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 Scheibenwelt: Ab die Post

Ein Scheibenweltroman

Serie: Scheibenwelt
Autoren: Terry Pratchett
Übersetzer: Andreas Brandhorst
Verlag: Manhattan

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Der dreißigste Scheibenweltroman des erfolgreichsten Fantasy-Autors Englands (wenn nicht der Welt) ist ein Parforce-Ritt durch die Bürokratie des staatlichen Postwesens der Scheibenwelt. Ein zum Tode verurteilter Betrüger bekommt eine letzte Chance vom Oberhaupt der Stadt Ankh-Morpork, Lord Vetinari: Er soll die Post zu einem funktionierenden Unternehmen formen.

Dies ist eine Herkules-Aufgabe, denn es existieren nur noch das alte Postgebäude, zwei verrückte Postangestellte und Post der letzten fünfzig Jahre, die nicht mehr ausgetragen wurde. Kompliziert wird die Sache durch die Konkurrenz der Klacker, eine Art Datenübertragung durch optische Signale, weitergereicht von Turm zu Turm über die gesamte Scheibenwelt. Diese Konkurrenz aber, geleitet von einem noch größeren Betrüger und Gauner, als es der Held der Geschichte Feucht von Lipwig ist, schreckt vor nichts zurück, um die Post behindern, ja zu zerstören. Doch Feucht von Lipwig scheint sich im Laufe der Geschichte, die angereichert wird von Golems, Untoten, Zauberern und vielen liebenswerten Charakteren der Scheibenwelt, mit seiner Aufgabe anzufreunden, wäre da nicht die Versuchung, es durch Flucht dranzugeben!

Diese Geschichte hält dem Leser wieder einmal einen ironischen Spiegel vor: Der Betrüger bekommt die Schokolade, die Betrogenen wollen von ihrer Niederlage nichts wissen, wiegen sich in Sicherheit und belügen sich selbst! Sieger werden geliebt (egal, wie der Sieg zustande gekommen ist) und der Sieger bekommt am Ende die Angebetete!

Bürokratie ist etwas zutiefst Menschliches und im Grunde genommen erfreut sich jeder an ihr - solange man nur über sie meckern kann. Die Klacker, Synonym für das Internet, werden der guten alten Post, sprich dem Brief und seiner sehr persönlichen Note, ja seinem Charakter, gegenübergestellt und hinterfragt: Ist das Virtuelle, das Unpersönliche des Internets dem langsamen Brief wirklich überlegen? Pratchett gibt eine eindeutige Antwort darauf!

Mit seinem köstlichen Humor, nie verletzend, immer ironisch und nah an der Wirklichkeit, ist Terry Pratchett ein wunderschönes Buch gelungen. Mag der eine oder andere enttäuscht sein, dass nicht alte Helden (Oma Wetterwachs, Rincewind, Tod, Mumm oder Karotte) die Geschichte tragen, so wird schnell klar, dass nur der sehr spezielle Charakter des Feucht von Lipwig diese Geschichte zu händeln vermag - schillernd in seinen herrlichen Facetten, unverbraucht und interessant.

Eines wird aber nach der Lektüre der letzten Romane der Scheibenwelt immer deutlicher: Es wird immer philosophischer, sinnhafter und tiefgründiger. Der reine Klamauk der frühen Romane ist vergessen, die Kurzgeschichten, ausgebreitet mit köstlichem Humor auf dreihundert Seiten, gehören der Vergangenheit an. Ein sehr weiser, sehr intelligenter Beobachter der menschlichen Schwächen schreibt immer komplexere, immer bessere Bücher über uns selbst!

Stefan Erlemann



Hardcover | Erschienen: 1. August 2005 | ISBN: 9783442545650 | Originaltitel: Going Postal | Preis: 19,90 Euro | 445 Seiten | Sprache: Deutsch

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