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 Vathek

Autoren: William Beckford
Herausgeber: Jorge Luis Borges
Illustratoren: Bernhard Jäger
Übersetzer: Hans Schiebelhuth
Verlag: Edition Büchergilde

Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Harun Benalmotasim Vatiq Bilah, der neunte Abassiden-Kalif, ist ein außergewöhnlich gebildeter Regent. Er frönt nicht nur allen erdenklichen leiblichen Genüssen, sondern ist auch an jedweder wissenschaftlicher Errungenschaft interessiert. Er hat einen gewaltigen Turm bauen lassen, der ihm dazu dienen soll, die Geheimnisse des Planeten, seiner Völker, ja, des Himmels selbst zu entschlüsseln.
Auch Alkaremi, sein Palast, der über der Hauptstadt Samarah thront, ist voller Wunder. Eigentlich besteht er aus dem alten, von seinem Vater erbauten Teil und fünf eigenständigen Palästen, die der Erforschung aller Sinne dienen. Der erste namens "Das ewige Festmahl" dient den leiblichen Genüssen, der zweite, der "Tempel der Melodie", dient den besten Musikern und Dichtern ihrer Zeit und den ausgewählten Gästen der Erbauung, der dritte, "Die Augenweide", huldigt der Kunst und allem Bildhaften dieser Welt. Der "Palast der Wohlgerüche" ist angefüllt vom Rauch aller nur möglichen Düfte, deren Vathek, wie der Herrscher genannt wird, habhaft werden kann. Der fünfte Palast, die "Zuflucht der Freuden", wird von den ungezählten Frauen des Vathek und den sie bewachenden Eunuchen bewohnt.
Doch all dies genügt dem Herrscher nicht. Er wartet auf einen Fremden, der ihm geweissagt wurde. Dieser öffne ihm die Tore zur wahren Macht, heißt es, einer Macht, die die des Propheten im siebten Himmel übersteigen wird.
Doch der Unbekannte entpuppt sich als Bote der Hölle. Und was er als Gunstbeweis für seinen Gebieter verlangt, ist schrecklicher Blutzoll und ungeahnter Frevel. Doch Vatheks Gier nach dem Neuen, dem Ungesagten, dem Unbekannten ist so groß, dass er dem wahren Propheten abschwört und nur mehr darauf trachtet, dem Willen des Boten und seines Herrn genüge zu tun, um die absolute Macht der Unterwelt zu erlangen.

Der dritte Band der "Bibliothek von Babel", einer berühmt gewordenen Zusammenstellung von Fantasy-Literatur durch den großen Jorge Luis Borges, ist der bekannteste Roman von William Beckford. Der reiche Sohn des Londoner Oberbürgermeisters hat hier, halbbiografisch und seiner "Heldengestalt" Vathek in vielen Charakterzügen nicht unähnlich, einen der einflussreichsten Romane für die Fantasy-Literatur geschrieben. Sein Drama um Gier und Unschuld, Verführung, Macht und Untergang, seine Schilderung der Unterwelt hat zwei Jahrhunderte lang viele Autoren seines Genres nachhaltig beeinflusst.
1783 entstanden, ist es diese bildreiche, fast wie ein Märchen aus "Eintausendundeine Nacht" anmutende, spannende Geschichte auch heute noch Wert, gelesen zu werden. Der brillante Stil Beckfords, sein Hang zu Metaphern, zu blumenreicher Sprache, zu ausufernder Erzähllust, sein dramatischer Bericht eines Verfluchten, ist äußerst lesenswert. Kaum wird man dieses Buch zur Seite legen, kaum eine Pause machen, so fasziniert diese Welt aus Gier, Lug und Trug.

Dank der beindruckenden Umschlagillustration von Bernhard Jäger, die eine bildhafte Umsetzung des übermächtigen Turms ist, den Vathek in der Geschichte erschaffen ließ, um dem Himmel zu trotzen, der erstklassigen Qualität des Einbandes und der kenntnisreichen und interessanten Einleitung von Borges ist dieses Buch eine unbedingte Empfehlung.

Wenn die "Bibliothek von Babel" dieses hohe Niveau hält, gehört sie zu den Meilensteinen der Literatur und sollte - zumindest in Teilen - in jedem Haushalt zu finden sein, der sich auch nur im Entferntesten für Fantasy-Literatur interessiert.

Stefan Erlemann



Hardcover | Erschienen: 01. April 2007 | ISBN: 9783940111036 | Preis: 17,90 Euro | 168 Seiten | Sprache: Deutsch

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