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 Rampenfieber


Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Robert ist auf dem besten Weg ein bekannter und geschätzter Comedian zu werden und schon bald, davon ist er felsenfest überzeugt, wird er zur besten Sendezeit die deutsche Fernsehlandschaft mit seinen außergewöhnlichen Pointen begeistern. Bis es soweit ist, freut er sich jedoch auch über zehn Besucher bei einer Live-Show, umso besser wenn wenigsten zwei davon bezahlen. Wenn der unentdeckte Weltstar sich nicht gerade vor den wenigen Gästen blamiert, geht er einer geregelten Arbeit nach. Als Warm-Upper bei einer Talkshow animiert er die Studiogäste dazu, an den richtigen Stellen zu klatschen und Emotionen zu zeigen. Langsam aber sicher reift die Erkenntnis in ihm, dass es ein steiniger Weg zum Erfolg ist, um so folgenschwerer wirkt sich die Bekanntschaft mit der engagierten Studentin Karin auf seine Erfolgspläne aus ...

Der Debütroman des Kabarettisten Sebastian Schnoy erweckt über weite Strecken den Eindruck biographisch zu sein, gelegentlich liest man etwas viel Hintergrundwissen heraus. Die annähernd zweihundert Seiten sind mit einer leicht zu lesenden und in recht kurze Kapitel gegliederten Geschichte gefüllt. Der Protagonist ist ein Tolpatsch vor dem Herrn und nimmt beinahe jedes Fettnäpfchen mit, doch bleibt sein Handeln für den Leser meistens nur schwer nachvollziehbar. Die Geschichte plätschert munter vor sich hin und die angenehm kurzen Kapitel fördern das zügige Lesen der Geschichte. Nachdem die Handlung dann in Fahrt gekommen ist, merkt der Leser schnell, dass so manche Pointe nicht nach Plan zündet und ganz große Lacher auch vergeblich gesucht werden. Die Alltagsbeschreibungen hingegen sind sehr gelungen, hier merkt man dem Roman wieder sehr viel Herzblut an. Die handelnden Charaktere sind relativ beliebig und, abgesehen vom tollpatschigen Möchtegern Comedian, auch sehr austauschbar. Der prollige Talkmaster und die Ökostudentin können dem Leser allenfalls ein leichtes Schmunzeln abringen. Die Dialoge sind nur selten mit Aussagen oder nicht völlig trivialem Inhalt verbunden und erwecken häufig den Anschein nur einen Zweck zu erfüllen: den nächsten Gag einzuleiten.

"Rampenfieber" ist noch nicht der ganz große Wurf und krankt ein wenig an den unfertigen und sehr stereotypen Charakteren. Teilweise sehr akribische Umweltbetrachtungen, selten tiefer gehende Gedankengänge und ein übermäßig von sich eingenommener Protagonist lockern das Erzählte zwar auf, allerdings bleibt die Handlung nur mäßig spannend und hinterlässt einen faden Beigeschmack.
Fans von Sebastian Schnoy dürfen trotzdem einen Blick riskieren und wem der Sinn danach steht, mehr über die scheinheilige Fernsehlandschaft zu erfahren, der kommt mit diesem Buch auch auf seine Kosten.

Ralf Strohbach



Taschenbuch | Erschienen: 01. Januar 2006 | ISBN: 9783938625217 | Preis: 9,90 Euro | 200 Seiten | Sprache: Deutsch

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