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 Eins, zwei, drei - beim vierten bist du frei


Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis


"Ich glaub¬ís ja nicht: Ihr lernt euch also kennen. Ihr tanzt und trinkt etwas zusammen. Und dann geht ihr nach Hause, macht ein Kind und beschließt, für den Rest eures Lebens zusammenzubleiben!?"

Dieser Satz verdeutlicht Paulas Fassungslosigkeit sehr gut:
Sie kommt gerade von einem längeren Aufenthalt aus den USA zurück, wo sie bis jetzt gearbeitet hat, und eine ihrer besten Freundinnen, Anna, ist schwanger. Nicht nur das, sie ist auch noch verlobt und glücklich.
Ihre andere Freundin Rakel ist immer noch die vertraute Karrierefrau, die sich nicht für Männer und Beziehung zu interessieren scheint. Immer noch gibt sie Paula Karrieretipps, die diese gar nicht so wirklich hören möchte. Paule fühlt sich wohl mit ihrem unsteten Leben ohne spezifischen Beruf, mit vielen Aushilfsjobs und mit Johan, ihrem Freund. Doch auch er drängt plötzlich immer mehr auf Hochzeit und Kinder, was Paula sehr verwirrt.
Doch langsam kommt auch in ihr Leben eine scheinbare Ordnung. Sie nimmt einen Job beim Fernsehen an, in welchem sie für eine Talkshow Promis einladen muss. Doch dies ist nur die erste Stufe auf dem Weg zur totalen Verwirrung, wie sich bald herausstellt.
Paula bekommt eine Schauspielrolle angeboten, ihre Beziehung mit Johan scheint in eine Krise zu münden, ein Promi fängt an, ihr den Hof zu machen, Rakel verändert und entfremdet sich von Paula und zu allem Überdruss muss sie nach Jahren mit der neuen Frau ihres Vaters auskommen.

Kajsa Ingemarsson, selbst Jahrgang 1965, hat mit "Eins, zwei, drei - beim vierten bist du frei" einen lesenswerten Debütroman geschrieben.
Der Roman ist als Lektüre für über Dreißigjährige gedacht, da dies auch das Alter der Protagonistin Paula und ihrer Freundinnen ist. Doch auch Jüngere können über Paula herzlich lachen und ihren Versuch, das Leben zu meistern, neugierig beobachten. Das Buch ist jedoch nicht nur humorvoll, auch traurige, tragische Momente finden sich zuhauf - dabei aber immer im Rahmen des Realistischen. Auch Paula selbst wird nie als Heldin dargestellt, immer als normaler Mensche mit Stärken, Schwächen, Ängsten und Zweifeln.
Man muss sagen, dass der Roman von der Figur Paulas lebt. Sie gibt dem ganzen erst den Witz und die Hintergründigkeit, die die Geschichte lesenswert machen. Ihre bissigen, ironischen, manchmal auch naiven Kommentare bringen den Leser immer wieder zum Schmunzeln und Lachen. Teilweise regt sie aber auch zu kleineren Wutanfällen an, wenn sie sich mal wieder wie ein verwöhntes Kind aufführt. Dann möchte die Leserin gern in die Rolle ihrer Freundin Rakel schlüpfen und diese Frau schütteln und so versuchen, sie zu Verstand zu bringen.

Nachteilig wirkt es, dass viele Handlungsstränge angefangen, aber nicht weitergeführt werden. So erfährt der Leser nach ein- oder zweimaliger Erwähnung nichts mehr über das Jobangebot aus Kapstadt, über die Affäre mit dem amerikanischen Schriftsteller oder über einen Bekannten Rakels. All diese Sachen werden angesprochen, die Handlung wird entwickelt, verläuft dann aber ohne befriedigenden Schluss im Sande.
Der Roman ist mit 377 Seiten von relativ großem Umfang, Vielleicht hätte die Weiterführung aller Handlungsstränge schlicht den Rahmen gesprengt, doch stellt sich dann die Frage, warum sie überhaupt begonnen wurden, da keiner davon die eigentliche Handlung weiter voran treibt.

Fazit:
Ein gelungener Roman über eine Dreißigjährige, die erkennt, dass auch sie endlich mal erwachsen werden muss, der größtenteils zu überzeugen weiß.

Anja Thiemé



Taschenbuch | Erschienen: 01. Mai 2006 | ISBN: 3423245379 | Originaltitel: Pa det fjärde ska det ske | Preis: 14,50 Euro | 377 Seiten | Sprache: deutsch

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