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 Mary Godwin, Band 2: Mary Godwin

Serie: Mary Godwin, Band 2
Autoren: Jin Su Yoo
Illustratoren: Soul Ah Park
Verlag: Tokyopop

Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Mary Godwin ist zurück in London. Doch Ruhe findet sie bei ihrer Familie nicht. Ihr Vater scheint kurz vor dem Ruin zu stehen, ihre Stiefmutter zeigt sich völlig hilflos und ihre Schwester kann nur mühsam ihren Hass auf Mary verbergen. Auch Percy kann ihr nicht helfen, sieht er sich doch der Eifersucht seiner Frau ausgesetzt. Sie versucht, Percy und Mary zu entzweien und ihren Mann wieder zu bekommen.
In dieser Situation fällt es Mary immer schwerer, ihren Roman zu vollenden. Wäre nicht der maskierte Diener Jean, sie würde verzweifeln. Doch Mary hegt auch einen Verdacht, der immer deutlichere Konturen annimmt. Ist Jean wirklich nur an ihrer schriftstellerischen Tätigkeit interessiert? Die Unfälle der Vergangenheit hat Mary verdrängt. Aber auch in London scheint das Schicksal es nicht gut mit Mary und ihrer Familie zu meinen. Es kommt zu seltsamen Vorfällen, die in einem Selbstmord, einem spurlosen Verschwinden und Anschlägen auf das Leben einiger Familienmitglieder gipfeln. Mary beschließt, herauszufinden, wer Jean wirklich ist und was ihn antreibt. Doch als sie die Wahrheit erkennt, droht sie daran zu zerbrechen.

Was für ein Finale. War bereits der erste Teil von "Mary Godwin" der spannende Versuch zweier koreanischer Ausnahmetalente, die historischen Begebenheiten rund um die Entstehung des Romans "Frankenstein" in eine fantasievolle Geschichte zu verwandeln, ist Teil Zwei gar fast Mystery-Thriller. Immer deutlicher wird dem Leser, wie grausam Jean bei seinem Ziel, den perfekten Roman durch die Hand von Mary Godwin entstehen zu lassen, jedwede Moral außer Acht lässt. Seine Intrigen, Beeinflussungen, Einflüsterungen, sogar Morde, kennen keine Schranken mehr.
Doch das eigentlich Geniale an diesem koreanischen Manwha ist nicht die brillante Zeichentechnik, die spannende Geschichte und der perfekte Schluss, sondern die psychologisch ausgefeilte Situation, die den Leser erst zum Voyeur, dann zum Mitwisser und schließlich - dank seiner Überzeugungen - gar zum Mittäter werden lässt. Kaum einen Leser dieser Geschichte werden die Ereignisse rund um Mary unberührt lassen. Niemand wird hoffen, dass Jean keinen Erfolg hat - also der Roman "Frankenstein" niemals geschrieben wird. Mithin ein Paradoxon, dass den Leser zum Erfüllungsgehilfen des Geschehens werden lässt.

Dank dieses Kniffes, der fantasiereichen Umsetzung, den wundervollen Zeichnungen und dem unerwarteten, einmalig gelungenen Schluss, ist "Mary Godwin" eines der besten Comics der letzten Jahre. Kaum ein Manga oder Manwha, das so einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Und noch etwas ist nahezu perfekt in diesem Comic. Die Umsetzung der Erzählung Mary Godwins selber, die Illustrierung eines Weltbestsellers, die in wenigen Bildern umrissene Geschichte eines tragischen Lebens, der Hybris eines Genies und seiner furchtbaren Folgen für alle Menschen, die er geliebt hat. Diese wenigen Bilder allein rechtfertigen den Kauf dieses Zweiteilers. Doch er geht weit darüber hinaus. Er wird zu einer eigenen Kunstform, die die Realität, die aus dieser heraus entstandene Fantasiegeschichte und eine (Alp-)Traumwelt äußerst geschickt vermischt und ihr eine neue Bedeutung gibt.

Stefan Erlemann



Taschenbuch | Erschienen: 01. April 2008 | ISBN: 9783867193436 | Originaltitel: Mary Godwin Volume 2 | Preis: 6,50 Euro | 240 Seiten | Sprache: Deutsch

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