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 König Artus

Die Geschichten von König Artus und den Rittern der Tafelrunde

Autoren: Thomas Malory
Illustratoren: Aubrey Beardsley
Übersetzer: Helmut Findeisen
Verlag: Insel

Cover
Gesamt +++++
Aufmachung
Spannung


Die Artuslegende zählt zu den großen europäischen Mythen. Der berühmte König von Camelot und seine Ritter der Tafelrunde sind Gestalten der Weltliteratur und wurden unzählige Male in Büchern, Gedichten, Theaterstücken, Filmen und anderen Medien verewigt. Bis zum heutigen Tag üben die Namen Artus, Gawain, Lancelot und Merlin einen unglaublichen Reiz aus, und alle paar Jahre steht ein neuer Artus-Roman in den Regalen, der den Mythos aus einer neuen Perspektive beleuchten soll.

Dass König Artus - der vermutlich niemals gelebt hat - zu solch einem Ruhm gelangte, ist vor allem den ersten Chronisten seiner Abenteuer zu verdanken, darunter Geoffrey of Monmouth ("Historia Regum Britanniae", 12. Jahrhundert), Chretien de Troyes (ebenfalls 12. Jahrhundert) und Thomas Malory (15. Jahrhundert). Während die erstgenannten Autoren Artus als die perfekte Verkörperung eines adeligen Herrschers sahen und ihm viele Züge eines hochmittelalterlichen Königs verliehen, modernisierte Malory in seinem voluminösen Artumsroman die Legende, löste sie behutsam von den idealisierten Zügen des hochmittelalterlichen Rittertums (das im 15. Jahrhundert längst verschwunden war) und setzte in seiner Nachdichtung andere Schwerpunkte. So wirkt Malorys Werk weniger theologisch, sondern realistischer und auch politischer. Zugleich ist Malorys Prosadichtung ein erzählerisches Meisterstück: Der Autor verdichtet die Geschichte, erzeugt eine konstant hohe Spannung und spannt einen wahrlich gewaltigen erzählerischen Bogen, von der Zeugung König Artus? durch den machtbesessenen Uther Pendragon über die Einigungskriege des jungen Königs bis hin zur Einberufung der Tafelrunde. Natürlich kennt man all diese Geschichte aus unzähligen Ritterfilmen und Fantasyromanen. Doch gegen die sehr viel ältere, umfassendere Version von Thomas Malory erscheinen diese modernen Fassungen beinahe blass. Der schnörkellose, präzise Stil wirkt erstaunlich modern; man glaubt beinahe, in einem packend geschriebenen Geschichtsbuch zu blättern. Dabei tut sich ein gewaltiges Panorama des frühchristlichen Britanniens vor unseren Augen auf, freilich betrachtet durch die Brille des 15. Jahrhunderts. Und so liest man von Parzifal und dem heiligen Gral (deutlich unkitschiger beschrieben als in modernen Fantasyschinken), von der unglücklichen Liebesbeziehung zwischen Guinevra und Lancelot, und natürlich von Morgan und Merlin, den magischen Gestalten in Artus? Reich, die im Verborgenen ihre Fäden ziehen.

Wer sich für Thomas Malorys Artus-Dichtung interessiert, bekommt mit dem neuen Nachdruck des Insel-Verlags eine exzellente Taschenbuchausgabe: 1100 Seiten stark, illustiert mit wundervollen Holzschnitten des viktorianischen Zeichners Audrey Beardsley und versehen mit einem ausführlichen Nachwort von Walther Martin. Dieses ist zwar nicht mehr ganz auf dem jüngsten Stand - er erwähnt etwa nicht die Artus-Nachdichtungen von John Steinbeck oder Tankred Dorst, geschweige denn Filme wie "Excalibur" von John Boorman oder diverse Fantasyromane -, aber äußerst lesenswert. Abgesehen von diesem unbedeutenden Manko ist die Insel-Ausgabe ein wunderschönes Buch, in der es Spaß macht, zu lesen oder einfach nur zu blättern. Gerade die Illustratonen von Beardsley verleihen dem Roman einen ganz eigenen Zauber.

Wer sich für die Artusepik und Ritterromantik interessiert, kommt an Thomas Malory im Allgemeinen und dieser schönen Ausgabe im Besonderen nicht vorbei.

Hagen Hoffmann



Taschenbuch | Erschienen: 1. Juli 2006 | ISBN: 345834909X | Originaltitel: The Book of King Arthur and His Noble Knights of the Round Table | Preis: 20 Euro | 1102 Seiten | Sprache: Deutsch

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