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 Der süße Duft des Todes

Autoren: Guillermo Arriaga
Sprecher: Volker Risch
Übersetzer: Susanna Mende
Verlag: Eins a Medien

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton


Loma Grande, ein mexikanisches Dorf, weit weg von der nächsten Stadt und somit relativ abgeschnitten von der Außenwelt. In einem Feld findet der junge Ramón Castaños die nackte Leiche eines Mädchens. Es ist die fünfzehnjährige Adela, die er nur dem Namen nach und vom flüchtigen Sehen her kennt, und sie wurde offensichtlich brutal erstochen. Mit der Bergung der Leiche und der Aufbahrung in der Dorfschule nimmt das Schicksal seinen Lauf. Erst kommt das Gerücht auf, dass Adela Ramóns Freundin war, dann vervielfältigt sich das Gerücht zum handfesten Dorfklatsch, dann wird es die unumstößliche Wahrheit - eine Wahrheit, der Ramon nichts entgegen zu setzen hat, gleichwohl er nicht Adelas Freund war, und die er hilflos und überfordert akzeptiert, denn insgeheim hat er sich gewünscht, dass das Mädchen seine Freundin wäre.

Der korrupte Polizeichef aus der mehrere Stunden entfernten Stadt, der keinerlei Interesse an der Person Adelas hat, und der überforderte Dorfvorsteher tragen nichts Weiteres zur Aufklärung des Mordes bei, ebenso wie ein Detektiv, der die Spuren sieht und Schlüsse zieht, sie aber nicht öffentlich macht. Und so entwickelt sich aus Gerüchten und Klatsch im Dorf eine weitere Schlussfolgerung: Ein fahrender Händler namens Gitano muss der Mörder sein. Niemand aus der Gemeinschaft will sein Gesicht verlieren, und im Dorf müssen Ruhe und Ordnung wieder hergestellt werden. Und so laufen beide, der falsche ehemalige Geliebte von Adela und der falsche Mörder, in ihr Verderben, das das Dorfkollektiv forciert hat.

Autor Guillermo Arriaga entführt den Hörer in "Der süße Dorf des Todes" nicht in einen klassischen Krimi, sondern in den eigenwilligen Mikrokosmos eines Dorfes, das seine eigenen Mechanismen zur Wiederherstellung der verlorenen Ordnung hat. Es gibt keine eigentliche Krimihandlung, kein "whodunnit", so dass man das Hörbuch eigentlich gar nicht dem Krimigenre zuordnen kann. Es gibt keine Mörderjagd und kein Sammeln und Analysieren von Beweisen, die letztendlich zum wahren Täter führen können - der übrigens im gesamten Verlauf der Geschichte nicht verraten wird. Stattdessen führen menschliche Makel und Missverständnisse fast schnurgerade und unaufhaltsam zur Katastrophe, die man als Hörer eigentlich fast von Anfang an mit einem unguten Gefühl erwartet hat. So zwingend ergeben sich hier die Mechanismen von Schuld und Sühne, dass man sich beinahe an eine klassische Tragödie erinnert fühlt, an dessen Ende zwangsläufig der Tod stehen muss.

Vorgetragen wird die Geschichte von Volker Risch. "Der süße Duft des Todes" ist nicht ausufernd kompliziert, aber auch kein leichter Stoff, und Risch schafft es wunderbar, die Lesung ruhig, klar und verständlich herüberzubringen. Unterstützt wird er dabei von der klaren Sprache des Autors, der das beengte Dorf in der Hitze Mexikos vor den Augen des Zuhörers plastisch auferstehen lässt. Trotz aller Tragik schleicht sich bisweilen etwas verzweifelte Komik in die Lesung, etwa wenn die Dorfbewohner beschließen, die Leiche zunächst zu konservieren und dann Desinfektionsmittel, Rum und puren Alkohol mischen und dies der toten Adela injizieren.

Eine bittere Geschichte, die durch die teils komischen Momente ausbalanciert wird. Kein Krimi, der den Leser klassisch auf eine Fährte lockt und am Ende den Täter präsentiert, sondern eher das schnörkellos geschilderte Protokoll eines menschlichen Dramas. Bisher kein bekanntes (Hör)Buch, aber eines, das Beachtung verdient.

Christina Liebeck



CD | CD-Anzahl: 5 | Erschienen: 01. Januar 2007 | ISBN: 9783936337495 | Laufzeit: 320 Minuten | Originaltitel: Un dulce olor a muerte | Preis: 24,80 Euro

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