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 Farbwirkungen

Soziologie der Farbe


Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Preis - Leistungs - Verhältnis


Hans Peter Thurn ist Professor für Soziologie an der Kunstakademie in Düsseldorf. Bei DuMont veröffentlichte er 2007 das Buch "Farbwirkungen - Soziologie der Farbe". Der Buchrückseite nach will er damit Fragen auf den Grund gehen wie "Wieso sind Autos so selten bunt?" oder "Welche Geschichte haben einzelne Farben?" und dem Leser so die Wirkung von Farben auf den Menschen näherbringen.

In sechzehn Kapiteln behandelt Thurn das Phänomen der Farbwirkung im soziologischen Kontext. Farbe im geschichtlichen Kontext, Farbe in diversen Gesellschaftsschichten, Farben im Beruf und im privaten Leben und vieles mehr wird beleuchtet. Die Kapitel tragen Überschriften wie "Revolte per Palette", "Von der Körperbemalung zum Make-up", "Mit Rat und Tat zum Farbprofil" oder "Soziale Grisaille". Die Inhalte überschneiden sich gelegentlich, wenn es in politische, gesellschaftliche und geschichtliche Richtungen geht; einzelne Kapitel sind nur selten auf ein bestimmtes Thema fokussiert, sondern behandeln vielmehr einen Themenkomplex mit seinen verschiedenen Ausläufern.
So betrachtet Thurn im Kapitel "Unsere Farbe, eure Farbe" das typisch menschliche Verhalten, sich mit Farben als zu einer bestimmten Gruppe gehörig zu kennzeichnen, gleichgültig ob es um die politische Partei, die Kutte eines religiösen Ordens oder den heimatlichen Fußballverein geht. Dabei wagt Thurn auch den Blick zurück in die Vergangenheit, wenn etwa im 18. und 19. Jahrhundert Gruppierungen, die in der Gesellschaft negativ auffielen, mit einer bestimmten Farbe stigmatisiert wurden.
In "Farbe bekennen" geht Thurn zunächst auf Goethes Faust ein und wie Mephisto nicht nur in die verschiedenen Gewänder, sondern damit vor allem in verschiedene Farben schlüpft. Weiter geht die Betrachtung der Wahl von Kleiderfarben durch den Büroalltag und die Politik über die rote Tinte der Lehrer, Schönfärberei und Schwarzmalerei.
Zuletzt findet der interessierte Leser eine umfangreiche Bibliografie, ein Sach- und ein Personenregister.

Trotz vielversprechender, farbenfroher Aufmachung fehlt es dem Buch von Hans Peter Thurn eindeutig an Farbe. Etwas mehr als ein Dutzend Farbseiten mit Gemäldeabbildungen in der Mitte des Buches sind zu wenig, um dem interessierten Leser die Welt der Farben und deren Wirkung näherzubringen. Der optische Anreiz fehlt beinahe durchgängig, zudem sind die abgedruckten Gemälde keinen Texten zugeordnet und dienen daher kaum als Beispiele für Thurns Gedankengänge und Feststellungen.
Die Texte sind anspruchsvoll geschrieben, aber auch für den interessierten Laien zumeist gut verständlich, wenngleich sie thematisch manches Mal zu willkürlich in mehrere Richtungen abdriften. So verfolgt Thurn seine Betrachtungen mal hierhin, mal dorthin, und häufig ist der berühmte rote Faden zwar da, aber gut verborgen unter Gedankensprüngen, neuen Ansätzen und Beobachtungen.
Thurn setzt zumeist eine gute bis sehr gute Allgemeinbildung voraus, ohne die so mancher geschichtliche Zusammenhang nicht nachvollziehbar wird. Zudem sind die Inhalte der Kapitel nicht einfach voneinander zu unterscheiden. Auch die Kapitelüberschriften helfen bei einer ersten Orientierung nicht beziehungsweise nur bedingt weiter. So heißt es für den Leser, sich erst mal einzulesen und dann zu entscheiden, ob das Thema seinen Geschmack trifft oder nicht.

Mit "Farbwirkungen" legt Hans Peter Thurn ein anspruchsvolles Buch vor, das Soziologen und Studenten der Soziologie, aber auch interessierten Laien sicher einige erkenntnisreiche Fakten und Zusammenhänge zwischen Mensch und Farbe präsentiert. Leider aber lassen die einzelnen Kapitel klarere Konzepte vermissen und es fehlt an dem einen oder anderen illustrierenden Farbbeispiel mehr.

Tina Klinkner



Taschenbuch | Erschienen: 01. September 2007 | ISBN: 9783832190132 | Preis: 14,90 Euro | 208 Seiten | Sprache: Deutsch

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