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 Meridiane: Land

Serie: Meridiane
Autoren: Perikles Monioudis
Verlag: Ammann

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Preis - Leistungs - Verhältnis


Ein junger Mann, im Buch nur "der Reisende" genannt, ist auf der Suche nach dem berühmten Rezeptbuch der Familie. Diese, bekannt für ihre exquisiten Patisserien, musste einst Alexandria fluchtartig verlassen und ihre Besitztümer wurden in alle Winde zerstreut. Darunter befand sich auch das großformatige, in Leder gebundene Rezeptbuch, welches die geheimen Rezepte für Baklava und andere süße Köstlichkeiten des Orients enthält, die einst den Ruhm der Konditorei begründeten.

Durch viele Städte des Mittelmeers führt den Erzähler die Reise: Alexandria, Athen, Barcelona, Cypern, ... "Von wo nach wo" heißt denn auch ein Teil des Leitwortes, das dem Buch vorangestellt ist. Neben dem "Reisenden" ist die "Botanikerin" unterwegs, eine ehemalige Beziehungspartnerin aus Berlin, und die beiden treffen sich kurz in Barcelona, wo die "Botanikerin" ein Praktikum absolviert.

"Land" heißt das neue Buch von Perikles Monioudis. Aber das Land des erzählenden Reisenden ist das Meer, auf dem er unterwegs ist. Anlass hierzu bietet das alte Rezeptbuch der Familie, und so geht es kreuz und quer von Stadt zu Stadt, von Land zu Land - von der Levante zum Maghreb zum westlichen Mittelmeer.

Wer Reisebeschreibungen oder Erzählungen erwartet, ist bald enttäuscht. Geschildert werden dagegen Fragmente, die eher freien Assoziationen ähneln, die aus dem weiten Meer des Unterbewussten aufzutauchen scheinen und sich auf die Vergangenheit und Gegenwart des Reisenden und der Botanikerin beziehen. Sie wirken unklar und diffus, seltsam vernebelt, wie zwischen Traum und Wirklichkeit.

Auch der Schreibstil ähnelt eher Wellen und Wogen, die aufeinander folgen und sich überlagern, Welle auf Welle auf Welle. Schreibtechnisch realisiert der Autor dies durch eine Unmenge an Kommata und Einfügungen, fünf bis sieben pro Satz sind keine Seltenheit - ein Satz enthält sogar ganze einundzwanzig. Monioudis macht keine Zugeständnisse an den Leser. Und so fühlt man sich manches Mal etwas verloren und wünscht sich anzukommen oder etwas länger zu verweilen. Man wird nicht so recht heimisch in dem Buch, kann es aber dennoch nicht lassen weiterzugehen und ist seltsam fasziniert und etwas verstört von dieser Odyssee.

Einen Rahmen bilden das Rezeptbuch der Familie, immer mal wieder ein Halt in einer Patisserie und das Ausprobieren der Rezepte. Schichten von Teig, Pistazienfüllung und das ganze übergossen mit Zuckersirup. Aber süß ist die Geschichte nicht, den Leser erwartet keine romantische Schilderung südlicher Orte, sondern eher eine herbe und profane Lebenswirklichkeit, die etwas lakonisch dargestellt wird.

Das gesuchte Rezeptbuch ist schon recht früh gefunden, der eigentliche Sinn der Reise jedoch ist es unterwegs zu sein. Am Ende des Buches sind alle Rezepte übersetzt und geprüft und die Weiterreise ist ohne Ziel. Bisher konnte der Reisende es nicht erwarten an Land zu gehen - jetzt ficht ihn die lange Passage nicht mehr an. Der Blick ist weiterhin aufs Meer hinaus gerichtet.

Sabine Seip



Hardcover | Erschienen: 1. August 2007 | ISBN: 9783250601128 | Preis: 19,90 Euro | 250 Seiten | Sprache: Deutsch

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