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 Der Bauer Marej

Autoren: Fjodor M. Dostojewski
Übersetzer: Swetlana Geier
Verlag: Ammann

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Gefühl


Zwischen 1873 und 1881 erschien Fjodor Dostojewskis "Tagebuch eines Schriftstellers", eine Ein-Mann-Zeitschrift, in der sich der berühmte Autor mit der geistigen und politischen Lage seiner Epoche auseinandersetzte und sein eigenes Leben reflektierte.
Eine kurze Anekdote aus diesem Tagebuch ist nun als Sonderdruck anlässlich des 85. Geburtstags von Übersetzerin Swetlana Geier im Ammann-Verlag erschienen.

Der Erzähler erinnert sich hierbei an einen Tag, den er als neunjähriger Junge im Wald verbrachte. Dort hört er plötzlich einen Ruf, der vor einem Wolf warnt. Panisch vor Angst flieht der Junge in die Arme des Bauern Marej, einem Leibeigenen seiner Eltern. Dieser beruhigt und tröstet das verstörte Kind, dabei ist er vollkommen zärtlich und einfühlsam. Als er dem Jungen versichert hat, dass er sich den Wolf beziehungsweise die Warnung vor diesem nur eingebildet hat, schickt der Bauer ihn wieder fort. Nach diesem Tag jedoch sprechen beide nie wieder miteinander. Zwanzig Jahre später, in einem Zuchthaus in Sibirien, erinnert sich der nun erwachsene Erzähler wieder an diesen Tag und diese Erinnerung verändert seine Sichtweise von einem Augenblick auf den anderen ...

Es ist erstaunlich, wie Fjodor Dostojewski selbst mittels so weniger Seiten - es sind immerhin gerade einmal sechzehn - so viel ausdrücken kann. Auf subtile und feinfühlige Weise stellt er seine Sichtweise in Bezug auf Leibeigene, auf das einfache Volk und auf seine Mitgefangenen im Zuchthaus dar und fängt dabei Gefühle und Atmosphären gut ein. Vieles kann man aus dieser Episode herauslesen, vieles hineininterpretieren und auf jeden Fall wird sie Lust auf mehr machen. Und tatsächlich gehört Dostojewski zu den wenigen Autoren, die man gelesen haben sollte, besonders wenn man sich für russische Literatur begeistern kann, die zum Nachdenken anregt.

Swetlana Geier, die Dostojewskis Werk aus dem Russischen neu übersetzt hat und dieser Tätigkeit fünfzehn Jahre ihres Lebens widmete, fängt den Duktus dieses großartigen Autors wunderbar ein und schafft es, seine Worte so lebendig und intensiv wirken zu lassen, als würde man den Erzähler persönlich sprechen hören. Neben der sehr gelungenen Neuübersetzung von Dostojewskis Romanen hat sie auch andere russische Klassiker, beispielsweise von Tolstoi und Michail Bulgakow, ins Deutsche übertragen.

Die Sonderausgabe wird über den Buchhandel nur in einem Paket bestehend aus fünf Exemplaren von "Der Bauer Marej" vertrieben, der Preis für dieses Paket beträgt fünfzehn Euro.

Linda Dannenberg



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