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 Die Dom-Spitzen

Willkommen in Köln!

Autoren: Martin Cordemann
Illustratoren: Ralf Paul
Verlag: Konturblau Verlag

Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Man schreibt das Jahr 1248. Rudolph und Leopold bekommen vom Kölner Bischof den Auftrag, eine Hälfte des alten Kirchengebäudes abzureißen, die andere aber stehen zu lassen. Sie stecken eine Unmenge Holzbalken in das alte Gemäuer und unterhöhlen es fachmännisch. Dann ziehen sie noch eine Trennwand ein, damit wirklich nur der baufällige Teil einstürzt. Am nächsten Morgen soll es dann kontrolliert eingerissen werden.
Doch die beiden versuchen, sich noch schnell ein kleines Zubrot zu verdienen. Sie lassen Arme und Obdachlose in das Gebäude hinein. Nur für eine Nacht und gegen Bezahlung natürlich. Leider greift das kleine Lagerfeuer, dass Rudi und Leo wegen der Eiseskälte entzündet haben, auf die Holzstapel über. Wenig später brennt das gesamte Gotteshaus bis auf die Grundmauern nieder. Alle armen Teufel, die sich im Inneren befunden haben, kommen ums Leben. Auch Rudi und Leo sind verbrannt. Doch gerade, als sie sich auf den Weg in den Himmel machen wollen, stürzt der Bischof auf den Platz des Unglücks und verdammt die beiden Geister zur Fronarbeit. Sie müssen den neu zu bauenden Dom bis zu dessen Fertigstellung bewachen, Unglücke vermeiden und nach dem Rechten sehen. Rudi und Leo, "die Domspitzen" wie sie sich nun nennen, sind betrübt, denn das wird sicher ein paar Jahre dauern.
Doch heute, als eine kleine Brieftaube fast mit Rudi zusammenstößt, sind sie immer noch auf der "Dombaustelle" - siebenhundertsechzig Jahre später! Und sie haben eine Menge zu erzählen. Und da ihnen langweilig ist, helfen sie der Taube auch noch, ihren Brief zu übergeben.

Was für eine Idee. Einen Reiseführer über die Geschichte des Kölner Doms, einen Stadtführer durch die Kölner Altstadt und eine Geschichtensammlung über einige der bekanntesten Kölner Originale - angefangen beim Kalledrisser, über Tünnes und Schäl bis hin zu den Heinzelmännchen - als Comic zu gestalten.
Ein wenig seltsam sieht das Coverbild schon aus, auf dem glänzende rote Luftballons am von oben zu sehenden Dom vorbeischweben und zwei bläuliche Geister, die oben auf den Türmen hocken, zu sehen sind. Und diese Geister führen auch noch durch die Geschichte des Kölner Doms, leiten eine Taube durch die Altstadt und erzählen aus der wechselvollen Vergangenheit Kölns.
Doch schon nach einigen Seiten merkt man, wie lustig, irrwitzig, amüsant, grotesk und verschroben es zuging in den Jahrhunderten, in denen der Dom meist überhaupt nicht weitergebaut wurde. Das halbe Jahrtausend, in dem ein riesiger Baukran die Silhouette des Doms "verschönerte", die endlosen Zeiten, in denen der Dom zweckentfremdet wurde, gar der Abriss drohte oder die Baupläne verschwunden waren und eine Fertigstellung unmöglich schien.

Garniert mit den witzigsten Geschichtchen aus der Kölner Geschichte, herrlich komischen Erklärungen, wie es zu dem einen oder anderen Kölner Original und seinem Spitznamen gekommen ist, ist der eigentliche Stadtführer eine wundervoll nebensächliche Zugabe. Die anschaulichen Zeichnungen von Ralf Paul unterstützen den trockenen Humor des Textes, steigern ihn sogar ins grotesk-köstliche. Als Kölner wird man diesen Comic lieben, als Domkenner schätzen und als Gast nicht nur bewundern, sondern auch noch nutzen können.
Denn neben den großformatigen Teilbildern der Kölner Altstadt, die sämtliche Straßennamen, Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten der Altstadt erkennbar illustrieren, ist dem Comic ein Din-A3-Blatt beigelegt, dass die gesamte Kölner Altstadt und einen Begehungsvorschlag enthält.

Diese "Domspitzen" sind köstlich. Einmalig verdrehte, perspektivisch schwindlig machende Bilder von Ralf Paul, der humorvoller Text von Martin Cordemann und eine perfekt illustrierte Altstadttour machen richtig Spaß. Nicht nur der Tourist, auch der Kölner wird seinen Spaß mit diesem Comic haben. Vor allem der respektlose Umgang mit den Kirchenoberen und Honoratioren und einigen historischen Heroen der Stadtgeschichte ist einmalig komisch und weit ab von jedem herkömmlichen Stadtführer. Für knapp zehn Euro bekommt man eine Menge Geschichte und viele Geschichtchen geboten, die man so noch nie gelesen oder gesehen hat.

Stefan Erlemann



Softcover | Erschienen: 1. August 2007 | ISBN: 9783939565024 | Preis: 9,95 Euro | 48 Seiten | Sprache: Deutsch

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