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 Mondscheintarif


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton


An einem durchschnittlichen Samstagabend gibt es tausendundeine Idee, was man unternehmen und wo man hingehen könnte. Nicht so für Cora Hübsch, 33 Jahre alt und Fotografin für einen Möbelkatalog: Statt auszugehen sitzt sie vor dem Telefon, wartet sehnsüchtig auf einen ganz bestimmten Anruf und macht sich zwischenzeitlich so ihre Gedanken - zu ihrem Leben und natürlich ganz speziell zu den Männern in diesem Leben. Keinesfalls will Cora die allerallerwichtigste Regel für alle Dates brechen - nämlich ihn zuerst anrufen. Und hat man überhaupt einen Anspruch auf einen Anruf, wenn es nur einen One Night Stand gegeben hat? Wann genau fängt eigentlich der Samstagabend an, und um wieviel Uhr ruft jemand an, der sich vage "am Samstagabend" melden wollte? Also sitzt Cora da und wartet. Und wartet. Und wartet. Und während die Zeit verstreicht, sinniert Cora über alles Mögliche nach und plaudert dabei aus dem typischen Leben einer Single-Frau in den Mittdreißigern.

Mit "Mondscheintarif" landete Autorin Ildikó von Kürthy 1999 einen Riesenerfolg. Das gleichnamige Hörbuch hat sie für den Argon Verlag selbst eingelesen. Das hätte durchaus in die Hose gehen können - nicht selten merkt man Autorenlesungen deutlich an, dass die Autoren zwar gut schreiben, aber keinesfalls gut vorlesen können. Ildikó von Kürthy liest aber sehr passend, mit unaufgeregter, leicht mädchenhafter Stimme und lakonischem Humor nach Bridget-Jones-Art, der sehr gut zur Protagonistin passt. Natürlich sitzen bei dieser Lesung auch die Pointen, denn von Kürthy weiß ja ganz genau, wo etwas eher witzig oder eher verzweifelt klingen soll.
Frauenromane, die sich mit den gängigen Klischees des Frauendaseins auf witzige Weise beschäftigen, gibt es wie Sand am Meer - da braucht man nur mal in eine Buchhandlung zu gehen, wo sich ganze Thementische unter der Last der "Frauenbücher" biegen. Das Schicksal der meisten dieser Romane ist es dann auch, äußerst schnell wieder in Vergessenheit zu geraten. Im günstigsten Fall sind die Erzählungen belanglos, aber witzig und unterhaltsam - super geeignet als Urlaubslektüre oder für die Badewanne -, im schlimmsten Fall unsäglich peinlich und blöde.

"Mondscheintarif" gehört zum Glück eindeutig nicht die letztere Kategorie und geht über die erste noch hinaus. Die Lesung bietet nicht nur ein äußerst kurzweiliges Vergnügen und lässt frau immer wieder ein "genauso isses!" im Geiste ausrufen, sondern gehört insgesamt zu den besseren Frauenbüchern. Okay, die Sorgen und Nöte moderner junger Frauen, die sich mit Männern, ihren Oberschenkeln und der Wahl des richtigen Outfits plagen, haben wir schon oft genug gehört. Zum Beispiel in wahnsinnig charmanter Form in Helden Fieldings "Bridget Jones?s Diary". Und in der Tat hat "Mondscheintarif" ein bisschen was von Bridget Jones? Tagebuchaufzeichnungen. So wie die für allerlei Katastrophen des Alltags anfällige Cora Hübsch da vor sich hin grübelt, das klingt teilweise verdammt nach Bridget. Der Roman gerät aber nicht nur zur bloßen Kopie, sondern ist originell und witzig genug, um alleine überzeugen zu können. Zwar wird hier wirklich kein Klischee ausgelassen - Frauen haben eine beste Freundin zum Quatschen und Ausheulen, Frauen müssen ständig auf dem Stepper Fett verbrennen, Frauen pushen ihre Brüste mit Wonderbras, um einen psychologischen Vorteil gegenüber den Konkurrentinnen zu haben - aber das alles wird mit riesengroßer Leichtigkeit, mit viel Charme und Witz erzählt, so dass die Lesung auf drei CDs wirklich wie im Flug vergeht. Tiefgründigkeit darf man hier natürlich nicht erwarten, aber ein paar nette Aha-Erlebnisse und häufiges Schmunzeln, wenn man sich - zumindest teilweise - wiedererkennt. Sehr amüsant und sicher auch ein nettes Geschenk für eine gute oder die beste Freundin!

Christina Liebeck



CD | CD-Anzahl: 3 | Erschienen: 01. Oktober 2007 | ISBN: 9783866103221 | Laufzeit: 217 Minuten | Preis: 16,95 Euro

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