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 Der Bierzauberer


Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Man schreibt das Jahr 1248, zwei Jahre vor dem Tod Friedrichs II., mit dem die Herrschaft der Staufer endet. Die Geschichte, die uns Günther Thömmes erzählt, beginnt in Hahnfurt, einem Ort nahe Nürnberg, wo Niklas in ebendiesem Jahr auf die Welt kommt.
Niklas von Hahnfurt wächst die ersten Jahre mehr schlecht als recht behütet in seiner Familie auf. Zwar sind seine Eltern anständig und umgänglich, doch die Armut drückt die Familie, und Niklas muss schon frühzeitig der Mutter helfen. Von Kindesbeinen an fasziniert ihn das Bierbrauen. Das ist eigentlich Frauensache. Doch als er hört, dass in Klöstern auch Männer Bier brauen können, sieht er für sich einen Ausweg. Er überredet seine Eltern, Mönch werden zu dürfen. Das Kloster Urbrach nimmt den Elfjährigen auch tatsächlich als Novizen auf und auf den Wunsch des eigenwilligen Knaben wird er auch Bierbrauergehilfe beim Mönch Thomas. Als Thomas bei einem Unglück stirbt, wird er von einem anderen Mönch des Mordes beschuldigt. Zwar kann Niklas alle Zweifel beim Abt ausräumen, aber der Mönch macht ihm weiterhin das Leben schwer. Schließlich zieht Niklas die Konsequenzen, bittet den Abt um einen Wechsel und macht sich auf zum Kloster Weihenstephan. Auch hier lernt er das Bierbrauen, diesmal nach Weihenstephaner Art. Und wieder treibt ihn ein Unglück ins nächste Kloster, nach Sankt Gallen.
Doch Niklas? Forscherdrang und sein Wille, Neuartigkeiten in die Brauerei einzuführen, verschafft ihm nicht nur Respekt, sondern auch Feinde. Schon bald sieht er sich von einem anderen Mönch verfolgt, von dem Niklas es am wenigsten erwartet hätte: Bernard, mit dem er in Urbrach sein Noviziat begonnen hatte. Die Verfolgung führt die beiden durch halb Europa.

Thömmes erzählt ein Stück Kulturgeschichte, das er wie kaum ein anderer Mensch aus dem tagtäglichen Leben kennt, denn Thömmes ist selbst Braumeister. Und so liegt es nahe, dass er die Anfänge des echten Biers, jenes mit Hopfen und Malz vergorenen Getränks, schildert. Gelingt Thömmes ein historischer Roman, wie es die Genrebezeichnung verspricht? - Leider überhaupt nicht!
Zugegeben: Seit diesem Buch werde ich das Bier ganz anders trinken als zuvor. Die Geschichte ist lehrreich, voller kleiner, wissenswerter Anekdoten und, dies kann man ohne jedes Zögern sagen, voller klarer Sätze. Nur entsteht daraus noch nicht ein spannender Roman. Denn zu unklar ist, was Thömmes nun eigentlich bedienen will: Will er einen Thriller schreiben, der sich um die Angst vor Neuerungen in der klerikalen Welt dreht, und sei es in der Welt des Bierbrauens? Will er uns in Geschichtsform das Entstehen der Bierkultur nahe bringen? Will er Anekdoten aus dem Mittelalter an der Schnur einer Hauptfigur zusammenfügen? Man weiß und liest es nicht. Die Hauptfigur - Niklas von Hahnfurt - bleibt so verwässert wie allzu dünnes Bier; das "Duell", in das der Roman gipfelt, kann wenig packen; die Szenen sind unklar, abstrakt, farblos; und überhaupt schwankt der Erzähler ein ums andere Mal von einem raschen "Jetzt passiert etwas!" hinüber zu einem Infotainment, das nicht weiß, dass es Infotainment ist. Zudem wird das Mittelalter in Faktenwissen eingebracht, aber die Menschen benehmen sich teilweise sehr modern. Die mittelalterliche Philosophie geriert sich so aufklärerisch, dass man sich im siebzehnten oder achtzehnten Jahrhundert glaubt.
Schade um den Stoff, schade um das Buch. Es ist lesbar, interessant, amüsant stellenweise, aber es packt nicht, bekommt keine Spannung zustande und kann keine Identifikation mit der Hauptfigur herstellen. Hier wäre eine andere Form, eine klarere Entscheidung notwendig gewesen. Wie gesagt: Schlecht ist das Buch nicht, und Thömmes ist, im Gegensatz zu manch anderem deutschen Romanschriftsteller, der deutschen Sprache und einer verständlichen Satzabfolge mächtig, aber das Mittelalter als klimatische Bedingung des Stoffes und die Form des Stoffes als Struktur für den Roman zerfließt ihm unter den Händen. Zu wenig für ein gutes Buch.

Frederik Weitz



Taschenbuch | Erschienen: 01. Februar 2008 | ISBN: 9783899777468 | Preis: 12,90 Euro | 374 Seiten | Sprache: Deutsch

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