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 Gregor oder Wohin die Träume tragen

Autoren: Friedrich Ani
Illustratoren: Quint Buchholz
Verlag: Sanssouci

Cover
Gesamt ++---
Anspruch
Aufmachung
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis


Gregor ist ein Pinguin. Doch zum Leidwesen seiner Eltern kein normaler Pinguin. Denn anstatt mit den anderen Schnulzenpinguinen Lieder zu singen, träumt Gregor. Was er noch nicht mal seinen Eltern verraten hat, ist, dass Gregor sogar in Farbe träumt. Seine Träume sind gelbgelb und grüngrün, blaublaublau und manchmal richtig bunt. Er träumt von Wiesen, Sonne und Farben. Ansonsten tut Gregor nichts. Er beteiligt sich an keinem Spiel, hilft nicht, singt nicht, er träumt einfach nur vor sich hin.
Und plötzlich ist er auf einer Wiese an einem Fluss, es ist warm und Menschen kommen auf ihn zu. Er bekommt von den Bayern, die sich über den einsamen Pinguin wundern, sogar eine Maß Bier hingestellt. Doch das Schlimmste steht Gregor und seinen Eltern, ja allen Pinguinen der Kolonie noch bevor. Als Gregor wieder im Schnee steht und seine Familie ihn betrachtet, ist das Entsetzen groß: Gregor hat keinen Frack mehr an, wie alle anderen Pinguine, sondern eine bayrische, dunkelgrüne, weiche Lederhose. Gregor gefällt das neuen Outfit - seine Eltern sind entsetzt.

Dreiundzwanzig Seiten Text, sehr kleine Seiten und breite weiße Ränder und acht Bilder von Quint Buchholz für fast acht Euro. Es braucht knapp fünfzehn Minuten, dann hat man die kleine, kurze und seltsame Geschichte von Gregor, dem träumenden Pinguin, durchgelesen.
Leider weiß man nach dieser Lektüre bis auf die Tatsache, dass Gregor gerne träumt, nicht worauf der Autor hinaus wollte. Warum Pinguine? Warum Bayern? Warum eine Lederhose? Warum eine Maß Bier?
Die dichterische Freiheit ist keine absolute Beliebigkeit des Inhaltes. Es sollte einen wie auch immer gearteten Sinn haben, was da fabuliert und erzählt wird. Leider kommt man in dieser Geschichte nicht hinter den Sinn. Alle Ereignisse sind willkürlich, haben keinen Sinn, passieren einfach und führen zu nichts. Einzig die verbleibende Tatsache, das ein Pinguin gerne träumt, alle anderen Pinguine das jedoch nicht verstehen, bleibt im Raume stehen. Wo ist die Allegorie, wo die "Botschaft", wo der Sinn?
Der Autor Friedrich Ani, der durch hervorragende Kriminalromane und das einmalig schöne "Wie Licht schmeckt" einen ganz ausgezeichneten Ruf als Autor erworben hat, erzählt ein Märchen. Leider. Denn er vermag nicht zu begeistern, nicht zu fesseln, nicht mal besonders gut zu unterhalten. Die Geschichte ist weder poetisch noch federleicht, weder fantasievoll noch originell. Sie ist vor allem einer einzigen, netten Idee geschuldet: Gregor ist ein träumender Pinguin - nicht mehr.
Dieses kleine und sehr kurze Büchlein würde ohne Beachtung und mit niedrigster Bewertung "wegkommen", wenn nicht die Bilder von Quint Buchholz wären. Sie fangen den Grundgedanken des Geschichte gekonnt ein. Die wenigen Bilder treffen den Kern der Geschichte, illustrieren ihn sehr poetisch und in weichen, freundlichen, traumhaft anmutenden Bildern. Das reicht zwar nicht aus, um dieses Buch zu einem Guten zu machen, aber sie mildern das Entsetzen, das eine solche Geschichte von Friedrich Ani stammt, der doch so wundervolle Bücher zu schreiben in der Lage ist.

Fazit: "Gregor oder Wohin die Träume tragen" ist eine wenig überzeugende Geschichte, geadelt mit wunderschönen Bildern - leider zuwenig, um eine Kaufempfehlung zu erhalten.

Stefan Erlemann



Hardcover | Erschienen: 01. August 2006 | ISBN: 3725414203 | Preis: 7,90 Euro | 38 Seiten | Sprache: deutsch

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