totalen Selbstverlust seiner jeweiligen Aufgabe gerecht zu werden und der Unfähigkeit, sein Privatleben davon zu trennen, nicht klar. Dem Hörer wird ein tiefer Einblick in die Seele dieses Mannes gewährt und gleichsam aus dessen Pein heraus beginnt die Suche nach einem Serienmörder ins Blickfeld zu geraten. Nicht Details der Morde, nicht die Ermittlung und weder Kollegen noch Zeugen sind wichtig, sondern einzig der Blickwinkel Harry Holes. Dies gelingt Nesbø in perfekter Art und Weise. Im direkten Gegensatz zur knappen, präzisen und beinahe kalten Sicht auf die Geschichte, die handelnden Personen und den Mörder, wird Harry mit menschlicher Wärme, Anteilnahme und in allen seinen Unzulänglichkeiten charakterisiert. Jo Nesbø gelingt es spielend, den Hörer für sich und seinen Hauptdarsteller einzunehmen. Verstärkt wird dieser Identifikationsprozess durch die Art des Vortrags von Heikko Deutschmann. Er klingt verletzlich, gebrochen, am Boden und völlig am Ende, ehe ein Funken Interesse erwacht, bis die Lebensgeister und die intellektuellen Fähigkeiten von der Aufgabe gefangen genommen werden, den Serienmörder zu fangen. Je näher Harry dem Täter kommt, je mehr er zu einem Menschen mit Hoffnungen, Gefühlen und einer Zukunft wird, desto lebendiger, variantenreicher, ergreifender wird der Vortrag Deutschmanns. Dessen Leistung ist um so höher einzuschätzen, als der Autor ständige Perspektivwechsel einsetzt, um dem Hörer einen Vorsprung vor dem Ermittler Harry Hole zu geben. Er lässt die Opfer, den Täter, Kollegen und Zeugen aus der Ich-Perspektive erzählen und agieren und schafft neben der Ebene der Identifikation eine Ebene der Distanz. Diese Ebenen werden gekonnt vermittelt und verknüpft.
Wohltuend ist dabei der Stil Nesbøs. Er stellt Gefühle und Menschen in den Mittelpunkt, nicht Tathergang, Details der Morde oder gar Obduktionsberichte, wie es in immer mehr Kriminalromanen und Hörbüchern Mode zu sein scheint. Dabei gelingt es ihm dennoch eine enorme Spannung aufzubauen. Sie beruht aber auf der geschickt verschachtelten Story, den Handlungen der Akteure und der ständig drohenden Gefahr.
Dem grandiosen Schluss dieses Hörbuches lässt sich nur noch anfügen, dass dieser Ermittler, diese Herangehensweise an einen Mordfall und diese minutiöse Schilderung der Gefühle des Ermittlers dem Hörer sehr ans Herz gewachsen sind und er ein weiteres Buch oder Hörbuch von Jo Nesbø und Hole herbeisehnt.

Fazit: Dieses Hörbuch ist spannend, emotional mitreißend und verstörend zugleich. Wer gute Kriminalgeschichten mit menschlichen Akteuren und einem facettenreichen Ermittler mag, der muss einfach zugreifen - Nesbos "Das fünfte Zeichen" ist mit Sicherheit eines der besten Hörbücher dieses Jahres!

Stefan Erlemann



CD | CD-Anzahl: 6 | Erschienen: 1. August 2006 | Laufzeit: 450 Minuten | Originaltitel: Marekors | Preis: 29,90 Euro

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