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 Chocolat

Autoren: Joanne Harris
Übersetzer: Charlotte Breuer
Verlag: Ullstein

Cover
Gesamt ++++-
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Fastnacht hatte die zwei Fremden nach Lansquenet-sous-Tannes gebracht. Sie sind dem Zug gefolgt und die kleine Anouk und ihr imaginäres Känguru Pantoufle wollen, dass sie und ihre Mutter doch hier bleiben sollten. Gemeinsam machen sie sich daran in dem tristen Städtchen direkt am Kirchplatz einen Laden zu eröffnen - ein Laden für Schokolade.
Für den Pfarrer Reynaud ein wahrer Alptraum: Wer anderes als die Sünde selbst würde es wagen zum Beginn der Fastenzeit eine Schokolaterie zu eröffnen? Und somit beginnt er, einen Kriegszug gegen die Familie Rocher zu führen.
Aber nicht alle sind so traditionell wie Reynaud. Selbst die Hartgesottenen nehmen Vianne und ihre Tochter langsam auf und besuchen auch während der Fastenzeit ihren Laden, sehr zum Ärger des Pfarrers, der sich ihre Naschsucht jeden Sonntag im Beichtstuhl anhören muss. Keine noch so inbrünstige Predigt scheint dieser Sünde - dieser Hexe - Einhalt gebieten zu können.
Und noch schlimmer wird es, als Zigeuner auftauchen. Wäre Vianne nicht, wären sie ja schon längst verschwunden. Aber Vianne und ihre Freunde nehmen die so genannten Flusspiraten freundlich auf und versorgen sie sogar mit Arbeit, wie die alte Diabetikerin Armande.
Allmählich fühlt sich Vianne heimisch, aber dennoch zieht der Wind immer an ihr und will sie in die vielen Städte locken, die sie mit ihrer Mutter besuchen wollte, damals auf der Flucht vor den schwarzen Männern. Aber Vianne will sich ihrem schwarzen Mann stellen und so Leuten wie Josephine ein Vorbild geben.
Wer wird also den Kampf um das kleine Dorf gewinnen, der verkniffene Pfarrer Reynaud oder die warmherzige Viviane? Und kann sie dem Dorf einen neuen farbigen Lebenshauch geben?

Chocolat - schon die alten Mayas wussten um die euphorische Wirkung von Schokolade. Joanne Harris hat eins der faszinierenden Naschwerke zur Hand genommen, um eine Geschichte über Veränderungen zu erzählen. Neues kommt und Altes geht - doch selten ist der Weg von Neuerungen leicht. Ihr Buch erzählt das Schicksal einer Frau, die sich den Unwegsamkeit der Gemütlichkeit stellt und durch ihre freundliche Art neues Leben mit sich bringt. Es geht um Vorurteile und wie schwer es ist sich von diesen zu trennen, da sie durch lange Traditionen wie eingefleischt wurden.

Harris greift damit den frischen Wind auf, der überall zu finden ist und oft sehr viel Durchhaltevermögen zeigt, bis jeder Staub weggeblasen ist. Vor allem zeigt sie auf, dass die besten Menschen nicht die Gläubigsten sein müssen, denn Nächstenliebe muss gelebt, nicht geglaubt werden. Das bringt sie gut rüber, indem sie im Buch aus der Sicht beider Parteien auf die Situation eingeht. Obwohl ganz klar ihr Akzent auf der Seite der Außenseiterin Viviane liegt, welche darum kämpft in der Gesellschaft und der Dorfgemeinschaft aufgenommen zu werden.

Für Lieblinge von feinsten Genüssen ein Muss. Oft läuft einem von den Beschreibungen der Leckereien das Wasser im Mund zusammen. Aber es geht auch um das Menschlichste von allem - das Leben, Erneuerung und den ewigen Kampf zwischen Alt und Neu. Auch gibt es sicher einigen Leuten Mut, die neue Ideen vertreten, und ermutigt sie Durchhaltevermögen an den Tag zu legen - denn kein Weg ist leicht und das Durchhalten unterscheidet den Gewinner vom Verlierer. Dennoch ist Gewalt und Drohung nie ein Mittel, um sich durchzusetzen, sondern Verständnis und Geduld. Harris bringt dieses Bild glaubwürdig rüber und spricht dabei den Leser ganz persönlich durch die Erzählperspektive an.

Sandra Seckler



Taschenbuch | Erschienen: 1. Februar 2001 | ISBN: 978-2844920393 | Preis: 7,95 Euro | 331 Seiten | Sprache: Deutsch

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