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 Kobolde!

Das Bier- und Brezel-Rollenspiel

Autoren: Dan Landis, Chris O'Neill
Illustratoren: John Kovalic
Übersetzer: Rainer Nagel
Verlag: Pegasus Spiele GmbH

Cover
Gesamt ++---
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Leitbarkeit
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Da ist nun also die Super-Delüx-Ausgabe des allseits bekannten Bier- und Brezel-Rollenspiels "Kobolde!". (Die englische Originalversion lautet eigentlich "Kobolds ate my baby" - aber das war sicher zu hart für deutsche Gemüter.) Was, Sie kennen dieses Rollenspiel noch nicht? Dem kann abgeholfen werden.

Grundlage von "Kobolde!" ist die sogenannte BIER-Engine. Das kurze Wort für der Deutschen liebstes Getränk steht als Abkürzung für die Attribute, die ein Rollenspielcharakter in "Kobolde!" erhält: Brutalofaktor, Irrelevantes, Ego und Reflexe. Diese werden ganz simpel mit 2W6 erwürfelt. Dann noch fix aus einer Tabelle fünf von den Attributen abgeleitete Werte (Glück, usw.) sowie noch bis zu sechs Fertigkeiten aussuchen und fertig ist der kleine Kobold. Diesem werden dann (wieder mittels Zufallstabelle) noch je ein Vor- und Nachteil gegeben sowie (wieder tabellarisch) Ausrüstung in die Pfoten gedrückt, und los kann es gehen. Nur dass wir uns bereits auf Seite 20 des nur 48-seitigen Büchleins befinden. Kobold-Magie ist entsetzlich kompliziert und wird am besten erst gar nicht eingesetzt. Daher wird das Thema auch auf zwei Seiten abgehandelt. Natürlich wieder mittels einer Tabelle. Die Spielregeln nehmen bereits wieder etwas mehr Platz ein. Doch erfährt man hier nichts Revolutionäres. Wie wird die Initiative bestimmt, wie wird ein Kampf abgewickelt. Außergewöhnlich wird das Kapitel nur durch lustige Regeln wie der "Gepriesen sei"-Regel. Wann immer der Name des Koboldkönigs Torg fällt, müssen alle sofort "Gepriesen sei König Torg!" brüllen. Diese Art Humor kennt man sicher zur Genüge von diversen Partyspielen. Es ist auch anfangs noch ganz witzig. Spätestens nach einer Stunde nervt es eigentlich nur noch jeden. Aber keiner traut sich das zu sagen. Auf den letzten (14 Seiten) wird dem Bürgermeister -wie der Spielleiter genannt wird - erzählt, wie er das Spiel mit den Kobolden gestalten kann; inklusive eines dreiseitigen Kurzabenteuers. Wobei auch dieser Abschnitt wieder hauptsächlich aus Tabellen und deren Erklärungen besteht.
Worum geht es denn eigentlich? Was ist denn nun so witzig, einen Kobold zu spielen? Sinn (sofern man davon sprechen kann) dieses Rollenspiels ist es, sich mit seinem kleinen Kobold auf die Jagd zu begeben - nach Hühnern, anderen Kobolden und vor allem Menschenbabies. Ja, Sie hören richtig! Es geht darum, Babies zu fangen und dem König der Kobolde zum Fraß vorzuwerfen. Ist doch tierisch komisch. Oder?

Leider hält der Humor sich teilweise in Grenzen. Zunächst ist da das starre System, was eigentlich alteingesessene Systeme persiflieren will, aber genau dieselben Fehler wiederholt. Ereignisse aus Tabellen ablesen zu müssen wird nicht lustiger, nur weil die Tabellen lustig geschrieben sind. Das eingeschränkte Thema ist auch eher hinderlich. Ist es am ersten Spieleabend noch erheiternd, als Kobold durch menschliche Häuser und Hühnerställe zu schleichen und sich platt machen (im wahrsten Sinne des Wortes) zu lassen, wird es mit der Zeit allerdings recht schnell langweilig. Es wiederholt sich einfach alles ständig. Wenn man zum hundertsten Male eine Quittung für einen schrecklichen Koboldtod erhält, gibt¬ís einfach nichts witziges mehr daran. Am besten spielt man "Kobolde!", wenn man sich sowieso schon in aufgelockerter feucht-fröhlicher Stimmung befindet und je nach Laune bereits einige Bierchen getrunken hat. Aber in solch einer Stimmung findet man einfach alles lustig. Auch dieses Spiel. "Kobolde!" erinnert vom Humor her stark an Slapstick, nur eine gehörige Portion geschmackloser, was das Thema betrifft.

Die Idee ist ausgefallen. Die Grafiken von John Kovalic sind ausnahmslos gut gelungen und passen perfekt zu dieser Art Rollenspiel. Dr. Rainer Nagel sorgt für eine ebenso gelungene Übersetzung ins Deutsche. All das sind natürlich Fakten, die für das Buch sprechen. Was jedoch dagegen spricht, ist eindeutig der Preis. Dieser ist für den Arbeitsaufwand, den die Produktion des Buches verursachte, sicher gerechtfertigt. Aber man erhält nur einen geringen Gegenwert dafür. Wer irrwitzigen Spaß mit Rollenspielen haben möchte, kann das auch ohne Regelwerk einfach in einer chaotischen Runde kostenlos haben.

Lars Perner



Hardcover | Erschienen: 01. Oktober 2006 | Originaltitel: Kobolds ate my baby | 48 Seiten | Sprache: ger

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