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 New York Times Bestseller Autoren: Liebesmärchen in New York


Cover
Gesamt ++---
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Hester lebt seit Jahren nur für ihren Sohn Radley. Nachdem dessen leiblicher Vater sich aus dem Staub gemacht hat, musste sie lange Zeit schwer arbeiten, um überhaupt etwas zu essen für ihren Sohn und sich zu haben; jetzt endlich bietet sich Hester die Gelegenheit, in einer verantwortungsvollen Position genügend Geld zu verdienen. Sie zieht um und begegnet Mitch. Mitch wohnt im selben Haus. Von Beruf ist er Comiczeichner. Ansonsten scheint er vor allem ein Lebenskünstler zu sein.
Radley ist sofort begeistert; denn Radley liebt Commander Zark, den Helden seines Lieblingscomics, und zufällig ist es Mitch, der Commander Zark zeichnet. Hester ist weniger begeistert. Mitch ist zwar auf der einen Seite sehr freundlich, und kümmert sich liebevoll um ihren Sohn, doch er bringt auch ihr Gefühlsleben, das sie so lange eingefroren hatte, gehörig durcheinander. Fragt sich nur noch: kriegen sich die beiden?

Dieses Buch gehört zu jener Sorte von Literatur, bei der man am Anfang weiß, wie sie ausgeht. Um daran keinen Zweifel zu lassen, werden nur drei Personen eingeführt. Gut, hier und da tauchen auch mal andere Menschen auf, aber sie spielen keine große Rolle in der Entwicklung. Und was heißt Entwicklung? Letztes Endes besteht die Geschichte daraus, dass beide zögern, dann doch wieder nicht zögern, dann wieder zögern, und dann doch nicht, und so weiter. Naja, irgendwann endet das Buch. Da es sich um ein Liebesmärchen handelt, wird es wohl ein Happy-End gewesen sein.
Eines aber kann man Nora Roberts bescheinigen: Das grundlegende Handwerk versteht sie, und so ist dieses Buch nicht die schiere Qual, sondern ganz angenehm zu lesen. Nur die Szenen, in denen es zum Geschlechtsverkehr zwischen den beiden kommt, überstürzen sich in schwülstigen Metaphern: Während die beiden einen Rausch erleben, ergeht sich die Sprache in Blähungen.
Sieht man von den beiden Hauptfiguren ab, punktet auch die Darstellung des Radley, der neben den beiden Erwachsenen wie ein echter Mensch aus Fleisch und Blut daherkommt.
Vermutlich ist das englische Original einen Tick witziger. Im Englischen heißt das Buch "Local Hero", gemeint ist damit Mitch. Dem steht als Kontrast sein Commander Zark entgegen, der ein Global Hero ist. Hier kreuzen sich Fäden, die man mit Mühe zusammenlesen kann, und die eine hübsche Ironie hätten ergeben können. Entweder aber hat die Autorin sie verspielt oder die Übersetzerin.
Wie auch immer: seichte Unterhaltung ohne Tiefgang mit schablonenhaften Charakteren. Es wird mit zu wenig Figuren zu wenig erzählt. Das Singledasein hat den Roman erobert, halberotisches Zaudern ist sein hervorstechendstes Stilmittel.

Frederik Weitz



Taschenbuch | Erschienen: 01. Februar 2008 | ISBN: 9783899414073 | Originaltitel: Local Hero | Preis: 7,95 Euro | 300 Seiten | Sprache: Deutsch

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