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 DSA-Roman, Band 65: Lichter Tag

Im Schatten der Dämmerung - Teil 1

Serie: DSA-Roman, Band 65
Autoren: Volker Weinzheimer
Verlag: Heyne

Cover
Gesamt +----
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Der Kampf der Geheimdienste hat begonnen.
Kaum hat das Mittelreich Informationen über die angeblichen Machenschaften eines Adligen aus dem verfeindetem Horasreich erhalten, schickt der KGIA drei seiner Agenten los, um den Fall zu untersuchen. Die Agenten Caric von Falkenhorst, Adoran und Quendan geben sich als Gesandte aus dem entfernten Bornland aus, um die Vorwürfe gegen den Granduco Laserian di Mestilio Cavalese al Escobar bezüglich borbaradianischer Machenschaften unbemerkt vom gegnerischen Geheimdienst DBA zu untersuchen. Die Bestätigung eines solchen Handelns wäre gefundenes Fressen für das Mittelreich, welches im Zwist mit dem Horasreich steht. Doch auch der DBA schläft nicht und gelangt schnell an die Information über die Anreise der getarnten Agenten. Man beschließt, die - wegen ihrer Liebe zu einer Bürgerlichen und der Obhut über die Kinder ihrer verstorbenen Schwester - aus dem Dienst geschiedene Agentin Sharielle di Jazayeri an der Seite des Kriegshelden Kapitan Garvor di Scilaggio wieder in den Dienst zu nehmen und dem KGIA zuvor zu kommen.
Unterdessen hat es der Granduco geschafft, die verschollene Tochter seines toten Bruders aufzuspüren und sie aus dem bäuerlichen Leben einer Heilerin in seine Villa zu holen. Diese weiß gar nicht, wie ihr geschieht, und sieht sich plötzlich mit den Regeln der Etikette konfrontiert, so dass ihr Lebensinhalt derzeit nur aus Schulung und Unsicherheiten besteht.
Schnell zeigt sich, dass nicht nur die Geheimdienste und die Personen gegeneinander intrigieren und gegeneinander arbeiten, auch innerhalb der einzelnen Gruppen gibt es Probleme. Während Alea versucht, sich auf die neuen Lebensumstände als neu entdeckte Adlige einzustellen, muss sich Sharielle immer wieder mit ihrer Liebe zu Sanna im Widerspruch zum Agentenleben auseinandersetzen, quälen Caric von Falkenhorst ethische Fragen bei der Ausführung seines Berufes, was durch die ungestüme Art seines Kollegen Quendan nur verstärkt wird. Auch Sharielle streitet nicht nur mit Sanna über die Gefahren ihres Handelns, auch steht sie dem hoch angesehenen Kriegshelden skeptisch gegenüber, da dieser seine Abneigung ihr gegenüber nicht zu verbergen sucht. Gerade ihr Stand verbietet ihr in seinen Augen derartiges Treiben mit einer Bürgerlichen und dazu noch einer Frau.
Noch während so jede der drei Hauptfiguren mit seinen Problemen umzugehen versucht, verstricken sich auch die Schicksale der Gruppen immer mehr, je öfter sich ihre Wege kreuzen. Schließlich kommt es zum Kontakt der rivalisierenden Gruppen und ein Kampf scheint unvermeidlich.

Das Ränkespiel um die drei Hauptfiguren des Romans nimmt immer weiter zu und auch die persönlichen Hintergründe lassen die Geschichte schnell vielschichtig werden. Ein besonderes Augenmerk wurde auf diese Figuren durch die geschriebenen Gedanken gelegt, so dass man sich - immer wieder wechselnd - mal in der Gefühlswelt des einen, mal des anderen befindet, was dem Werk Dramatik und Abwechslung einbringt. Gerade diese gut beschriebenen persönlichen Aspekte wirken recht sympathisch und lebensnah. In Nebenhandlungen werden immer wieder kritische Fragen aufgeworfen, die sich teils mit der horasischen Gesellschaft, teils mit der Ethik über das Leben und Töten beschäftigen.
Auch wenn das Coverbild etwas sehr weit vom Inhalt des Buches entfernt ist, so sind doch die Erzählstränge immer deutlich und führen den Leser abwechselnd durch die verschiedenen und gut dargestellten Lebensumstände.

Beeindruckend ist die Fähigkeit der Autoren, die Emotionen und Lebensumstände der Figuren zu beschreiben und miteinander zu verstricken. Leider bleibt es auch schon bei diesem Vorzug, denn über die Eindrücke von diesen kommt der Leser kaum hinaus. So lässt der gute Schreibstil den Leser zwar beharrlich weiter lesen, doch wird er auch bis zum Ende des Buches kein wirkliches Geschehen feststellen. Das Werk treibt den Leser gerade durch den guten Schreib- und Erzählstil in das dadurch noch mehr unbefriedigende Ende. Lediglich kleine Einspielungen ohne Bedeutung für den Verlauf des Romans zeugen ab und zu von wirklichen Aktionen. Als es endlich zum offenen Konflikt kommt, endet das Buch.
Gleichsam verhält es sich mit den aufgeworfenen, teils tiefgreifenden Fragen. Innerhalb des Romans werden bis zum Ende keinerlei Antworten gegeben und der Leser bleibt eher unbefriedigt zurück. Das größere Manko hingegen sind die auftretenden Fehler der Logik, die immer wieder zu erkennen sind und ebenfalls belegen, dass der Schwerpunkt auf den Emotionen der Charaktere liegt. So kann kaum erklärt werden, weshalb der KGIA für solch wichtige Aufträge im Kampf gegen das Horasreich und den DBA eine eher unfähige Gruppe wählt, die einerseits durch Selbstzweifel zerrüttet ist, andererseits die eigene Raserei nicht unter Kontrolle hat. Gerade dies stellt sich bei einem Geheimauftrag unter falscher Identität mit Bedacht auf Unauffälligkeit eher unlogisch dar. Doch agiert auch die Gegenseite nicht besser und schickt ein Gespann aus einer emotional angeschlagenen Frau in unstandesgemäßen Liebeleien und der Verantwortung für Kinder und einem als Helden gepriesenen Schlächter und Halsabschneider, der sein höfisches Leben wohl schon länger an den Nagel gehängt hat und mit nackten Wilden umherzieht, ins Rennen um den Ruf als bester Geheimdienst und den Kampf gegen das Borbaradianertum.
Auch wenn die einzelnen Schicksale und Umstände wahrlich gut dargestellt werden, so scheint die Geschichte eher um diese gewoben worden zu sein, was eher schlecht als recht gelang. Dies verbunden mit dem unbefriedigenden Ende lässt nur noch auf einen besseren zweiten Teil hoffen.

Markus Bug



Taschenbuch | Erschienen: 1. Juni 2002 | ISBN: 3453213750 | Preis: 6,95 Euro | 235 Seiten | Sprache: deutsch

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