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 Die Kathedrale des Meeres

Autoren: Ildefonso Falcones
Übersetzer: Lisa Grüneisen
Verlag: Scherz

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Katalonien im 14. Jahrhundert: Als Bernats Frau von seinem Lehnsherrn vergewaltigt, ihm seine Frau und der gemeinsame Sohn entrissen und der Säugling fast getötet wird, verlässt der Bauer das Land, das ihm sein Vater vererbte, und flüchtet mit seinem Sohn Arnau nach Barcelona. Dort will er nicht nur untertauchen, die Stadt verheißt auch Freiheit für ihn und seinen Sohn - denn wer ein Jahr und einen Tag lang dort arbeitet, dem wird die Freiheit geschenkt. Für diese Sache nimmt Bernat viele Opfer auf sich. Im Haus seines Schwagers, der ein wohlhabender und einflussreicher Töpfermeister ist, finden er und sein Sohn Unterschlupf. Als das Jahr und der Tag verstrichen sind, arbeitet Bernat trotz aller Widrigkeiten und Anfeindungen weiterhin für den mürrischen Schwager, denn dieser hat Arnau eine Lehrstelle versprochen, sobald dieser alt genug ist.

Arnau wächst derweil zum Jungen heran. Häufig fragt er den Vater nach dem Verbleib seiner Mutter, doch Bernat lügt und erzählt, dass die Mutter bei der Geburt verstorben sei. Er könne jedoch mit der heiligen Jungfrau Maria, der Schutzheiligen des Meeres, sprechen, denn auch sie sei seine Mutter. Arnaus Zutrauen zur heiligen Jungfrau wächst beständig, und mit Begeisterung verfolgt er in Barcelona den Bau der Kathedrale Santa María del Mar, die die prächtigste Kathedrale der Welt werden soll, wenn sie einst vollendet ist.
Arme und reiche Bürger Barcelonas sind gemeinsam an dem Bau der prächtigen Kathedrale zu Ehren der Jungfrau Maria beteiligt - die Reichen steuern Geld bei, die Armen ihre Arbeitskraft. So wird auch Arnau zum Diener der größeren Sache und schleppt als Bastaix, als Lastenträger, Steine für die Baustelle heran. Doch Arnaus Leben hält auch eine Menge Schicksalsschläge bereit: Durch die Jahre muss er erfahren, dass die armen Leute stets nur die Diener des Adels sind und von ihm ausgebeutet werden. Doch Stück für Stück arbeitet Arnau sich nach oben ...

"Die Kathedrale des Meeres" wurde in Spanien millionenfach verkauft und ist auch in anderen Ländern ein Erfolg. Natürlich musste sich der Autor Ildefonso Falcones häufige Vergleiche mit Ken Folletts Werk "Die Säulen der Erde" gefallen lassen, schon allein weil es um den Bau einer Kathedrale geht. Dennoch geht es hier um etwas anderes.
Mit vielen historischen Details beschreibt Falcones das Leben der einfachen Leute im Katalonien des 14. Jahrhunderts, den andauernden Klassenkampf - und natürlich den Bau des Gotteshauses Santa María del Mar, das nach 55 Jahren Bauzeit im Jahr 1384 vollendet wurde. Die Kathedrale gilt heute als herausragendes Beispiel katalanischer Gotik; die Lastenträger von La Ribera, von denen der Autor im Buch berichtet, sind auf dem Hauptportal verewigt.
Der brutale Beginn des Romans ist aufwühlend, empörend und mitreißend, er zwingt den Leser, immer weiterzublättern. Dieser Teil des Romans, in dem von Bernats Freiheitskampf und Arnaus Kindheit erzählt wird, ist insgesamt der beste des Buches - spannend, traurig und realistisch. Die Geschichte des erwachsenen Arnau vermag nicht mehr so deutlich zu fesseln. War der junge Arnau mit seinem aufopferungsvollen Vater noch voller Farbe, lebendig und außergewöhnlich, so ist der erwachsene Arnau nicht mehr ganz so überzeugend - etwa, wenn er in den Krieg zieht, das wirkt merkwürdig leidenschaftslos.

Dem Autor ist die Verquickung von Fiktion und historischen Fakten nicht an jeder Stelle unterhaltsam gelungen; oft wirkt es, als würden einzelne Abschnitte, gerade wenn Falcones in Schwung ist, ziemlich abrupt unterbrochen, um langwierige Passagen mit historischen Erklärungen einzuflechten. Auch wirken manche Handlungsteile - vor allem für Viel-Leser historischer Romane - zu altbekannt und klischeehaft. Da sind natürlich die Schicksale der rechtlosen Frauen, die meistens irgendwo als Hure enden oder denen sonst wie Unrecht angetan wird - und die einem bei allem Mitgefühl und allem Realismus irgendwann zum Halse raushängen -, da ist die Begegnung mit einem Juden, die zum Abbau von Vorurteilen führt, da ist die Pestepidemie, die die Hälfte der Bürger dahinrafft. Dennoch ist "Die Kathedrale des Meeres" ein gut geschriebener und gut recherchierter Historienroman, der die meisten seines Genres deutlich übertrifft. Der allerletzte geniale Funke, der das Buch einzigartig machen würde, fehlt bei allem Lob, das der Autor erhalten hat, dennoch.

Christina Liebeck



Hardcover | Erschienen: 01. Dezember 2007 | ISBN: 9783502100973 | Originaltitel: La Catedral del Mar | Preis: 19,95 Euro | 656 Seiten | Sprache: Deutsch

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