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 Momo

oder Die Geschichte von den Zeitdieben und dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zur├╝ckbrachte


Cover
Gesamt ++++-
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Spannung
Ton


Michael Ende. Ein Name, der aus dem Reigen der deutschen Jugendbuchschriftsteller nicht mehr wegzudenken ist. Mit seinem ersten Manuskript um "Jim Knopf", das später in zwei Romane geteilt wurde - "Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer" und "Jim Knopf und die Wilde Dreizehn" - schaffte er bereits den Durchbruch, mit "Die unendliche Geschichte" schrieb er sich weltweit in die Herzen seiner Fans. "Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch" und "Momo oder Die Geschichte von den Zeitdieben und dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte" sind nur zwei seiner weiteren großen Erfolge.

Eines Tages taucht in einem kleinen italienischen Dorf plötzlich ein junges Mädchen auf, das sich im alten Amphitheater häuslich einrichtet. Auf die Frage der Dorfbewohner, wie es denn heiße, antwortet das kleine Mädchen: "Momo." Den Namen habe Momo sich selbst gegeben und überzeugt verkündet sie ihr Alter: "Hundert." Oder waren es doch hundertzwei? Die Dorfbewohner jedenfalls schließen die kleine Momo sofort in ihr Herz und oft kommen sie das Mädchen besuchen. Denn Momo hat eine besondere Gabe: Sie kann zuhören. Und zwar so, dass, wenn ihr jemand von einem Problem erzählt, dieser jemand plötzlich einen Geistesblitz hat und weiß, wie sein Problem auf einfachste Weise zu lösen ist. So findet Momo viele Freunde unter den Bewohnern des Dorfes, doch am liebsten ist sie in Gesellschaft Beppo Straßenkehrers und Gigi Fremdenführers, welche viel Zeit mit Momo verbringen.
Dann jedoch tauchen die Grauen Herren im Dorf auf, doch zunächst bemerkt niemand die Anwesenheit dieser unscheinbaren Männer, die mit unauffällig grauen Anzügen, Aktenkoffern, Melonen und Zigarren durch die Straßen ziehen. Einzig Momo bemerkt das Treiben der Grauen Herren und als sie immer weniger ihrer neu gewonnenen Freunde besuchen kommen, begreift sie schnell: Diese Männer stehlen den Leuten ihre freie Zeit, die die Zeitdiebe selbst zum Leben benötigen! Als die Grauen Herren merken, dass Momo ihnen auf die Schliche gekommen ist, beginnen sie unverzüglich damit, Jagd auf sie zu machen, doch durch die Hilfe der Schildkröte Kassiopaia kann Momo in das Haus Meister Sekundus Minutius Horas fliehen. Nun gilt es, dem Treiben der Grauen Herren Einhalt zu gebieten, doch die Zeit rinnt unerbärmlich davon. Um die Zeitdiebe zu besiegen, muss die Zeit angehalten und der Vorrat an Stundenblumen, den die Grauen Herren sicher verwahren, vernichtet werden. Und einzig Momo kann diesen Kampf antreten ...

Mit seinem Roman "Momo" - für den er 1974 seinen bereits zweiten "Deutschen Jugendbuchpreis" verliehen bekam - veröffentlichte Michael Ende 1972 ein wunderbares Buch. Einfühlsam, phantasievoll, lehrreich - aber nicht belehrend - und stets mit einem zwinkernden Auge - so bewegt Michael Ende auch mit "Momo" seinen Leser. Wie kein anderer schildert er die Erlebnisse der kleinen Momo ideenreich und doch in einer Weise realitätsbezogen, die den Leser - und in diesem Fall Hörer - von vornherein fasziniert. Gleichzeitig widmet sich Michael Ende dem Thema Zeit, welches seinem eigenen Wortlaut nach "ein großes und doch ganz alltägliches Geheimnis" ist. Auf einfühlsame Weise zeigt er, wie man mit Zeit umgehen kann, wie man es sollte und bringt durch seine Geschichte vor allem etwas ältere Leser zum Nachdenken. Denn in Endes Worten steckt so viel Wahrheit, so viel Wirklichkeit, dass seine Geschichte ihren Leser tief berührt.

Nun hat der Audio Verlag im Juli 2005 - zeitgleich mit der Veröffentlichung eines Schubers mit schmucken Sonderausgaben von Michael Endes Jugendbüchern - eine Hörspiel-Fassung von "Momo", die 1997 vom westdeutschen und bayerischen Rundfunk in Gemeinschaftsarbeit produziert wurde, auf drei CDs herausgebracht. Durch die Bearbeitung durch Klaus-Dieter Pittrich wurde aus Michael Endes Roman so eine sehr schön gemachte Mischung aus Hörspiel und inszenierter Lesung, die sich aus Passagen mit mehreren Sprechern und längeren Abschnitten, die allein von der Erzählerin getragen werden, zusammensetzt. Dabei kann Karin Anselm mit ihrer ruhigen, angenehmen Stimme überzeugen, deren wohltönende Intonierung gut zum Zuhören geeignet ist. Doch auch sonst wissen die Sprecher des Hörspiels allesamt in ihren Rollen zu glänzen und schaffen es, die von ihnen verkörperten Figuren glaubhaft zu interpretieren und sie dadurch lebendig werden zu lassen. Kein Wunder eigentlich, kann man in der Sprecherliste doch so berühmte Namen wie Tommi Piper, Joachim Höppner oder Rufus Beck finden. Mit letzterem wirbt der Audio Verlag übrigens auch mittels eines großen Aufkleber für das Hörspiel. Ein wenig übertrieben, wie ich finde, wenn man bedenkt, dass Rufus Beck zum Zeitpunkt der Aufnahmen noch weit davon entfernt war, den Status eines Kultsprechers inne zu haben, den er heuten genießen kann. Dennoch - auch Beck zeigt hier natürlich vorzüglich sein Können und erscheint dem Hörer als träumerischer Geschichtenerzählen Gigi.

Unterlegt wird die Hörspiel-Inszenierung von sowohl ruhigen und die Texte begleitenden Melodien, als auch von einigen flotteren Einspielungen. An einer vereinzelten Stelle, die dafür jedoch wunderbar ausgewählt wurde, wird sehr passender Weise eine etwas längere musikalische Zwischensequenz eingespielt, die die in dem Moment gefühlten Erlebnisse unterstützt und sie durch ihr Entfalten zum Ausdruck bringt. Dennoch klingen die Kompositionen teilweise auch etwas befremdlich und passen stellenweise leider nicht zur eigentlichen Atmosphäre der Geschichte und des Hörspiels.
Hintergrundgeräusche wurden bei "Momo" nur sehr dezent gesetzt, doch idyllisch anmutende Geräusche wie ruhig blasender Wind, zirpende Grillen oder sanftes Glockengeläut sind sehr oft - wenn auch nur unscheinbar - zu hören. Am besten jedoch hat mir persönlich das quietschende Geräusch gefallen, das der Stift macht, mit dem einer der Grauen Herren die Rechnung der verlorenen Zeit an den Spiegel des Friseurs schreibt - den Eindruck einer solchen Authenzität, einer derartigen Bildhaftigkeit, die dieses Geräusch in mir auslöste, habe ich selten zuvor gehabt.

Äußerlich weiß das ausklappbare Drei-CD-Box aus Pappe auf voller Linie zu überzeugen. Während der Titel noch von einem recht steif wirkenden Schrifzug geziert wird, verwendet der Verlag im Inneren unter anderem eine wunderschöne, ein wenig verspielt und somit kindlich anmutende Schriftart, die die abgedruckten Zitate Endes und zwei Pressekommentare gestaltet. Die allgemein recht farbenfroh gehaltene Gestaltung, welche auch eine von Ende selbst angefertigte, orangefarbene Illustration mit einbezieht, ist ein Augenschmaus, und das nicht nur für Kinder, sondern auch für ältere Hörer. Eine Trackliste der Silberlinge kommt immer dann zum Vorschein, sobald man die entsprechende CD aus seiner Hülle löst. - Eine schöne und platzsparende Idee, denn ein Booklet enthält das Hörspiel nicht.

Fazit:
Eine schön gestaltete Hörbuch-Fassung von Michael Endes "Momo", die als Mischung aus inszenierter Lesung und Hörspiel mit professionellen Sprechern wie Karin Anselm, Rufus Beck, Tommi Piper oder Joachim Höppner überzeugen kann und deren Musik- und Geräuschkulissen trotz einiger befremdlicher Töne ingesamt betrachtet sehr nett gestaltet sind.

Bartimäus



CD | CD-Anzahl: 3 | Erschienen: 01. Juli 2005 | ISBN: 3898134709 | Laufzeit: 192 Minuten | Preis: 14,95 Euro

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