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 Der Erdbeerpflücker

Serie: Jette-Krimis, Band 1
Autoren: Monika Feth
Verlag: cbt

Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Jette, Caro und Merle leben gemeinsam in einer WG. Die drei Freundinnen stehen kurz vor dem Abitur, und obwohl sie so unterschiedlich sind, funktioniert das Zusammenleben gut. Es ist ein heißer Sommer, in dem ein Serienmörder sein Unwesen in Deutschland treibt. Alle Opfer, ausnahmslos junge Mädchen, wurden vergewaltigt, ihnen wurden die Haare abgeschnitten und eine Halskette entwendet.
Als ausgerechnet Caro dem Mörder zum Opfer fällt, schwört Jette auf der Beerdigung der Freundin Rache: Sie will den Täter ausfindig machen und zur Strecke bringen. Die Presse ist über diese öffentliche Ankündigung entzückt, die Polizei und vor allem Jettes Mutter weniger, denn natürlich wird dadurch der Mörder auf Jette aufmerksam. Er nähert sich dem Mädchen, allerdings als Freund, und sie verliebt sich in ihn - ohne zu ahnen, wen sie in ihr Leben gelassen hat ...

"Der Erdbeerpflücker" ist der erste Teil einer Jugendbuchserie aus der Feder von Monika Feth, in dem Jette, die Tochter einer berühmten Thriller-Autorin, die Hauptrolle spielt. Es ist weniger ein Krimi oder ein Thriller in dem Sinne, dass hier eine spannende Mörderjagd bevorsteht, denn man weiß fast von Anfang an, wer der Täter ist. Das Buch berichtet abwechselnd aus verschiedenen Blickwinkeln - aus Jettes und Caros, aus der Sicht von Jettes Mutter, aus der des ermittelnden Kommissars und aus der des Mörders. Spannend liest sich die Geschichte trotzdem, denn natürlich will man wissen, wann Jette endlich bemerkt, mit wem sie sich da eingelassen hat. Die Beziehungen der Mädchen untereinander, ihr Gefühlsleben und ihre Gedanken sind sehr gut beschrieben, so dass vor allem Leserinnen das Buch gefallen wird. Auch das Innenleben des Mörders wird sehr anschaulich beschrieben, und mit Schrecken merkt man bald, in was für einer düsteren, eigenen Welt er lebt. Jette, die sich in ihn verliebt, ahnt davon zunächst nichts.

Die Konstellation der Figuren ist natürlich interessant - die Freundin einer Ermordeten verliebt sich unwissentlich in den Mörder -, nur wirkt das nicht immer realistisch und manchmal nur der spannenden Geschichte geschuldet. Jette, die von der Autorin eigentlich als unabhängige, starke junge Frau beschrieben wird, verliert von einer auf die andere Sekunde völlig den Kopf, verliebt sich unsterblich. Zwar heißt es nicht umsonst "Liebe macht blind", aber in diesem Buch wirkt das eben nicht gerade wirklichkeitsnah.
Zwei vollkommen unterschiedliche Mädchen verlieben sich so extrem in einen Mann, den sie überhaupt nicht kennen, dass sie sich augenblicklich vollkommen verändern? Dies scheint nicht gerade wahrscheinlich und macht den Charakter von Jette unglaubwürdig. Der labilen Caro kauft man das ab, der vernünftigen Jette aber nicht. Selbst als Jugendlicher kann man kaum nachvollziehen, warum Jette sich auf einmal dermaßen vergisst und alles tut, was ihr neuer Freund will. Erst vor wenigen Tagen wurde ihre Freundin ermordet, sie setzt entschlossen alles daran, den Mörder zu fassen - und mit wenigen Zeilen im Buch ist das alles weggewischt, ist Jette auf einmal blind und taub gegenüber der Gefahr und benimmt sich genau wie vormals Caro.

Ignoriert man diese Schwäche, ist "Der Erdbeerpflücker" aber ein spannendes Lesevergnügen - soweit man bei einem Thriller, in dem es um Mord an jungen Mädchen geht, von Vergnügen sprechen kann -, das Buch liest sich leicht und wie in einem Rutsch. Es erinnert ein wenig an die skandinavischen Krimis und Thriller, die in den letzten Jahren so beliebt geworden sind, wenn auch der Autorin die sprachliche Schärfe etwa eines Mats Wahl fehlt. Dennoch ein lesenswertes Buch! Fortgesetzt wird die Trilogie mit "Der Mädchenmaler" und "Der Scherbensammler".

Christina Liebeck



Taschenbuch | Erschienen: 1. Mai 2008 | ISBN: 9783570304600 | Preis: 12,00 Euro | 352 Seiten | Sprache: Deutsch

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