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 Die Chroniken der Nebelkriege, Band 2: Der eisige Schatten


Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


In der Hafenstadt Hammaburg geht der fünfzehnjährige Kai bei dem Däumlingszauberer Magister Eulertin in die Lehre. In einer Zeit, in der die freien Länder der Welt von der finstern Nebelkönigin Morgoya bedroht werden, ist dem gelernten Irrlichtjäger ein hartes Schicksal beschieden. Er ist die letzte Flamme, der einzige noch verbliebene Feuermagier auf Erden - und damit die größte Hoffnung im Kampf mit der machthungrigen Herrscherin von Albion. Der Prophezeiung zufolge wird er bis zuletzt mit der Dunkelheit ringen - und ihr am Ende erliegen. Oder etwa doch nicht? Leider gibt es keinen ausgelernten Zauberer seines Elements mehr, der Kai die Weihe abnehmen könnte, mit der er erst zu einem richtigen Zauberer würde. Doch ganz auf sich allein gestellt, ist der Waisenjunge trotzdem nicht, stehen ihm neben seinem Lehrmeister doch die Gargyle Dystariel, der Seekobold Koggs und allem voran die junge Elfe Fiadora zur Seite, deren Volk auf Albion von Morgoya versklavt wurde und die selbst vor der Nebelkönigin auf der Flucht ist.

Um seiner Freundin, die sich von allen Fi nennen lässt und als Junge ausgibt, eine Freude zu machen, startet Kai in Abwesenheit Magister Eulertins einen zweifelhaften Versuch. Für einen magischen kleinen Wärmkörper, experimentiert er an einer eigentlich für Luftelementare gedachten Beschwörung und ruft dabei versehentlich einen Sulphur herbei - ein alles anderes als harmloses Elementarwesen, das sich auch nichts befehlen lässt. Doch bevor die scheinbar unvermeidbare Katastrophe einen verhängnisvollen Verlauf nehmen kann, erhält der angehende Zauberer eine Botschaft von Feenkönigin Berchtis. Die Herrin des ewigen Sommerlandes ruft die Zauberer und Zauberinnen der noch freien Welt an ihren Tisch. Gemeinsam soll eine Strategie gegen den aufziehenden Schatten gefunden und mit vereinten Kräften die drohende Invasion abgewendet werden. Ein Treffen, bei dem auch zumindest ein Zauberlehrling unbedingt dabei sein sollte.

Doch bevor Kai auch nur Gelegenheit hat, über das magische Konzil nachzudenken, geschweige seine eigene Rolle darin, wird er von der Gegenwart wieder eingeholt. Kaum mit dem Feuerteufelchen fertig geworden, zieht ihn eine andere Katastrophe in ihrem Bann. Das Schiff von Kapitän Asmus, der auf einer diplomatischen Mission im Reich der Nordmänner unterwegs war, wurde in der Bucht von Hammaburg geborgen - überzogen von einer dichten Eisschicht. Die gesamte Mannschaft ist tot und die dafür allem Anschein nach verantwortlichen Frostgeister treiben noch immer ihr Unwesen auf den Planken. Nur mit Mühe gelingt es Kai und seinen Freunden der misslichen Lage Herr zu werden. Doch als die frostigen Ungeheuer besiegt sind und sich der Nebel lichtet, stellt sich heraus, dass es doch noch einen Überlebenden auf dem Wrack gibt: Gilraen, ein Elf aus Albion und Freund von Fi. Obwohl noch immer bewusstlos und offensichtlich in keiner guten Verfassung, scheint der Fremde das Unglück doch an sich gut überstanden zu haben. Aber wie ist das möglich, fragt sich Kai, wenn er nicht vorsätzlich geschont wurde? Wurde der Elf womöglich als Morgoyas Spion nach Hammaburg geschickt, um ihre Feinde zu unterwandern und deren Pläne zunichte zu machen? Fis liebevolle Führsorge für ihren tot geglaubten Gefährten trägt nicht dazu bei, das Misstrauen des jungen Magiers zu besänftigen.

"Der eisige Schatten" ist die heiß ersehnte Fortsetzung eines der besten Fantasy-Romane des Jahres 2006. Mit "Das unendliche Licht" legte der bisher (fast) nur Rollenspielfans bekannte Fantasy-Autor Thomas Finn seines ersten Jugendroman vor - der sich als echtes Juwel des Genres erwies. In einem mittelalterlich angehauchten magischen Deutschland entbrennt einmal mehr der ewige Kampf zwischen Gut und Böse. Wie schon so oft zuvor, aber selten so originell und spannend wie hier, wird ein Waisenjunge in das ganz große Abenteuer verwickelt. Im Kampf mit Ungeheuern, Naturgewalten und einer übermächtigen Bestimmung, muss Finns sympathischer junger Held einen Weg finden, dem Schicksal ein Schnippchen zu schlagen.

Was wie die pflichtschuldige Abarbeitung der Genre-Klischees klingt, ist zu einem atemberaubend spannenden Fantasy-Vergnügen geraten. Ein magisches Abenteuer, das einmal nicht den angelsächsischen Vorbildern huldigt, sondern eine Märchenwelt fast grimm¬íscher Prägung präsentiert - vielleicht mit einem Schuss Hans Christian Andersen. Hexen und Zauberer, Kobolde und Klabauter, Poltergeister, Dschinns, Drachen und Dämonen, Elfen, Zwerge und Däumlinge teilen sich Finns magisches Europa, und sorgten im ersten Band dafür, dass auch nach vierhundert Seiten keine Langeweile aufkam. "Der eisige Schatten" knüpft nun nahtlos an seinen Vorgänger an. Gerade einmal ein paar Monate sind seit den Ereignissen am Ende von "Das unendliche Licht" vergangen, und die Bedrohung durch Morgoya ist akuter denn je. Nutzte Finn im ersten Band noch die Chance den Leser ausführlich in das magische Spiegelbild seiner Wahlheimatstadt Hamburg einzuführen, geht es diesmal in die weite Welt hinaus. Mit viel Fantasie errichtet der Autor seine ganz eigene Märchenwelt, versieht sie mit bekannten Elementen des Genres und fügt einige Neuschöpfungen hinzu.

Nach "Der Funke des Chronos" und "Das unendliche Licht" beweist Thomas Finn erneut, dass er einfach mehr kann. Denn ohne "Das schwarze Auge" oder "Die Gezeitenwelt" herabsetzen zu wollen - die jüngsten Bücher des Autors stellen doch eine gewisse Evolution und Emanzipation gegenüber seinem bisherigen Schaffen dar. Als ob sich Finn, losgelöst von den festen Grenzen des DSA-Kosmos, endlich frei entfalten könnte. Und mehr noch als im ersten Band, macht er hier von dieser Möglichkeit Gebrauch, traut sich über die fiktiven Stadtgrenzen hinaus und erbaut Land für Land, Volk für Volk ein eigenständiges Fantasyreich. Dass Figurenentwicklung und die sich dramatisch zuspitzende Handlung dabei nicht auf der Strecke bleiben, ist dem Autor hoch anzurechnen. Auch die größten Vertreter seiner Zunft verlieren sich allzu oft in ihren eigenen malerischen Landschaften; und versäumen darüber das eigentliche Geschehen voranzutreiben. Finn setzte die Schwerpunkte hingegen genau richtig. Der beginnende Feldzug der Oberschurkin, Kais Beziehung zu Fi und die Geheimnisse um den Elfen Gilraen werden mit großen Geschick ineinander verwoben. Tatsächlich werden in fast rowlingscher Manier zahlreiche Hinweise auf die sich im Gange befindenden Verschwörungen und den eigentlichen neuen Bösewicht gelegt. Wie bei einem guten Krimi werden es die meisten aber dennoch nicht kommen sehen.

Die Aufmachung des zweiten Bandes ist so gelungen wie die des ersten - was in erster Linie dem von Illustrator Peter Gric erneut wunderschön gestalteten Cover zu verdanken ist. Im Inneren warten erneut eine Kurzbiografie, ein Inhaltsverzeichnis, ein weiteres Goethe-Zitat und eine kleine Widmung. Am Ende gibt es diesmal etwas Werbung - auch und vor allem für den Vorgänger "Das unendliche Licht". Zusätzlich noch ein Lesefaden wäre zwar schön gewesen, aber grundsätzlich gibt es am Preis-Leistungs-Verhältnis nichts auszusetzen.

Die würdige Fortsetzung eines großartigen Romans. "Der eisige Schatten" bestätigt Finn als hervorragen Fantasy- und Jugendautor. Wenn seine Trilogie ein ebenso gelungenes Ende findet, wie es nun einen tollen Anfang und eine tolle Mitte hat, werden Kai Mayer und Cornelia Funke es bald mit einer ernsten Konkurrenz zu tun bekommen.

Raphael Zens



Hardcover | Erschienen: 01. März 2007 | ISBN: 9783473352692 | Preis: 16,95 Euro | 505 Seiten | Sprache: Deutsch

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