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 ORK!

Das Rollenspiel

Autoren: Todd Miller
Verlag: Truant Verlag

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Leitbarkeit
Preis - Leistungs - Verhältnis
Um es gleich vorweg sehr deutlich zu sagen:
Spätestens seit dem "Herr der Ringe" (dank der heutigen Filmtechnik auch dem breiten Publikum zugänglich gemacht) wissen wir, dass Orks nicht die plüschigen kleinen Knuddeldinger sind, für die wir sie immer gehalten haben.
ORK! Ist ein Satire-Rollenspiel, und diese Rezension wird auch in etwa den Tonfall in diesem Produkt zu treffen versuchen.
Sensible Seelen und wahnsinnige Kettensägenmörder sollten also an dieser Stelle zu ihrem eigenen Besten lieber eine Rezension zu "Plüsch, Power & Plunder" lesen.
Diese Rezension ist für Leute geschrieben, die sich vorher ein Bild von ORK! machen möchten und die keine Probleme mit Gewalt in Rollenspielen haben.

In ORK! schlüpft man in die Rolle eines jungen Orks, anfänglich Gunk genannt, der seinen Wert erst noch beweisen muss, indem er sich einen Namen verdient. Dies schafft er, indem er für den schlauesten, gerissensten und mächtigsten Mann des Stammes, den Schamanen, eine gefährliche Aufgabe erledigt. In der Regel sind dies Aufgaben, für die man keine vollwertigen Orks oder gar sich selbst in Gefahr bringen will und deshalb das Kanonenfutter aus den Gunkgruben losschickt. SIE!

Wenn Sie Glück haben, gibt der Schamane Ihnen genauere Informationen über die zu erwartenden Gefahren.
Wenn Sie noch mehr Glück haben, gibt er Ihnen sogar ein wenig Ausrüstung mit auf den Weg, die nicht gleich am Ortsausgang kaputt geht.
Wenn Sie Glück haben, werden Sie nicht von einem Ihrer eigenen Mitstreiter bei der ersten Gelegenheit erschlagen, weil Sie die bessere Ausrüstung bekommen haben.
Und wenn Sie großes Glück haben, überleben Sie die Geschichte, kehren erfolgreich heim und bekommen von Ihrem Stamm einen Namen zugewiesen.

Vielleicht hat der Spielleiter aber auch ein Einsehen mit den Spielern und erspart ihnen diesen Einstieg. In diesem Fall kann er sie gleich als erfahrenere Orks ins Rennen schicken. Das wäre dann allerdings unorkische Feigheit vor der Herausforderung und würde einen großen Verlust an Spielspaß mit sich bringen.

Aber egal wie Ihr Spielleiter sich entscheiden wird, auf jeden Fall sollten Sie sich wie ein ganzer Ork benehmen können: Seien Sie laut, aggressiv, grob, furchtbar böse und gemein.
Verdienen Sie sich eine magische Tätowierung oder ein magisches Totem, indem sie über arglose Gartenzwockeldörfer herfallen und andere den Orks verhasste Kreaturen auslöschen.
Machen Sie Ihren Gott Krom Stolz auf sich (oder sorgen Sie zumindest dafür, dass er Sie nicht mehr ganz so sehr hasst) und werden Sie ein berühmter und gefürchteter Ork, der es eines Tages vielleicht sogar bis zum Schamanen bringt.

Zuvor müssen sie jedoch noch eine wichtige Sache in Angriff nehmen:
Die Charaktererschaffung ist denkbar einfach. Man überlegt sich einen Namen und verteilt eine gewisse Punktezahl auf die einzigen vier Attribute. Jeder Ork hat eine Reihe von Fertigkeiten, die direkt auf den Attributen basieren und in denen der Ork ein gewisses Grundkönnen besitzt. Im Zuge der Charaktererschaffung kann der Spieler noch ein paar Punkte auf die von ihm bevorzugten Fertigkeiten verteilen, um den Ork ein wenig individueller zu gestalten. Wenn man gleich als erfahrener Ork loslegt, darf man sich noch eines von vier möglichen Ausrüstungssets aussuchen, und dann ist man eigentlich auch schon bereit für die Orkheit.

Natürlich wird der Ork mit jedem Abenteuer auch ein Stückchen besser. Anders als bei anderen Rollenspielen bekommt der Spieler seine Belohnung sofort. Dies geschieht in Form von OP (Ork-Punkten), die der Gott Krom seinen Untertanen jederzeit zukommen lässt, wenn sie sich besonders orkisch verhalten haben. Diese kann der Ork während des Abenteuers nutzen, um Proben zu seinen Gunsten zu beeinflussen, oder um sie am Ende des Abenteuers zur weiteren Ausbildung der Fertigkeiten zu verwenden. Besonders feiges, weil unorkisches Verhalten, kann dann auch mit Abzug von Orkpunkten und dem Entzug von Kroms Gunst bestraft werden.

Das Fertigkeiten- und Kampfsystem ist sehr schön durchdacht. Sehr schön im Sinne von: Es ist zwar nicht unbedingt fair, aber das ist das Leben ja auch nicht ... dafür sind die Regeln aber leicht verständlich. Anders als bei anderen Rollenspielen, in denen der Spielleiter auf die schwächliche Tugend der Barmherzigkeit zurückgreifen kann indem er Schwierigkeitsgrade festlegt, würfelt der Spieler hier direkt gegen Krom selbst (das übernimmt der Einfachheit halber der Spielleiter ...), wobei Krom eine vorher festgelegte Anzahl von Würfeln zur Verfügung hat. Die Anzahl der Würfel die dem Spieler zur Verfügung stehen, ergeben sich aus der Fertigkeit und dem dazugehörigen Attribut. Würfelt der Spieler besser als Krom, so gilt die Probe als gelungen. Hat hingegen Krom mehr Augen gewürfelt, so lacht er den Ork für seinen lächerlichen Versuch hämisch aus.

Die Spielanleitung ist sehr unterhaltsam geschrieben, und selbst wenn man so schnell keine eigene Ork-Runde auf die Beine stellen kann, kann man doch mit dem Regelwerk sehr viel Spaß haben. Von der orkischen Gesellschaft über die orkische Religion bis hin zur Ork-Magie kann sich der Spielleiter Hintergrundwissen anlesen, was von den Autoren sehr schön mit einer feinen Prise schwarzem Humor gewürzt wurde.

Das Spiel lebt zum großen Teil von hämischer Schadenfreude und Situationskomik, was auch vom Fertigkeitensystem gestützt wird. Man kann der Beste in einer Fertigkeit sein und trotzdem patzen, weil Krom in diesem Augenblick einfach besser gewürfelt hat. Trotzdem wird ein Patzer in den wenigsten Fällen das Ende des Orks bedeuten, sondern höchstens Heiterkeit erzeugen ? in der Regel bei den breit grinsenden Mitspielern.

Der zugehörige Charakterbogen ist zum kopieren im Heft enthalten, lässt sich aber auch im Internet von der Seite des Truant-Verlages herunterladen. Ein paar Abenteuervorschläge erleichtern dem Meister den Einstieg in dieses etwas ungewöhnlichere Spiel.

Ich fand das Regelwerk sehr erheiternd zu lesen. Auf der Rückseite steht extra noch mal in Großbuchstaben SATIRE, und genau das kann man bei ORK! auch erwarten.
Das Spiel ist wohl nichts für ernsthafte Rollenspieler, die ihr Hobby eine Spur zu wichtig nehmen. Einer ein bisschen verrückten und/oder leicht alkoholisierten Runde wird damit aber ganz sicher eine sehr spaßige und kurzweilige Abendunterhaltung geboten.

Das Spiel würde wohl selbst die FSK kalt lassen. Es werden nämlich keine Menschen das Ziel sinnloser Brutalität, sondern man kann lediglich Gartenzwockeln, Stinkstiefeln, Tentakeltypen und anderen phantastischen Kreaturen das Herz herausreißen, ihr Blut trinken und ihre Eingeweide um einen Stock wickeln.

Alles in allem ein gut gelungenes Produkt das mich darauf hoffen lässt, irgendwann mal ein paar bereitwilligen Spielern über den Weg zu laufen.

Holger Ebert



Softcover | Erschienen: 1. Januar 2003 | ISBN: 3926801999 | Preis: 17,95 Euro | 48 Seiten

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