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 Das wahre Kreuz

Autoren: Jörg Kastner
Sprecher: Bodo Primus
Verlag: Lagato Verlag

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton


Bastien Topart hat das Glück, Napoleon auf dessen Feldzug nach Ägypten begleiten zu dürfen. Bekanntlich zog der Korse nicht nur mit Soldaten in das Land der Pyramiden, sondern nahm auch Wissenschaftler verschiedener Disziplinen sowie Künstler mit, welche die Schönheit des Landes sowie dessen Wunder für die Menschen in Europa festhalten sollten. Wer im ausgehenden 18. Jahrhundert hatte je die Pyramiden gesehen, oder aber einen altägyptischen Tempel von innen? Nicht einmal die Ägypter selbst waren sich in jener Zeit ihrer Schätze bewusst, denn vieles war seit Jahrhunderten von Sand bedeckt.
Jenen im von Napoleon eroberten Europa die Pracht eines untergegangenen Reiches nahe zu bringen, ist unter anderem die Aufgabe von Bastien, auch wenn er nicht der beste Zeichner Frankreichs ist und von daher eigentlich nicht an diesem Unternehmen hätte teilnehmen können. Auch nicht als Soldat, da er aufgrund einer Kopfverletzung in der Kindheit für untauglich erklärt wurde, in der stolzen Armee zu dienen.
Doch sein Onkel Jean, ein angesehener Archäologe, lässt seine Beziehungen spielen, und so findet sich Bastien eines Tages in Begleitung seines Onkels und einer Einheit Soldaten vor einem fast verschütteten Tempel wieder, den es zu erforschen gilt.
Nachdem sie den Eingang freigelegt und in die Katakomben vorgedrungen sind, finden sie nicht nur hübsche Wandzeichnungen, sondern werden auch von Schreien und fremd klingenden Worten in einen Raum gelockt. Dort sehen sie, dass mehrere wie Ritter gekleidete Männer eine auf einem Altar festgebundene Frau opfern wollen. Mit vereinten Kräften gelingt es ihnen, die Fremde zu retten und die Ritter in die Flucht zu schlagen. Bastien, jung und unerfahren, verliebt sich Hals über Kopf in die Frau, die zum einen über seltsame Heilkräfte verfügt, zum anderen kein Wort spricht.
Doch damit fangen die Merkwürdigkeiten erst an, denn zurück in Kairo befallen Bastien seltsame Träume, in denen er sich selbst als Ritter sieht und eben jene Fremde beschützen muss, zu der er sich so hingezogen fühlt. Nur langsam begreift er, was seine Träume zu bedeuten haben und welche Abenteuer ihm ins Haus stehen ...

Vor allem die christliche Religion hat einen Vorteil - sie ist vollgestopft mit Mythen, Texten und Reliquien, um die Autoren spannende Geschichten stricken können. Sie haben dabei wahlweise die Möglichkeit, tief in den Glauben einzutauchen und ihm neue Facetten abzugewinnen, um den Christen geistige Nahrung zu verschaffen, oder aber - und dies ist in den letzten Jahren überwiegend geschehen - sie entmystifizieren den Glauben, geben bestimmten, alt bekannten Reliquien eine neue Bedeutung und prangern quasi im Vorbeigehen die katholische Kirche an. Das prominenteste Beispiel hierfür ist sicherlich "Sakrileg", denn Dan Brown deutet den Heiligen Gral völlig um.
Auch Jörg Kastner bedient sich aus der Reliquienkiste, nimmt sich jedoch ein Stück daraus vor, das ein paar Meter größer ist als der Gral: das Kreuz Christi. Jenes Kreuz also, an dem Jesus sein Leben ließ.
Von jeher war dieses Artefakt für die Christen von größter Bedeutung. Schon die Kreuzritter wussten Splitter des Kreuzes zu schätzen, wurden dem Holz, das Jesu Blut auffing, doch magische Fähigkeiten zugesprochen.
Kastner verlegt die Geschichte um das Kreuz nach Ägypten und strickt um das Grundthema seine Story. Dabei wird nicht klar, ob es sich bei "Das Wahre Kreuz" nun um Abenteuer, Historie oder Mystery handelt, da all diese Elemente mehr oder weniger zu einem großen Eintopf verkocht wurden. Solch eine Mahlzeit kann durchaus schmackhaft sein, und wirklich finden sich in dem Werk auch köstliche Brocken. Leider schwimmen dazwischen jedoch auch Happen, die man weniger gerne isst.
So wirken manche Szenen gewollt, wie etwa die Liebesgeschichte zwischen Bastien und der Fremden. Auch kann die Sprache nicht immer voll überzeugen. Kastner bemüht sich zwar, sie der Epoche - das ausgehende 18. Jahrhundert - anzupassen, trifft aber nicht immer den Punkt, an dem es zu viel, zu hochtrabend wird. Über die Idee, die Geschichte des Kreuzes nach Ägypten zu verlegen, um so Napoleon ins Spiel zu bringen, kann man sicherlich geteilter Meinung sein. Es ist letztlich aus sich selbst heraus schlüssig, was nicht unbedingt die beste, aber sicher auch nicht die schlechteste Lösung ist.
Dem gegenüber steht eine spannende Story, die sich rasch entwickelt und mit einigen recht deutlichen Kampfszenen aufwartet. Richtig also für all jene, die sich nicht bei drei Tropfen Blut abwenden. Auch gelingt es dem Autor, verschiedene Handlungsstränge seiner Story geschickt zu verweben. Ebenfalls schaffte es Jörg Kastner, ein noch heute aktuelles Thema aufzugreifen, ohne jedoch den Zeigefinger zu erheben. Glaubenskriege, Fanatismus und Morde im Namen einer Religion sind schließlich selbst im Jahr 2007 keine Seltenheit.
Bodo Primus, Leser dieses Werks, macht seine Arbeit sehr gut. Seine Stimme trägt die Story, das von ihm eingebrachte Gefühl untermalt die Szenen. Einzig die Dialoge hätten hin und wieder ein wenig mehr Abwechslung vertragen.
Technisch fiel auf, dass sich das Hörbuch auf einem PC selbst unter verschiedenen Betriebssystemen nicht korrekt abspielen ließ; die Wiedergabe brach sowohl unter Mandriva Linux als auch unter Windows XP an verschiedenen Stellen ab. Ein Kopierschutz, der das Abspielen auf dem PC verhindern soll, ist nicht ausgewiesen. Eingelegt in den CD-Player der Stereoanlage lief das Hörbuch klaglos.

Fazit: Solide Unterhaltung mit Schwächen. Kann man über sie hinweg sehen, wird man 473 Minuten gut unterhalten.

Gunter Arentzen



CD | CD-Anzahl: 6 | Erschienen: 01. März 2007 | ISBN: 9783938046616 | Laufzeit: 473 Minuten | Preis: 24,90 Euro

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