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 Die Heilerin von Salerno

Autoren: Ina-Marie Cassens
Verlag: Knaur

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Es ist nicht jedem bekannt, dass es im so genannten finsteren Mittelalter durchaus Horte des Lichtes gab, in denen die Menschen gebildet und auch relativ offen waren. Einer dieser Orte war Salerno, in dem auch Frauen die Erlaubnis hatten, ein Medizinstudium zu absolvieren und auch als Ärztin zu praktizieren.
Trota Plaetarius war eine dieser Frauen; sie ist die erste bekannte Ärztin des Mittelalters, von der noch heute Traktate überliefert sind.
Ina-Marie Cassens nun hat um die historische Gestalt der Trota von Salerno eine fiktive Geschichte entwickelt, die sich, wo möglich, an Fakten hält.

Trota, die einen Großteil ihrer Erfahrung in der Frauenheilkunde ihrem ehemaligen Leben im Harem von Messina verdankt, kämpft Tag für Tag um das Wohlergehen der ihr anvertrauten Frauen und auch um die Anerkennung ihrer männlichen Kollegen. Stets muss sie sich doppelt beweisen, da Frauen von jedem Mann als die schwachen und willenlosen Geschöpfe angesehen werden, die sie angeblich seit Evas Sündenfall sind. Immer wieder muss Trota Anfeindungen überstehen, vor allem Costas ist ein starker Widersacher. Als ausgerechnet er das desinfizierende Wundermittel Branntwein entdeckt, packt sie der Neid. Doch schon bald hat sie wichtigere Probleme:
Ihr geliebter Sohn Matthäus hat die Fallsucht, eine Krankheit, gegen die es nur ein Mittel gibt - den geheimnisvollen Theriak, eine opiumhaltige Medizin, deren Inhaltsstoffe in Salerno nicht bekannt sind. Trota grübelt, wie sie ihrem Sohn helfen kann, doch noch bevor sie einen Entschluss gefasst hat, überschlagen sich die Ereignisse.
Trota ist die Leibärztin der Töchter des Herzogs Waimar. Als Sikelgaita, die jüngere, schwanger wird, soll Trota das Kind abtreiben. Doch sie hat als Ärztin den Hippokratischen Eid geschworen - wenn ihre Tat entdeckt wird, muss sie schlimmste Repressalien befürchten und auch das Gerücht, sie würde sich schwarzer Magie bedienen, würde neue Nahrung erhalten.
Und tatsächlich muss Trota bald Salerno verlassen. Ihre Flucht treibt sie fort von Mann und Kind, dafür aber in die Arme des Mannes, den sie liebt: Halifa, der zugleich der Einzige ist, der ihr helfen kann, den Theriak zu finden.

Sehr interessant ist es zu erfahren, wie die Ärzte im Mittelalter zu heilen vermochten, wenn sie von der Kirche nicht unterdrückt wurden. Viele Krankheiten wurden als Strafe von Gott angesehen, wie auch die Schmerzen, die eine Frau bei einer Geburt durchstehen muss. Trota hat es sich zur erklärten Aufgabe gemacht, den Frauen das Leben zu erleichtern und zumindest die schlimmsten Schmerzen lindern zu dürfen. Auch deswegen ist sie manchen Männern in Salerno ein Dorn im Auge. Dieser Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion wird immer wieder aufgezeigt, so dass man auch als Leser der heutigen Zeit nachvollziehen kann, warum das Mittelalter als finster bezeichnet wird.
Immer wieder wird im Roman aus Traktaten berühmter historischer Ärzte wie zum Beispiel Galen zitiert, um zu zeigen, mit welchen Mitteln die Ärzte aus Salerno zu heilen versuchten. Auch in die anderen Bereiche des mittelalterlichen Lebens erhält der Leser Einblick, egal ob Politik, Religion oder der Alltag. So erhält man hier umfassende Informationen über das Mittelalter, nicht nur über den medizinischen Bereich.

Alle Schauplätze und Ereignisse, und von diesen gibt es viele, sind äußerst detailliert beschrieben, man kann sich förmlich die von Palmen gesäumten Strände des Orients vorstellen. Und egal, ob Trota und Halifa nun über ihre unterschiedlichen Glaubensrichtungen sinnieren oder ob sie überfallen werden, immer gelingt es der Autorin, ihre Worte treffend zu wählen.
Der einzige kleine Minuspunkt, der sich an diesem Buch finden lässt, ist, dass hin und wieder kleine Vertipper auftauchen, die aber auch nicht auf das Konto der Autorin gehen. Mal wird aus einem "die" ein "sie"; ähnliche Buchstabenvertauscher bringen den Leser kurz aus dem Lesefluss. Doch wie gesagt, dies mindert das Lesevergnügen nicht.

Ina-Marie Cassens hat hier einen fesselnden Roman veröffentlicht, der dazu einlädt, in die Welt des Mittelalters mit den politischen Ränken und religiösen Vorurteilen einzutauchen und sich zu überzeugen, dass es gar nicht so finster war.

Die historischen Begebenheiten werden von der Autorin in einem kurzen Nachwort erläutert, hier erklärt sie, welche der Charaktere historisch belegt sind und wo sie ein wenig geschummelt hat, um Beziehungen zwischen ihnen einzubringen.

Anja Thiemé



Taschenbuch | Erschienen: 1. Februar 2007 | ISBN: 9783426633380 | Preis: 8,95 Euro | 573 Seiten | Sprache: Deutsch

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