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 Gregor, Band 4: Gregor und der Fluch des Unterlandes

Serie: Gregor, Band 4
Autoren: Suzanne Collins
Illustratoren: Joachim Knappe
Übersetzer: Sylke Hachmeister
Verlag: Oetinger

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Gregor freut sich auf den Besuch des Unterlandes. Er wird seine Mutter wiedersehen, die sich dort noch immer von den Folgen der Pesterkrankung erholt. Seine Schwester Lizzie, die sich niemals in den Abflussschacht trauen würde, der im Keller des Hauses zu den unterirdischen Gebieten führt, wird die Ferien in einem Jugendcamp verbringen. Nur die dreijährige Boots kommt natürlich mit, denn ihr Vater fühlt sich nicht gesund genug und bleibt diesmal zu Hause. Zum Glück umsorgt ihn solange Mrs Cormaci, die Gregor vor Monaten, als er nicht mehr ein noch aus wusste, in das Familiengeheimnis eingeweiht hatte.
Im Unterland herrscht Frieden. Die Folgen der Pest sind zwar noch nicht überwunden und viele der Ratten hegen noch einen großen Groll gegen die Menschen, doch scheint niemand an einer erneuten Auseinandersetzung interessiert zu sein. Gregor genießt die gemeinsame Zeit mit Luxa, der Thronfolgerin der Unterlandmenschen. Dass sie in vier Jahren bereits über die Unterlande herrschen soll, kann sich der Junge gar nicht vorstellen, so unbeschwert und nett gibt sich Luxa.
Nur sein Ultraschalltraining mit Ripred macht Gregor zu schaffen. Er kann die zynische, verletzende Art der alten Wüter-Ratte einfach nicht ausstehen und sieht nicht ein, warum er selbst im Dunkeln lernen soll, sich zu verteidigen. Doch da auch er ein Wüter, also ein geborener Kämpfer, ist, trainiert er wohl oder übel mit ihm. Diesmal aber hat Ripred eine Überraschung für Gregor im Ärmel. Aus einem der dunklen Tunnel taucht plötzlich eine riesige, weiße Ratte auf. Gregor kann gar nicht glauben, dass dieser Fleischberg vor ihm "Der Fluch" sein soll, die niedliche, kleine Ratte, die er vor wenigen Monaten töten sollte, um eine Prophezeiung abzuwenden, die die Unterland-Menschen bedrohte. Auch diesmal verlangt Ripred von Gregor, die weiße Ratte zu töten. Seiner Meinung nach plant "Der Fluch" schreckliches und scheint komplett verrückt geworden zu sein.
Doch als Gregor eine Woche später zu dem vereinbarten Attentat in der Höhle unter Regalia, der Hauptstadt der Menschen Unterlandes, erscheint, ist Ripred fort und auch vom "Fluch" fehlt jede Spur. Dafür stehen ihm plötzlich drei gefährliche Ratten gegenüber, die ihn töten wollen. Und obwohl Gregor ein Wüter ist, sieht er sich plötzlich in größter Gefahr, denn das Licht verlöscht während des gnadenlosen Kampfes.

Der vierte Teil der "Unterland-Chroniken" der amerikanischen Autorin Suzanne Collins beginnt mit einem Paukenschlag. "Der Fluch" ist zu einem wahren Untier herangewachsen und erweist sich als große Gefahr für Gregor, Luxa und sämtliche Menschen des Unterlandes. Auch die Huscher, wie die Mäuse in den unterirdischen Höhlensystemen des Unterlandes genannt werden, scheinen der Auslöschung durch die Ratten entgegen zu gehen.
Dank einiger weniger Sätze und Bemerkungen findet man sich schnell in die Geschichte ein und erhält einen kurzen Überblick über die Ereignisse der ersten drei Bände. Im Prinzip lässt sich dieses Buch auch ohne Kenntnis der Vorgänger lesen, nur die Charaktere erscheinen zunächst etwas farblos und ungenau beschrieben. Dies ändert sich jedoch im Laufe der nächsten ein- bis zweihundert Seiten. Denn diese Geschichte konzentriert sich schnell auf die kleine Schicksalsgemeinschaft, die aus den Menschen Luxa, Gregor, Boots, Hazard und Howard, den Fledermäusen Thalia, Aurora, Ares und Nike, dem Kakerlak Temp und dem Huscher Cartesian besteht.
Und was das für eine Geschichte ist. Es geht spannend, ja, hochdramatisch zu, dem Leser wird einiges abverlangt. Sogar ein grausamer Massenmord wird beschrieben, der den beispiellosen Hass der Ratten auf Huscher und Menschen verdeutlicht. Vor allem aber die Wirkung eines Verführers, Tyrannen und charismatischen Tribuns wird beleuchtet und begründet. Die Gefahr, erst zu handeln, kämpfen zu wollen, Krieg zu führen, und dann erst zu denken und zu überlegen, wie es auch ohne Gewalt gehen könnte, wird auf eindringliche Art und Weise vermittelt.
Die Botschaft könnte nicht klarer ausgedrückt werden, als im Zwist zwischen Gregor und Luxa, die verschiedener nicht sein könnten und sich doch über unüberschreitbare Grenzen hinweg mögen, ja vielleicht sogar lieben. Denn bei aller Dramatik und Härte des Kampfes und aller Ausweglosigkeit der Geschehnisse, gibt es immer wieder Momente der Besinnung, der Diskussion und tiefgründigen Verständigung zwischen den Gefährten, die soviel trennt und soviel vereint.

"Gregor und der Fluch des Unterlandes" ist im Gegensatz zu den ersten drei Bänden nicht die Abarbeitung einer Prophezeiung und damit ein quasi schicksalhaftes Tun, sondern eben gerade das Gegenteil. Allen Charakteren wird eine Entscheidung abverlangt. Sie müssen im vollen Bewusstsein der Tragweite ihrer Handlungen und der daraus resultierenden Folgen Stellung beziehen und erkennen, dass eine Wahl, warum auch immer man sie getroffen hat, nicht schicksalhaft ist und für die Ewigkeit bestehen muss, sondern immer wieder überdacht werden kann.

Einziges, nicht unerhebliches Manko dieses Buches ist sein abruptes, völlig überraschendes Ende. Keine einzige Frage wird beantwortet, nichts scheint gelöst, die Zukunft düster und blutig. Fast deprimiert, in jedem Fall aber vor den weiteren Ereignissen zitternd, wird sich der Leser gedulden müssen, bis der fünfte Teil der Chroniken erscheint. Und dass man diesen erwerben wird, ist nach vier durchlittenen Bänden keine Frage - Gregor und Luxa muss man einfach "wiedersehen".

Ein Wort zum Layout: Hier setzt Oetinger Maßstäbe. Nicht nur die Qualität des Druckes und der feste Einband, vor allem die das in Hochglanzoptik aufgelegte Bild der Fledermaus mit dem auf ihr reitenden Gregor beeindruckt nachhaltig. Dieses von Joachim Knappe gemalte Bild, wie auch die Vignetten im Inneren des Buches, verstärken die Wirkung, die diese Unterland-Chroniken mittlerweile weltweit entwickelt haben.

Stefan Erlemann



Hardcover | Erschienen: 01. Februar 2008 | ISBN: 9783837303797 | Originaltitel: Gregor and the Marks of Secret | Preis: 13,90 Euro | 320 Seiten | Sprache: Deutsch

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