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 Praying Mantis

Regisseure: Marc Levie
Schauspieler: Lou Broclain, Yann Chely, Sacha Kollich
Verlag: Epix

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Extras
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Der belgische Regisseur Marc Levie griff die Gottesanbeterin und die sie umrankenden Mythen auf, um daraus ein Horrormärchen zu kreieren.

Julien lernt während einer Autofahrt Sylvia kennen, die ihn sofort in den Bann schlägt. Praktisch ohne weiteres bleibt sie bei ihm und gibt sogar die Heimat für ihn auf. Julien stellt jedoch keine Fragen. Zu groß sind die Gefühle, zu übermächtig ist die Faszination, die Sylvia auf ihn ausübt.
Nach einer Weile gemeinsamen Glücks verhält sich Sylvia jedoch immer merkwürdiger, zieht sich zurück, und schließlich ertappt Julien sie mit einem anderen. Was zunächst nach schlichtem Betrug aussieht, entpuppt sich wenig später jedoch als viel mehr: In Sylvia ist ihre wahre Natur, die der Gottesanbeterin, erwacht. Sie stößt Julien ab, weil sie ihn wirklich liebt, und sucht den Sex bei einem anderen, weil sie für diesen eben keine wahren Gefühle hegt, sondern ihre Mordlust auszuleben gedenkt. Doch kann eine solche Beziehung wie die von Julien und Sylvia Bestand haben?

Die Faszination, die die Gottesanbeterin ausübt, weil sie nach dem Liebesakt häufig das Männchen verspeist, wurde in diesem Film nicht zum ersten Mal aufgegriffen. Der Tatbestand eignet sich hervorragend für Horrorfilme, bei denen eine attraktive Frau sich als mordlüstern herauskristallisiert. Selbst die TV-Serie "Buffy" griff bereits in einer ihrer frühen Folgen auf dieses Element zurück.
So erwartet man einen Film genau solchen Inhalts und ist vermutlich sogar auf einen recht blutrünstigen Streifen gefasst - doch weit gefehlt.
Marc Levie machte aus diesem Stoff einen Fantasy- statt eines Horrorfilms und vermischte die erwartete Erotik mit einer Art poetischem Drama. Dieser Ansatz verwirrt den Zuschauer, und so dauert es eine ganze Weile, bis man die Intention des Films versteht und bereit ist, sich auf sie einzulassen.
Dann jedoch erkennt man die Hauptfiguren als die Symbole, die sie darstellen sollen: Julien als Inbegriff der endlosen Liebe, den Nebenbuhler Patrick als Inkarnation der (Woll)lust und Sylvia als Symbol für Tod und Wiedergeburt. Ein fantastisches Spektakel, das einen in den Bann zieht, gerade weil es sich so leise und die Symbolik sich so unaufdringlich verhält, gerade weil Spezialeffekte minimal eingesetzt wurden und nicht von höchster Qualität sind.

Schauspielerisch wird der Film ganz klar von Sylvias Darstellerin Lou Broclain getragen. Die Neuentdeckung zeigt gleich in dieser Produktion großes Talent. Ob es die naturverbundene und verspielte, die kränkelnde und verzweifelte, die berechnende und bösartige Figur ist, ob sie Undurchschaubarkeit präsentiert oder ihren nackten Körper in einer Art Balztanz und während sexueller Akte: Lou Broclain ist als absolute Idealbesetzung und als eine Schauspielerin mit großem Potenzial zu sehen, auch wenn bisher keine weiteren Produktionen mit ihr bekannt sind.
Die Darstellung des liebestollen und sich stets waghalsigen Aktionen aussetzenden Patrick durch Sacha Kollich ist glaubwürdig, die Tragik des Julien in der Darstellung von Yann Chely allerdings kritikwürdig und wenig überzeugend.

Die DVD bietet an Extras Biografien von Marc Levie und den drei Hauptdarstellern, ein Interview mit Lou Broclain und Sacha Kollich, Hintergründe zur Geschichte in Form eines Abschiedsbriefes von Julien sowie Informationen zur Filmidee von Marc Levie und allgemeine Hintergründe zur echten Gottesanbeterin.
Sämtliche Extras liegen leider nur in Textform vor, was schade ist und wenig unterhaltsam.

Drehbuchautor und Regisseur Marc Levie ist mit "Praying Mantis" ein völlig neuer Ansatz zur Thematisierung des Gottesanbeterinnen-Mythos¬í gelungen. Wer sich auf feine Nuancen, künstlerischen Ausdruck und poetische Fantasy einlassen kann, ist hier genau richtig, wer einen Horrorfilm oder gar Splatter erwartet, wird allerdings enttäuscht sein. Einige Schwächen im Schauspiel und bei den Extras trüben den Filmgenuss, lassen "Praying Mantis" jedoch immer noch als empfehlenswerten Film zurück.

Tanja Elskamp



DVD | Disc-Anzahl: 1 | Erschienen: 01. August 2006 | FSK: 16 | ISBN: B000GI3L84 | Laufzeit: 89 Minuten | Originaltitel: Le festin de la mante | Preis: 13,99 Euro | Untertitel verfügbar in: Deutsch | Verfügbare Sprachen: Deutsch, Französisch

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