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 Du siehst mich nicht

Autoren: Erika Kroell
Verlag: KBV

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Nachdem die schwangere Viola Blumenthal und ihre vierjährige Tochter Anna vor zwölf Jahren Opfer eines brutalen Überfalls wurden, ist nichts mehr so wie es war. Von einem Unbekannten niedergestochen und liegengelassen, kämpfte sie mit einem schweren Trauma und schafft es kaum, das Haus zu verlassen. Umgeben von einer Unmenge an Nudeltüten, Kekspackungen und Konserven, die einen Schutzwall zur Außenwelt bilden, lebt die begabte Malerin mit ihrer Tochter in völliger Abgeschiedenheit. Ihr Mann Carsten hat sie bereits zwei Jahre nach dem Überfall verlassen und Bekannte oder Freunde gibt es nicht, da Viola sich für ihre, mit Bergen von Lebensmitteln voll gestopfte, Wohnung schämt. Besonders Anna, die inzwischen fünfzehnjährige Tochter, leidet unter den Problemen der Mutter. Nie kann sie eine Freundin mit nach Hause bringen, gekocht wird nicht, da es keinen Durchgang zum Herd gibt und ein gemütlicher Fernsehabend mit der Mutter ist unmöglich, weil riesige Stapel von Broschüren und Zeitungen nur noch einen schmalen Gang im Wohnzimmer gelassen haben. Nachdem Violas Mutter Margret das ganze Ausmaß der Misere entdeckt, finden sie gemeinsam einen Weg, um Viola langsam an die Außenwelt zu gewöhnen. Gerade als diese beginnt, sich mit der neu gewonnenen Freiheit zu arrangieren, entdeckt sie während einer Vernissage den Mann, der ihr das alles angetan hat und der eigentlich im Gefängnis sitzen müsste. Bewaffnet mit einem Messer nimmt sie sich vor, ihm beim nächsten Mal mutig entgegenzutreten. Ein Vorhaben, zu dem es nicht mehr kommt, denn kurz darauf ist Anna spurlos verschwunden und Violas Welt bricht erneut zusammen.

Bereits auf den ersten Seiten des Buches offenbart sich dem Leser ein Szenario, das ihn zugleich erschreckt, aber auch nachdenklich werden lässt. Eine junge Frau und Mutter baut in ihrer Wohnung riesige Barrieren aus Lebensmitteln auf, um sich vor der Außenwelt zu schützen. Unfähig mit den Geschehnissen vor zwölf Jahren fertig zu werden, als ein Mann sie mit mehr als 50 Messerstichen schwer verletzte und in einem Waldgebiet liegen ließ, schottet sich die Fünfunddreißigjährige völlig vom Leben ab. Ein Trauma, das sie alleine nicht zu bewältigen weiß und das die Autorin Erika Kroell so einfühlsam und facettenreich beschrieben hat, dass es dem Leser allein schon deshalb nicht gelingt, das Buch aus der Hand zu legen. Doch nicht nur das Martyrium der Mutter, die sich seit dem Tag im Wald als Opfer fühlt, wird nachvollziehbar und mit der nötigen Dramatik erzählt, auch die daraus erwachsenen Probleme für die Tochter Anna werden umfassend beleuchtet.
Eine wirklich bewegende Erzählung, die für sich gesehen genug Spannungspotential beinhaltet, aber noch dadurch verstärkt wird, dass die in sich gekehrte Frau glaubt, ihrem Peiniger erneut zu begegnet zu sein. Eine Tatsache, die sich wiederholt und nicht nur ihr Leben zu einer Zerreißprobe werden lässt. Ein wirklich spannendes Buch, das durch den plötzlichen Einsatz zweier selbstloser Polizistinnen zwar etwas an Glaubwürdigkeit verliert, trotz allem aber eine gute Empfehlung für Krimiliebhaber darstellt, die etwas mehr Tiefgang mögen.

Fazit:
„Du siehst mich nicht“ ist ein Kriminalroman, der sich durch seine Vielschichtigkeit und erschreckende Authentizität hervortut und für die Zukunft noch viel von der Autorin erwarten lässt.

Dorit Wiebke



Taschenbuch | Erschienen: 8. November 2009 | ISBN: 978-3940077721 | Preis: 9,50 Euro | 255 Seiten | Sprache: Deutsch

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