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 Die Hexen-Trilogie

"Die Hexe", "Der Hexen-Anwalt" und "Das Kölner Tribunal"

Autoren: Wolfgang Lohmeyer
Verlag: Area

Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Erstmals in einem Band vereint (und das zu einem erstaunlich niedrigem Preis) findet der Leser hier die historisch gut recherchierte, aber dennoch ungemein spannende "Hexen-Trilogie", welche die Romane "Die Hexe", "Der Hexen-Anwalt" und "Das Kölner Tribunal" umfasst.

Alle drei Romane bauen chronologisch aufeinander auf, daher sei hier nicht zu viel von der Handlung verraten und ist die Rezension etwas unorthodox strukturiert. Der erste Band beginnt während des dreißigjährigen Krieges, Deutschland ist gespalten, die katholische Kirche und die neue lutherische Kirche sind mal mehr, mal weniger, offen im Krieg. Noch ist die Macht der Kirche groß, Politik und Kirche sind eng verbandelt, doch trotzdem, beziehungsweise gleichzeitig, verteidigen viele staatlichen Einrichtungen (gerade die freien Reichsstädte) tapfer ihre neu erworbenen Rechte gegen den Klerus. Das Land besteht immer noch aus unzähligen Klein- und Kleinststaaten, die oft genug untereinander im Streit liegen. Man ist weit entfernt von einem Zentralstaat und einem einheitlichen Recht. Die ideale Brutstätte also für Intrigen, Verschwörungen und Klüngel, wobei für letzteren sinnbildlich Köln stehen kann.

Und im katholischen Köln beginnt auch die Geschichte um den Jesuitenpater Friedrich Spee. Der muss mit ansehen, wie Köln nach langer Zeit wieder dem Hexenwahn erliegt. Die Postmeisterin Katharina Henot wird der Hexerei angeklagt und in Haft genommen, bald kommt es zur Folter und zur Verhandlung. Spee glaubt anfänglich noch, an gerechte Richter und die Intelligenz der Obrigkeit. Aber im unglaublich verwickelten kölschem Klüngel zählt ein Menschenleben wenig, aber Macht, Intrigen und Einfluss dafür viel. Ungünstigerweise steht die Postmeisterin zusätzlich in Konkurrenz zum Grafen Taxis, der den größten Teil des Postwesens übertragen bekam und dessen Statthalter in Köln der einflussreiche Postmeister Coesfeld ist. Kann Spee die schöne Postmeisterin retten oder wird sie den Flammentod sterben?

"Die Hexe" ist ein spannender, ein schockierender und ein trauriger Auftakt der Trilogie. Sehr gut und im altertümlichen, aber passenden und gut lesbaren Deutsch schildert Lohmeyer nicht nur ein Frauenschicksal und die Geschichte von Spee, sondern führt anhand des Klüngels, die Nachteile der Kleinstaaterei und der dutzenden verschiedenen Rechtsauffassungen in Deutschland, vor. Ist Spee anfänglich ein strammer Jesuit, muss er doch im Verlauf der Anklage gegen die Postmeisterin Henot die wahren Gründe für den mörderischen Hexenwahn erkennen: Frauenhass, Lüsternheit und Brutalität. Tapfer erklärt er sich zum Anwalt der vermeintlichen Hexe, etwas, was in Hexenprozessen eigentlich nicht vorgesehen ist. Wofür auch, es gibt ja die Folter und die Hexenprüfungen ?

Da alle drei Romane eine Einheit bilden, ist es sehr schön, sie hier gesammelt in einem Band zu bekommen, wenn auch über 1200 Seiten historischer Roman erst einmal gelesen sein wollen. Der großen Seitenzahl ist wahrscheinlich auch das etwas arg dünne Papier geschuldet. Dafür konnten keine Rechtschreib- oder Satzfehler beim Lesen festgestellt werden.

Wer ein anschauliches und ehrliches Bild der damaligen Zeit haben will, dem ist die Trilogie zu empfehlen. Wer aber die Geschichte von Friedrich Spee, dem späteren Autoren der Cautio Criminalis kennen lernen will und eine schonungslose und realistische Darstellung der Hexenverfolgung, dem damaligen Kleingeist und Aberglaube lesen möchte, für den ist die "Hexen-Trilogie" eigentlich Pflicht. Selten waren schöpferischer Autorengeist, historischer Anspruch und gute, spannende und lesbare Unterhaltung so im Einklang.

Friedrich Spee ist einer der bekanntesten Gegner der Hexenverfolgung und hat mit seiner Schrift "Cautio Criminalis oder Rechtliche Bedenken wegen der Hexenprozesse" sich gegen die Obrigkeit und sogar gegen seine Mitbrüder gestellt und auf das Elend der Hexenverfolgung in der frühen Neuzeit hingewiesen. Er ist ein Held, wenn auch kein herkömmlicher und einer, dem man in Deutschland keine Denkmäler setzt ?

Abschließend noch ein paar Worte zu "Der Hexenanwalt" (weiter lesen auf eigene Gefahr):
Nachdem Friedrich Spee mit ansehen musste, wie eine in seinen Augen unschuldige Frau der Hexerei angeklagt und hingerichtet wird, erhebt sich der Jesuit und spricht die Zweifel gegen die Hexenverbrennung, in seinem Orden, an. Daraufhin wird er nach Peine versetzt, um in dem evangelisch geworden Landstrich die Menschen wieder für die katholische Kirche zu gewinnen. Dabei werden die Menschen jedoch von oben herab gezwungen, ihr Hab und Gut aufzugeben oder ihren Glauben zu bekennen. Obwohl Spee ein hervorragender Pater und Mensch ist und viele der ihm anvertrauten Menschen wirklich den Glauben an die katholische Kirche wieder gewinnen, spielen einige den "rechten" Glauben auch nur vor, um bleiben zu können und nicht ihr Eigentum und Heim zu verlieren.

Als bekannt wird, dass in einer anderen Stadt ein lutherischer Priester hingerichtet wurde, kommt es zum Aufstand und die Menschen aus den umliegenden Gegenden drängen nach Peine. Dabei wird Spee zuerst davon abgehalten, den Gottesdienst zu halten und als er zu einer anderen Gemeinde reitet, wird er schwer verletzt. Seine Schädeldecke wird gespalten und nur durch die aufopfernde Fürsorge seiner Gemeinde, kann er noch lebend nach Peine zurückkehren, wo ein gelehrter Arzt sich seiner Wunden annimmt. Doch kommt diese Hilfe noch rechtzeitig?

Auch dieses Buch ist spannend und abwechslungsreich geschrieben. Es beinhaltet die verschiedenen, entscheidenden Etappen des Friedrich Spee ebenso wie die Entwicklung der "Cautio Criminalis". Natürlich sind die Einzelschicksale nicht unbedingt geschichtlich beweisbar, doch Wolfgang Lohmeyer hat eine Welt geschaffen, deren Schicksale dem damaligen Zeitgeist sehr nahe kommen, sodass man sich vorstellen könnte, dass wirklich alles so geschehen ist.

Den Abschluss findet die Trilogie dann in "Das Kölner Tribunal", in dem Spee vor Gericht steht und seine Überzeugungen verteidigen muss. Kann er das erfolgreich bewerkstelligen? Oder wird auch er den Flammen zum Opfer fallen?

Bernd Wachsmann



Hardcover | Erschienen: 1. September 2005 | ISBN: 3899962710 | Preis: 7,95 Euro | 1244 Seiten | Sprache: deutsch

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