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 Der Nachtmanager


Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton


"Roper ist der schlimmste Mann der Welt"! Dieser Satz von Sofie, der einzigen Frau, die er je geliebt hat, geht Jonathan Pine nicht mehr aus dem Kopf. Und diese Frau hat er an den britischen Geheimdienst verraten. Ihr grausamer Tod lässt Jonathan nicht mehr los. Er sinnt auf Rache. Und Jahre später steht der Mann, der dies alles verursacht hat, vor ihm in der Hotelhalle und lächelt ihn an.
Jonathan, Nachtmanager des Hotel Meister in Zürich, ist dienstbeflissen, ehrlich und immer um das Wohl seiner Gäste besorgt. Auch Roper, vermeintlich Geschäftsmann aus Nassau, und sein Gefolge haben keinen Grund sich über den Bediensteten eines der besten Hotels der Schweiz zu beklagen. Alles wird zu ihrer vollsten Zufriedenheit erledigt, diskret und mit Charme ist Jonathan hinter seiner perfekten Maske nicht zu durchschauen. Aber er trifft die wichtigste Entscheidung seines Lebens, er wird diesen Drogen- und Waffenhändler ins Gefängnis bringen.
Doch niemand kommt dem schlimmsten Mann der Welt zu nahe, niemand erfährt, was er tut und wie er sein immenses Vermögen vermehrt. Auch Jet, seine momentane Geliebte, ahnt nicht im Entferntesten, wem sie zu Willen ist.
Jonathan und eine kleine, verschworene Gruppe britischer Geheimagenten planen das Unmögliche. Sie wollen Jonathan in den innersten Kreis der Getreuen von Roper einschleusen. Um dies zu schaffen, muss Jonathan zum Verbrecher werden, einen lückenlosen, jeder Überprüfung durch Ropers Leute Stand haltenden Lebensweg kreieren und sich letzen Endes als idealer Untergebener förmlich aufdrängen.
Doch Jonathan kommen die Erinnerung an Sofie und die Gegenwart von Jet in dem perfekten Plan in die Quere und er merkt fast zu spät, dass Roper nicht nur der gefährlichste, sondern auch der cleverste Mann der Welt ist.

1993 erschien der sechzehnte Roman von John le Carré. Der Autor weltberühmter Spionagethriller wie "Der Spion, der aus der Kälte kam", "Dame, König, As, Spion", "Die Libelle" und "Der ewige Gärtner" bleibt seinem Genre treu und siedelt auch "The Night Manager" in dem Milieu der Geheimdienste an. Doch in dem 2005 in deutscher Sprache als "Der Nachtmanager" erschienenen Roman liegt das Hauptgewicht nicht auf Agenten- und Spionagetätigkeiten. Vielmehr ist dieses Buch eine psychologische Studie zweier Männer. Eines tragischen Helden, der einsam und chamäleonhaft seinen Platz im Leben sucht, und eines kultivierten, charmanten, lebenshungrigen Gentlemans, der in Wahrheit der schlimmste Drogen- und Waffenhändler der Welt ist.
Die Feindschaft, gleichzeitige Freundschaft und Rivalität zwischen diesen Männern, ihre Motivation und ihre moralischen Wertvorstellungen stehen im Mittelpunkt der Geschehnisse.

Auf den zwei MP3-CDs finden sich mehr als zweihundert Tracks. Leider sind einhundertfünfzig davon furchtbar langweilig. Es kommt nicht die geringste Spannung auf und der eigentliche Agententhriller beginnt erst nach mehr als fünfzehn der zwanzig Stunden. Fast zu spät, um den Gesamteindruck zu retten.
Nicht, dass die Sprache des Autors nicht brillant, eloquent und feinsinnig daherkommt. Nein, unterhaltsam ist seine Art Sätze zu komplizieren, zu verschachteln und mit zahlreichen Metaphern zu versehen durchaus. Auch die Hauptfigur des Nachtmanagers fasziniert ebenso wie die des skrupellosen Charmeurs Roper. Doch der Autor belässt es eben nicht bei der stimmigen Psychostudie, sondern flechtet immer wieder dräuendes Unheil verkündende Sätze ein, suggeriert oft, wie schlimm diese Sache ausgehen wird und deutet zahllose Male an, wie spannend doch die Handlung urplötzlich zu werden im Stand wäre - ohne dies einzulösen. Diese permanenten Andeutungen, die ewigen Zitate, die dem Ende vorgreifen, nerven irgendwann fürchterlich, denn es wird einfach nicht spannend, es passiert einfach nichts und keinerlei Gefahr stellt sich ein.
Der Schluss - immerhin vier bis fünf Stunden Hörbuch - wird zwar tatsächlich dramatisch und kaum auszuhalten spannend, doch der Wunsch, den langen Vorspann auszublenden und zu vergessen, trübt nachhaltig das Geschehen.

Zwar liest Claude-Oliver Rudolph diese endlos lange Geschichte mit Bravour. Doch die fast übertriebene Sanftheit, mit der er Sätze enden lässt, die kaum modulierte Stimme, wenn er in der Gedankenwelt des Jonathan zitiert und uferlos schildert, was zu sehen ist, was angezogen wird, was im Raum steht, liegt, hängt, verstärkt die Langeweile erheblich. Wäre nicht die charakterliche Ausformung der verschiedenen Charaktere durch den bekannten Fernsehschauspieler perfekt, man käme ins Grübeln, warum man diesen "Filmbösewicht vom Dienst" zu dieser Produktion herangezogen hat.
So aber - eingedenk der Tatsache, dass ein Sprecher nur lesen kann, was geschrieben steht - muss man Rudolph großen Respekt zollen. Er setzt absolut gekonnt um, was Le Carré erreichen wollte. Nämlich nicht einen weiteren Agententhriller zu schreiben und vom Hickhack zwischen Agenten und Geheimdiensten zu berichten, sondern die Motivation des Jonathan Pine - eines äußerlich immer um Anpassung bemühten, innerlich aber unbändigen und freien Charakters - einem Menschen gegenüber zustellen, der einfach nur ausnutzt, was ihn umgibt: die Amoral und Gier seiner Mitmenschen.
In diesem Sinn ist "Der Nachtmanager" ein großartiges Hörbuch - nur leider verbirgt sich dies in allzu vielen Sätzen, Floskeln und langatmigen Schilderungen.

Stefan Erlemann



CD | CD-Anzahl: 2 | Erschienen: 01. September 2006 | ISBN: 9783865386816 | Laufzeit: 1260 Minuten | Originaltitel: The Nightmanager | Preis: 12,90 Euro

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